22. Mai 2019, 21:22 Uhr

Boden ist nicht gleich Boden

22. Mai 2019, 21:22 Uhr
Leistungsstarke Traktoren gehören zum Fuhrpark des landwirtschaftlichen Betriebes von Clemens Lischka. (Foto: se)

Der Betrieb, den Clemens Lischka bewirtschaftet, ist etwas Besonderes. Nicht nur wegen Größe und Ausdehnung. 800 Hektar bewirtschaftet er. Nicht nur die Größe und Ausdehnung ist es, die ihn im Reigen er Höfe zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und dem Marburger Land, zwischen dem Vogelsberg und Westerwald/Taunus ausmacht. Die Anbauflächen verteilen sich von Niddatal-Assenheim (Hofgut Wickstadt) im Süden bis hin in den Ebsdorfergrund im Norden.

Bei dieser Ausdehnung liegt es auf der Hand, dass es Lischka und seine vier Mitarbeiter mit unterschiedlichen Bodenarten zu tun haben. Einmal der tiefgründige, lösshaltige Untergrund in der Wetterau, andererseits der flachgründige, tonhaltige Boden in den Ausläufern des Vogelsberges. Winterweizen, Zuckerrüben, Braugerste lautet die Fruchtfolge. Auf weniger ertragreichen Böden wird statt Rüben Raps angebaut.

Im Ackerbau bedienen sich Lischka und seine Mitarbeiter eines Hilfsmittels: Ein Teil der Felder wird beregnet, denn gerade in den Sommermonaten Juli und August haben die Pflanzen einen erhöhten Wasserbedarf.

»Wir bewirtschaften einen Ackerbaubetrieb auf 100 Prozent Pachtbasis«, erklärt Lischka. Und das kann auch Probleme mit sich bringen. In der Vergangenheit wurden die Pachtverträge über zwölf bis 18 Jahre abgeschlossen, und dann wurde neu verhandelt. Jetzt würden Pachtverträge zum Teil auf lediglich drei Jahre ausgelegt. »Das ist keine gute und gesunde Entwicklung.« Die Nachhaltigkeit sei so nicht unbedingt gegeben. Und eine langfristige Planung werde dadurch erschwert.

Voraussetzung für die Fruchtbarkeit der Felder ist das Vorhandensein eines Humusbodens in ausreichender Menge. Und um den Humus zu erhalten, werden das Stroh und die Blätter der Zuckerrübenpflanzen nicht abgefahren, sie »bleiben im System« und dienen neben der Wurzelmasse den Mikroorganismen und Kleintieren als Nahrungsquelle. »Wenn wir hier zu wenig tun, verliert der Boden an Nahrungsgrundlagen«, erklärt Lischka. »Das sind wichtige Organismen. Wenn wir die nicht hegen und pflegen, leidet die Ertragsfähigkeit.«

Mit Fingerspitzengefühl

Naturgemäß ist die Landwirtschaft wie nur wenige Erwerbszweige auch direkt abhängig vom Wetter. Den richtigen Zeitpunkt der einzelnen Maßnahmen zu treffen, ist sehr wichtig und kann einen unmittelbaren Einfluss auf die Ernte ausüben. Es erfordere viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl, zu entscheiden, wann der Mineraldünger aufs Feld gebracht wird.

»Wir haben zwei studierte Landwirte im Team«, erklärt Lischka. Das Wissen und die Erfahrung sind also da, um am Ende die richtige Entscheidung zu treffen. »Ein falscher Zeitpunkt der Bearbeitung auf tonhaltigen Böden hat fatale Folgen«, sagt Lischka. Allerdings: Boden ist nicht gleich Boden. Und so bedient sich der Betrieb modernster Technik, um das Optimum an Effektivität zu erreichen.

Beim Düngen wird mittels GPS die Dosierung gesteuert. Damit wird erreicht, dass der Boden jeweils die richtige Menge an Dünger sowie Pflanzenschutzmittel erhält. Das Sprühgerät verfüge über vier unterschiedliche Düsen, an denen jeweils andere Einstellungen vorgenommen werden könnten. Überhaupt dürfe ab einer Windstärke von fünf Metern pro Sekunde kein Pflanzenschutzmittel mehr aufgebracht werden. »Das würde auch keinen Sinn machen, denn das Mittel würde im wahrsten Sinne des Wortes vom Winde verweht werden.«

Landwirtschaftlichen Geräte sind sehr kostenintensiv, doch bei einem Betrieb dieser Größenordnung sei es unabdingbar, dass die Geräte bei Bedarf zur Verfügung stehen. So werde der Mähdrescher nur an 14 Tagen im Jahr benötigt, aber dann muss er eingesetzt werden können. Allerdings stellt Lischka immer wieder fest: »Man muss auf die Wirtschaftlichkeit achten.«

Apropos Wirtschaftlichkeit: Auch die Witterung kann den Pflanzen in dieser Hinsicht das Leben schwer machen. Lischka nennt ein Beispiel: »Wir hatten zuletzt eine extreme Wärme. Das führte zu einer explosionsartigen Zunahme von Läusen und anderen Schädlingen. So hat uns ein Käfer, der erst bei über 20 Grad aktiv wird, schon zwei Hektar aufgefressen.« Ein Problem bestehe auch darin, dass »viele neue Pflanzenschutzmittel noch nicht zugelassen« werden. Ein weiteres Hindernis, gerade für eine mögliche Umstellung auf Bio: »Es ist eine extreme Schwierigkeit, zuverlässige Arbeitskräfte zu bekommen.« Und: »Die Arbeitskräfte werden teurer, die Produkte geben das aber nicht her.«

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