28. August 2009, 21:22 Uhr

20 junge Ringelnattern in die Freiheit entlassen

Gießen (ck). Sie sind ungefähr 15 Zentimeter lang und knapp bleistiftdick und sie wollen nur eins: raus aus dieser blöden Kiste, die in den letzten Stunden ihr Domizil gewesen ist.
28. August 2009, 21:22 Uhr
Die Ringelnattermama mit dem werdenden Nachwuchs in ihrem Gelege im Haus von Dr. Jochen Schwandt in Aßlar. (Foto: pv)

Gießen (ck). Sie sind ungefähr 15 Zentimeter lang und knapp bleistiftdick und sie wollen nur eins: raus aus dieser blöden Kiste, die in den letzten Stunden ihr Domizil gewesen ist. Und kaum haben »Papa« Dr. Jochen Schwandt und Dr. Hans-Joachim Grommelt den Deckel geöffnet, da schlängeln sie sich über den Rand in die Freiheit. Die Rede ist von 20 jungen Ringelnattern, die vor einigen Tagen in einem Naturschutzgebiet am Rande Gießens eine neue Heimat erhalten haben und seitdem die dortige Fauna bereichern.

Gebürtige Gießener sind die Neubewohner nicht. Gechlüpft sind sie im Keller eines Wohnhauses in Aßlar, wo Schwandt ihrer Mama einen kuschligen Ort zur Eiablage eingerichtet hatte. Auf die Ringelnatter aufmerksam gemacht geworden war der Experte, der mehr als 20 Jahre selbst Schlangen züchtete, von den Bewohnern eines Neubaugebiets in Aßlar. Schnell hatte er erkannt, dass das Tier »in anderen Umständen war«. Und da es in weiten Kreisen der Bevölkerung immer noch Vorbehalte gegen Schlangen gibt, es für die Schlange zudem schwierig geworden wäre, einen geeigneten Brutplatz zu finden, hatte Schwandt die werdende Mutter mit nach Hause genommen. 34 Tage nach der Eiablage schlängelten sich dann die Nachwuchsnattern aus den Schalen.

Während das Muttertier an der Dill eine neue Heimat fand, ging in Gießen Umweltamtsleiter Grommelt - wie Schwandt in der Agenda-21-Gruppe »Natur- und Umweltschutz« aktiv - auf die Suche nach einem geeigneten Domizil für den Nachwuchs. Und nachdem dieses gefunden war, stand dem Tag der Freilassung nichts mehr im Wege. Beide Naturfreunde hoffen nun, dass die jungen Tiere zu stattlichen Ringelnattern heranwachsen, ohne zuvor von ihren Fressfeinden (Vögeln, Füchsen, Katzen...) erwischt zu werden. Sie selbst werden sich in Zukunft vor allem von kleinen Fischen, Amphibien oder Insekten ernähren.

Für Menschen sind Ringelnattern, die auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere stehen und bis zu etwa 1,20 Meter lang werden können, ungefährlich. Im Gegenteil: Der Mensch gehört zu ihren größten Feinden: Immer wieder werden Tiere von Autos überfahren oder zuweilen gar erschlagen.

Den »schlechten Ruf« der Tiere, der wohl vor allem auf Unwissenheit beruhen dürfte, bedauert auch Schwandt. Nach seinem Pharmaziestudium war der gebürtige Berliner in den USA erstmals mit den Reptilien in Berührung gekommen und hatte in der Folge Schlangen gezüchtet. Seit einigen Jahren hat er Krustenechsen - die einzigen bekannten giftigen Eidechsen - zu seinem Forschungsobjekt auserkoren und gilt als einer der führenden Experten in Sachen Heloderma suspectum.

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