18. Mai 2018, 22:19 Uhr

Absurd, derbe und wortgewandt

18. Mai 2018, 22:19 Uhr
Scharfer Beobachter und Redner: Frank Goosen widmet sich den Sonderbarkeiten des Lebens. (Foto: rha)

Gießen (rha). Plötzlich ging am Donnerstagabend auf und vor der Bühne des Jokus das Licht aus. Frank Goosen stoppte gerade noch so, bevor er über das Treppchen zu seinem Lesepult stolpern konnte. Was war da los? Der Kabarettist und Romanautor hatte seine Absprache mit den Technikern vergessen und war zu früh zur Bühne geeilt. »Mit Verwirrung kann ich dienen«, versprach Goosen, der auf Einladung des Vereins KulTour2000 zu Gast war. »Ich bin konstant verwirrt.« In seiner Leseshow »Was ist da los?« bediente sich Goosen dementsprechend aus einem umfangreichen Fundus an Alltagssituationen, in denen er sich wundert. Das Publikum wunderte sich gerne mit ihm und amüsierte sich über seine pointierten Witze.

Flusen an Nacktschnecken

Kein großes Thema blieb unangetastet: Arbeit, Liebe, Fußball – Goosen griff mit seinen Geschichten mitten ins Leben. Er brüstete sich damit, in seinen bald 52 Lebensjahren noch keinen einzigen Tag richtig gearbeitet zu haben. Als Kind des Ruhrgebiets habe er schnell festgestellt: »Richtige Arbeiter sehen einfach nicht gut aus.« Außerdem habe schon seine »Omma« gesagt: »Man muss Spaß haben im Leben.« Daher bereitet Goosen nun hauptberuflich anderen Spaß, indem er die Absurditäten des Alltags bemerkt. Der Kabarettist erzählte von Flusen an Nacktschnecken in dem Dschungel, den er seinen Garten nennt, imitierte lispelnde Hochgeschwindigkeitssprecher und -denker aus dem Ruhrpott, freute sich über viel zu selten genutzte Begriffe wie »Brauchwasserbegrenzer« und fragte sich, wann ein Brief ein Brief, ein Info-Brief oder ein Päckchen ist. »Da könnte ich ja stundenlang drauf rumdenken«, meinte er und beschrieb damit die große Stärke seines aktuellen Programms: Goosen bemerkt die Absurditäten des Alltags nicht nur, er durchdenkt sie, bis sie vollends absurd scheinen, und präsentiert sie anschließend äußerst wortgewandt.

Grabinschrift für Fußballfans

Auch vor derben Sprüchen schreckte Goosen nicht zurück, allerdings nicht ohne das Publikum vorzuwarnen: »Der Abend wird schließlich von einem Kulturverein organisiert. Da möchte ich Sie nicht unvorbereitet in die unanständigen Witze gehen lassen.« Er arbeitete sich von dem Tag, an dem Mädchen für ihn als 16-Jährigen plötzlich schön wurden, durch seine Beziehungsphase in den Zwanzigern bis zur Gegenwart vor, »ein Alter, in dem die ersten Instandsetzungsarbeiten fällig sind«. Beim Thema Fußball lief Goosen zu Höchstform auf und ließ eine seiner Figuren eine dramatische Predigt darüber halten, warum am Spieltag kein Weg am Stadion vorbeiführt. Zu guter Letzt machte er sich sogar noch über die beste Grabinschrift Gedanken. Das Publikum bedankte sich für den unterhaltsamen Rundumschlag mit langem Applaus.

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