30. Mai 2010, 19:38 Uhr

»1. Gießener Entenrennen«: Schwarm in Gelb schippert über die Wieseck

Auf Einladung des Lions-Club Gießen Justus von Liebig nahmen am Sonntag mehr als 1700 kleine Plastikenten am "1. Gießener Entenrennen" auf der Wieseck teil. Dem Gewinner winkte eine einwöchige Florida-Reise. Der Erlös der Veranstaltung geht an die Kinderdiabetologie am Uniklinikum.
30. Mai 2010, 19:38 Uhr
Hunderte standen am Ufer der Wieseck und beobachteten die mehr als 1700 Enten auf ihrem Weg zum Ziel. (Foto: srs)

Gießen (srs). Der Schwarm in Gelb schippert lautlos über die Wieseck. Mehr als 1700 kleine Quietsche-Entchen stoßen aneinander, überholen sich gegenseitig. Die Strömung bewegt sie voran von der Moltkestraße aus am Rathaus entlang bis zur Bleichstraße. Das zweite große Treiben währenddessen herrscht am Ufer. Hunderte Menschen marschieren neben dem Entenzug, feuern ihre eigenen Plastiktierchen lautstark an. »Auf, Elke«, ruft einer. Als erster Preis winkt immerhin eine Woche in Florida. Eingeladen zu dem Entenrennen am Sonntagnachmittag hat der Lions-Club Gießen Justus von Liebig. Der Erlös geht an die Kinderdiabetologie am Uniklinikum. Und so schlagen die Mitstreiter des Lions-Clubs gleich vier Fliegen mit einer Klappe: Sie unterhalten Hunderte Teilnehmer und animieren sie gleichzeitig zu einem kleinen Spaziergang. Die Aktion ist für den guten Zweck. Und für die Dauer des Rennens rückt die Wieseck in den Mittelpunkt des Geschehens.

Die Reise über die Wieseck beginnt für die Enten in einer Baggerschaufel. Zum Start des Rennens lässt ein Radlader sie von einer Brücke in den Fluss fallen. Die Plastiktiere rieseln hinunter. Für einige Momente scheinen sie zu überlegen, welche Richtung sie einschlagen wollen. Dann aber setzt die Strömung die Richtung. 900 Meter haben die Enten zu bewältigen. Immer wieder stehen Hindernisse wie Felsen und Baumstämme im Weg. Stromschnellen kippen sie kopfüber unter Wasser. Helfer des Lions-Clubs und vorneweg »Schlammbeiser« Axel Pfeffer stehen jedoch in der Wieseck und sorgen dafür, dass kein Tier zurückbleibt. Auch mehrere Kinder zeigen Mitleid mit weit zurückliegenden, lahmen Enten und versetzen ihnen einen Schubs, so dass am Ende, nach 57 Minuten, der komplette Schwarm am Ziel ankommt.

Viele haben ihre Tiere bemalt, um sie während des Rennens begleiten zu können. Cornelia Polivka-Lang aus Linden und ihre Tochter haben ihre Ente mit einer silbernen Brille und einem Smiley-Symbol markiert. Auf die Frage, ob sie ihren Schützling womöglich für das Rennen präpariert habe, antwortet Polivka-Lang: »Nein. Unsere Ente ist ehrlich.« Tatsächlich haben einige versucht, ihre Enten schneller zu machen. Ein Teilnehmer hat sein Plastiktier mit Federn ausgestattet, um die Schwimmeigenschaften zu verbessern. »Die ersten fünf Enten müssen natürlich zur Dopingkontrolle«, merkt scherzhaft Axel Pfeffer an, der den Zieleinlauf der Enten mit Humor moderiert. »Herrlich, dass man mit einer so einfachen Idee so vielen Menschen Spaß bereiten kann«, sagt Pfeffer anschließend im kurzen Gespräch mit der AZ. »Gießen gibt sich ja gerne als Stadt der Wissenschaft. Aber man kann nicht nur von Wissenschaft leben.« Weitgehend haben die Veranstalter Glück mit dem Wetter. Erst nach dem Zieleinlauf setzt Regen ein.

Kurz vor dem Endpunkt des Rennens an der Bleichstraße reckt eine lebendige Ente irritiert den Hals, als die gelben Figuren aus Plastik an ihr vorbeiziehen. Die Ersten erreichen bereits nach 40 Minuten das Ziel, der Regen in der Nacht zuvor hat die Strömung verstärkt. Die Gewinnerin liegt wenige Meter vor dem Ende noch auf Rang drei, schiebt sich dann jedoch in letzter Sekunde vor in den schmalen Kanal, der ins Ziel führt. Den ersten Platz und damit eine Woche in Florida mit Flug und Übernachtung belegt die Ente mit der Nummer 1244. Die Nummer 1150 fährt auf dem zweiten Rang ein Wochenende in Hamburg für zwei Personen ein. Der dritte Rang bedeutet für die Nummer 0377 ein Abendessen für Zwei in Gießen. Die Angaben sind ohne Gewähr. Die Ergebnisse sind einzusehen im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.giessener-entenrennen.de" text="www.giessener-entenrennen.de" class="more"%>. Bisher hat sich nur für den 9. Preis eine Teilnehmerin gemeldet, die Gießenerin Katja Dahms. Sollte in den kommenden vier Wochen kein weiterer Gewinner auf sich aufmerksam machen, würde sie den ersten Platz einstreichen.

Hoch zufrieden äußert sich am Ende der Activity-Beauftragte des Lions-Clubs Justus von Liebig, Armin Gebauer, ab Juli Präsident des Clubs. Die fünf Euro pro Ente kommen der Kinderdiabetologie am Gießener Uniklinikum zugute. Prof. Stefan Wudy, Leiter der Kinder- und Jugend-Diabetologie, zeigt sich »überwältigt von dem großen Zuspruch«. Seine Patientengruppe stehe sonst nicht im Interesse der Öffentlichkeit. »Mein innigster Dank an den Lions-Club und an alle Teilnehmer.« Gruß- und Dankesworte zur Eröffnung des Entenrennens sprach auch Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz.



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