22. Mai 2019, 21:58 Uhr

Längere Mast, damit das Schnitzel nicht schrumpft

22. Mai 2019, 21:58 Uhr
Michael Franz setzt bei seinen Schweinen auf längere Mast, vermarktet werden Wurst und Fleisch als Landmarkt-Produkte in Supermärkten der Region. (Foto: Sekatsch)

Über mehrere Standbeine verfügt der landwirtschaftliche Betrieb von Michael Franz in Fernwald-Steinbach, den dieser in der fünften Generation im Hof an der alten Straße nach Lich betreibt. Da die Mastschweine, derzeit 50. Außerdem werden Getreide, Mais und Raps angebaut, und Wiesen bewirtschaftet. Vor wenigen Jahren hat Franz noch Milchkühe gehalten, doch nachdem vor knapp drei Jahren der Literpreis auf 20 Cent gefallen war, schaffte Franz die Kühe ab. Dabei gab nicht ausschließlich der niedrige Milchpreis den Ausschlag, auch die Kosten fürs Futter spielten eine Rolle. Wenn die eigene Ernte nicht ausreicht, müsse man zukaufen. Das gehe ins Geld. Und last but not least: »Die zeitliche Ersparnis beträgt rund 5000 Arbeitsstunden im Jahr. Meine Eltern konnten die Arbeitsbelastung nicht mehr täglich stemmen.« Im ehemaligen Kuhstall fristet seither die fest installierte Melkanlage ein einsames Dasein. Franz hofft, noch einen Abnehmer zu finden. Der Landwirt blickt nicht ohne Wehmut zurück: »Mir macht es Spaß, mit Tieren zu arbeiten.«

Schlachten mit 230 Kilo

Zwei Schweine werden pro Woche geschlachtet. Dabei erreichen die Tiere im Hof von Michael Franz ein Schlachtgewicht von 220 bis 230 Kilo, rund 100 Kilo mehr als »normale« Hausschweine. Wenn Franz die Tiere schlachtet, sind sie fast ein Jahr alt, andere kommen in der Regel nach rund vier Monaten zum Schlachthof. »Das zeigt sich, wenn das Schnitzel in der Pfanne liegt«, erläutert Michael Franz. »Das Fleisch unserer Schweine behält die Größe, andere dagegen schrumpfen.« Der Grund: Im Fleisch von älteren Schweinen ist weniger Wasser eingelagert. Michael Franz füttert seine Schweine mit geschrotetem Getreide, das er von seinen Feldern erntet. Einer der Schweineställe ist mit Stroh eingestreut, hier werden 24 Tiere gehalten. Geschlachtet werden sie im hofeigenen Schlachthaus. Das übernimmt Metzger Markus Franz, der nebenberuflich seinem Bruder Michael hilft. Franz hat Glück, denn die Zahl der Metzger nimmt ab, und es gibt immer weniger, die schlachten. »Die Investitionen sind einfach zu hoch.« Zum Schlachthaus gehört auch ein Kühlraum, in dem das vom Metzger verarbeitete Fleisch aufbewahrt werden kann. Der Verkauf erfolgt über »Landmarkt« in zahlreichen Rewe-Märkten in Hessen. »Durch die Direktvermarktung überspringe ich eine Kette im Handel«, sagt er.

Im Ackerbau setzt Franz auf Wintergerste, Weizen, Raps und Mais. Grassilage und Mais werden in eine Biogasanlage nach Ebdsorfergrund-Heskem gefahren, das Getreide und der Raps werden über Landhändler vermarktet. Zum Hof gehört außerdem ein Getreidelager an der Oppenröder Straße, in und an dem sich mehrere Getreidesilos befinden. Knapp 200 Hektar Land werden bewirtschaftet, eigenes sowie gepachtete Flächen.

Der Hof Franz zählt zu den größeren Betrieben. Die Durchschnittsgröße eines Hofes in Hessen liegt bei 43 Hektar. Im Gegensatz zu anderen Landwirtschaftsbetrieben wird im Hof Franz nicht die ganze Familie eingebunden. Die Ehefrau von Michael Franz ist nicht in den Betriebsalltag eingebunden. Wenn die Ernte schlecht ist und die Menge der erzeugten Produkte sinkt, dann ist das nicht automatisch gleichbedeutend mit steigenden Preisen, berichtet Franz. Die marktwirtschaftliche Regel, dass Angebot und/oder Nachfrage den Preis bestimmen, greife in der Landwirtschaft nicht immer. Das sei ein zusätzlicher Effekt des globalen Handelns, nicht immer zum Vorteil der heimischen oder auch nationalen Landwirtschaft.

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