22. Mai 2019, 21:58 Uhr

»Redet mit uns - anstatt über uns«

22. Mai 2019, 21:58 Uhr
Karl-Wilhelm, Thorsten und Silvia Langsdorf betreiben gemeinsam den Tannenhof in Hattenrod. (Foto: Sekatsch)

Eine breite Produktpalette bietet der Tannenhof in Reiskirchen-Hattenrod an, bei dem Erzeugnisse rund ums Schaf im Mittelpunkt stehen. Der Hof wurde vor 50 Jahren aus dem Ortskern ausgesiedelt und an seinem heutigen Standort errichtet. Silvia, Karl-Wilhelm und Thorsten Langsdorf leiten ihn gemeinsam.

Silvia Langsdorf bedient mit dem Verkaufsmobil auf Wochen- und Bauernmärkten in Bad Nauheim, Lich, Gießen und Butzbach. Kunden haben auch die Möglichkeit, Produkte vorzubestellen und entweder am Hof in Hattenrod oder am Verkaufswagen auf einem der Märkte abzuholen.

Etwa zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche von etwas mehr als 60 Hektar ist Ackerland, ein Drittel Grünland. Dabei werden Weizen, Triticale (Kreuzung aus Weizen und Roggen), Sommer- und Wintergerste sowie Winterraps angebaut.

Zu den Kunden gehört unter anderem die Pfungstädter Brauerei. Für die Rohstoffe ist es nötig, dass sie als »Geprüfte Qualität - Hessen« zertifiziert sind. Das sei auch ein Kompliment für den Tannenhof, der ständig »einer neutralen Qualitätskontrolle« unterzogen werde, um dieses Qualitätssiegel tragen zu dürfen.

An Böden anpassen

Die Böden sind rund um den Hof sehr unterschiedlich und nicht immer gleichermaßen ertragreich. »26 bis 31 Bodenpunkte«, verrät Thorsten Langsdorf, sieht darin keinen nennenswerten Nachteil: »Das ist Jammern auf hohem Niveau, man muss sich eben daran anpassen.«

Ackerbau ist ein Standbein des Hofes, Viehwirtschaft ein anderes. »Wir haben 140 Mutterschafe plus Nachwuchs, dazu noch 100 Legehennen, Puten, Gänse und Enten.« Und hier zahlt sich der eigene Getreideanbau aus: »Es muss kein Mastfutter gekauft werden.«

Im vergangenen Jahr haben die Trockenheit und die Hitze auch dem Tannenhof zugesetzt. »Die komplette Herbstlammung fehlt, und wir konnten weniger Grünfutter auf unseren Flächen erzeugen«, erklärt Silvia Langsdorf. Schaden richten auch die Wildtiere an. Krähen und auch Füchse (»die vermehren sich explosionsartig«) stellen für die Schafzüchter ein großes Problem dar, ergänzt Karl-Wilhelm Langsdorf.

»Und vor dem Wolf haben alle Viehhalter Angst.« Die Entschädigungen, die für ein getötetes Schaf oder Lamm gezahlt werden, entsprechen bei Weitem nicht dem Schaden.

Der Tannenhof bietet Lammfleisch in allen möglichen Variationen von Salami bis Steak. Pflanzlich gegerbte Lammfelle, Wolle oder Fellschuhe, Wurst und Fleisch vom Schwein sowie Geflügelprodukte und Eier aus Freilandhaltung, selbst gemachte Marmelade, Rapsöl sowie Honig.

Thorsten Langsdorf gehört zu den Landwirten, die ihr Handeln erklären und für eine intensivere Öffentlichkeitsarbeit eintreten. Er hat sich der Aktion »Ernte in Gefahr« angeschlossen. Dabei hat er eine Parzelle in einem Getreidefeld neben dem Hof markiert, bei dem keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. So haben Spaziergänger und Radfahrer, die mit einem Schild auf dieses »Schaufenster« aufmerksam gemacht werden, die Möglichkeit, zu vergleichen, wie ein Feld mit und ohne Pflanzenschutzmittel aussieht, wenn sich also Nahrungskonkurrenten, Schädlinge und Pilze ungehindert ausbreiten können. »Ich sehe es auch als meine Aufgabe an, Aufklärungsarbeit zu leisten. Redet mit uns anstatt über uns«, erklärt er.

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