22. Mai 2019, 19:25 Uhr

Der Traum vom eigenen Hof

22. Mai 2019, 19:25 Uhr
Sebastian Bönsel mit seinem Sohn Felix und Lebensgefährtin Annalena Möckel bei den Hühnern. (Foto: Dauernheim)

Sebastian Bönsel lebt seinen Traum. »Ich wollte immer schon Landwirt werden«, erzählt der 27-jährige Echzeller. Bereits in der Grundschule schrieb er den Berufswunsch »Bauer« in Freundebücher. Sein Opa hatte einen kleinen Hof in Gettenau. An den Acker, auf dem Dickwurz und Kartoffeln gezogen wurden, erinnert er sich noch gut. Irgendwann gab’s das nicht mehr. Die Nachmittage verbrachte er als Bub auf verschiedenen Höfen in Echzell: »Erst bei Stolls Gerhard, später bei Reitze Hugo und 2001 bin ich dann bei Eichelmanns gelandet.«

Praktika als Landmaschinenmechaniker oder Schreiner konnten ihn nicht von seinem Berufswunsch abbringen. Nach der Schule war klar: Er absolviert eine landwirtschaftliche Lehre. Drei Jahre, drei verschiedene Höfe. Nach dem ersten Jahr, gab’s zum Abschied als Geschenk ein Kalb. Die Ausbildung schloss er bei Jörg Eichelmann ab, wo er schon als Kind seine Freizeit verbrachte. Bönsel blieb als Angesteller. Seither kümmert er sich um die Arbeiten auf den Feldern des Ackerbaubetriebs. Das genügt dem Landwirts-Enthusiasten längst nicht. Irgendwann verpachtete ihm seine Tante eine Wiese. »Im Pachtvertrag stand: »Damit die Kälbchen, was Grünes zu fressen haben«, erzählt seine Lebensgefährtin Annalena Möckel.

Inzwischen hält er fast 20 Mastrinder. Bönsel pachtete eine Halle, baute einen Unterstand für die Tiere an. Aus einer Wiese wurden mehrere. Er schaffte sich einen Traktor an, kaufte gebrauchte Maschinen, um das Heu zu machen. Dann die nächste Idee: Hühner halten. Ein Hühnermobil sollte es sein, aber selbst gebaut. Bönsel informierte sich, experimentierte. Freund Holger Winter half, das jetzige Mobil aus einem ausrangierten Container herzurichten. 150 Hühner hält Bönsel am Echzeller Ortsrand. Die Eier werden zu Hause verkauft, das erledigt die Mutter. Manche Kunden beliefert er direkt. Zwei Rinder lässt er im Jahr schlachten, das Fleisch wird selbst gegessen, zu kleinen Teilen verkauft.

Zwei Stunden kümmert er sich täglich um seine eigene Landwirtschaft. Füttern, Misten, für genug Wasser sorgen, denn einen Wasser- oder gar Stromanschluss hat die gepachtete Halle nicht. »Im Winter läuft ein Stromaggregat, damit ich im Dunkeln beim Füttern Licht habe«, erzählt er. »Zur Heuernte ist es dann natürlich etwas mehr Aufwand«, gibt der Jung-Landwirt zu. Zeit für Hobbys bleibt da nicht mehr viel. Geblieben ist das Engagement bei der Feuerwehr.

»Man muss schon etwas positiv verrückt sein, das zu machen«, sagt Annalena Möckel. »Und braucht einen Partner, der das mitmacht.« Sie macht es mit. Ihre Familie unterstützt: Müssen die Rinder auf eine entlegenere Weide transportiert werden, wird der Wagen von Schwiegervater Möckel genutzt. Der Landwirt aus Langenhain-Ziegenberg war es auch, der drängte, dass Bönsel seinen Hof anmeldete. »Die ganze Bürokratie war Neuland für mich«, erzählt er. Inzwischen bewirtschaftet der Jung-Landwirt 14 Hektar Wiesen und Äcker, hinzukommen die Wiesen seines Chefs und einige Streuobstwiesen, deren Besitzer froh sind, wenn Bönsels Rinder das Gras fressen. Der Ackerbau ist seit dieser Saison hinzugekommen. Futtermais, Luzerne und Sommergerste hat er ausgesät. »Das brauche ich als Futter für die Tiere.« Viehmäßig soll sein kleiner Hof nicht weiter wachsen. »Mein Ziel ist es, mit meiner Landwirtschaft unabhängig von anderen zu sein.« Klar, wäre eine Halle mit Stall, die ihm gehört, schön. Sein Wirken im Eigenen soll ein Nebenerwerb bleiben. Ein besonderes Hobby - sein Lebenstraum.

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