08. Juli 2020, 21:33 Uhr

Kriminalität

Wie sicher fühlen sich die Gießener?

Das Projekt »Aktio« von Polizeipräsidium Mittelhessen und Justus-Liebig-Universität soll die Prävention stärken. Jetzt wurden 4000 Fragebögen an Gießener Bürger verschickt.
08. Juli 2020, 21:33 Uhr
Der Bahnhofsvorplatz ist als ein Kriminalitätsschwerpunkt bekannt. FOTO: SCHEPP

Der Bahnhofsvorplatz und der Theaterpark sind zwei Orte, die viele Gießener in der Dunkelheit meiden. Die heimische Polizei weiß das natürlich, schließlich hat sie die Areale in der Vergangenheit häufig als Kriminalitätshotspots benannt. Andere Gefahrenstellen bleiben aber auch den Ermittlern verborgen. Das soll sich nun ändern.

Insgesamt vier Kommunen dabei

Zusammen mit der Professur für Kriminologie an der Justus-Liebig-Universität hat das Polizeipräsidium Mittelhessen das Projekt »Aktio« ins Leben gerufen. 4000 Gießener Bürger haben in diesem Zuge einen umfangreichen Fragebogen zugeschickt bekommen, um Einblicke in ihr subjektives Sicherheitsgefühl zu gewähren. »Das Projekt soll Polizei, Bürger und Kommune enger zusammenbringen und Wege finden, vor Ort mit einfacher Maßnahmen präsenter sein zu können«, betonte Polizeipräsident Bernd Paul bei einem Pressegespräch, an dem auch Britta Bannenberg, Professorin für Kriminologie an der JLU sowie Bürgermeister Peter Neidel teilnahmen.

Im Gegensatz zur Sicherheitsinitiative »Kompass« des Innenministeriums, an der sich alle hessischen Kommunen beteiligen können, ist »Aktio« zunächst auf die mittelhessischen Kommunen Gießen, Wetzlar, Butzbach und Stadtallendorf begrenzt. »Das ermöglicht uns, tiefer in die Materie einsteigen zu können«, betonte Bannenberg. Die 4000 Fragebögen seien an Gießener ab 14 Jahren verschickt worden, die Auswahl sei über das Zufallsprinzip erfolgt. Laut Bannenberg soll das Projekt später als Blaupause dienen und womöglich in ganz Deutschland wichtige Erkenntnisse für die Polizeidienststellen liefern.

Das auf zwei Jahre angelegte Projekt wurde von der Gießener Universität und der Polizei Mittelhessen gemeinsam ausgearbeitet, die Finanzierung in Höhe von 313 000 Euro übernimmt das Land.

Neidel begrüßt die Aktion und appellierte an die angeschriebenen Bürger, an der Umfrage auch teilzunehmen. Gleichzeitig betonte der Bürgermeister, dass in Gießen keinesfalls prekäre Umstände herrschten. »Schon jetzt arbeiten die zuständigen Stellen gut zusammen. Außerdem haben wir im Bereich der Prävention bereits viel umgesetzt.« Als Beispiele nannte er Runde Tische, das Projekt »Sicheres Gießen« sowie die geplante Kameraüberwachung an ausgewählten Kriminalitätsschwerpunkten. Die Anlage am Marktplatz beispielsweise werden schon »sehr bald« in Betrieb gehen.

Analyse dauert zwei bis drei Monate

Für das Team der Professur für Kriminologie ist »Aktio« nicht die erste Fragebogenaktion. Schon bei »Kompass« waren die Frauen und Männer im Einsatz. Und das stärker als zunächst angenommen. »Wir hätten nicht gedacht, dass sich so viele Kommunen daran beteiligen wollen«, sagte Bannenberg und räumte ein: »Durch die vielen Befragungen sind wir komplett ausgelastet. Wir haben keine Zeit, die Ergebnisse der Befragungen zu überprüfen.« Bei »Aktio« soll das anders sein. Bannenberg geht davon aus, dass die Daten aus den Fragebögen in zwei bis drei Monaten analysiert sein werden.

Dann sollen die Erkenntnisse der Polizei dabei helfen, kriminalpräventive Maßnahmen ergreifen und neue Gefahrenschwerpunkte ausmachen zu können. Denn, so Bannenberg: »Die Vorstellung, die Polizei weiß alles, ist abenteuerlich.« Längst nicht alle Verbrechen würden auch zur Anzeige gebracht, die Dunkelziffer sei sehr hoch. Zum Beispiel bei Sexualstraftaten.

Das weiß auch Polizeipräsident Paul. Er betonte daher auch: »Wir erhalten durch die Befragung ein neues Werkzeug. Wir können die Daten zum Zwecke der Prävention nutzen und noch gezielter auf die Bedürfnisse der Bürger eingehen.«

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