25. Oktober 2019, 22:08 Uhr

Abtreibung: Land will mehr Anbieter

25. Oktober 2019, 22:08 Uhr
Mit Trommeln und Tanz umrahmen junge Flüchtlinge die Abschlussveranstaltung zum Pro-Familia-Jubiläum im Rathaus. (Foto: Schepp)

Die Landesregierung arbeitet »intensiv« daran, dass wieder mehr Arztpraxen oder Kliniken Schwangerschaftsabbrüche anbieten. Auch das Bundesgesundheitsministerium bereite ein Konzept zur Verbesserung der Versorgungslage vor. Das erklärt Anne Janz (Grüne), Staatssekretärin im hessischen Sozialministerium, bei einer Feier zum 50-jährigen Jubiläum von Pro Familia Gießen. Beim offiziellen Abschluss der Veranstaltungsreihe stand erneut das Thema Abtreibung im Fokus - nicht nur aus historischer Sicht, sondern gerade mit Blick auf die aktuelle Debatte über den Strafgesetzbuch-Paragrafen 219a.

Früh Aufklärung geleistet

Bei der Gründung 1969 gehörte zu den offiziellen Zielen von Pro Familia noch »die Bekämpfung von Schwangerschaftsunterbrechung«. Als Abtreibung 1974 in der Bundesrepublik mit der Reform des Paragrafen 218 rechtlich möglich wurde, rückte die respektvolle Beratung in den Mittelpunkt. Sämtliche Rednerinnen und Redner im Hermann-Levi-Saal des Rathauses würdigten den Einsatz des Ortsverbands für das Selbstbestimmungsrecht von Frauen.

Seit zwei Jahren steht der Paragraf 219a im Brennpunkt, der Ärztinnen und Ärzten die Information (»Werbung«) über Abtreibung verbietet. Die Kampagne zu seiner Streichung, ausgelöst von der Gießener Ärztin Kristina Hänel, führte Anfang des Jahres zu einer Reform durch den Bundestag.

Mit diesem Kompromiss seien keineswegs die Probleme gelöst, unterstreicht Janz in ihrem Grußwort, das in ihrer Abwesenheit verlesen wurde. Das Schwangerschaftskonfliktgesetz weise den Ländern zwar den Auftrag zu, eine ausreichende Versorgung mit Möglichkeiten zum Schwangerschaftsabbruch sicherzustellen. Es habe ihnen aber zugleich »große Steine in den Weg gelegt«. So habe das Land keine ausreichenden Informationen über Anlaufstellen.

Immerhin sei es in Hessen gelungen, »Bannmeilen« für Demonstrationen radikaler Lebensschützer festzulegen. Die Grüne wertet diese Mahnwachen als Angriffe gegen den »gesellschaftlichen Konsens zum Selbstbestimmungsrecht der Frau« und mahnt: »Wir müssen aktiv dagegenhalten und die Errungenschaften verteidigen.« Pro Familia trage dazu unter anderem mit »mutiger Öffentlichkeitsarbeit« bei, so Janz.

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz (SPD) erinnerte an die »erbitterte Kampagne« evangelikaler Christen gegen die Pro-Familia-»Abtreibungsambulanz« vor 30 Jahren. Mit »Bedauern« sehe sie, dass das Verantwortungsbewusstsein Schwangerer in der Diskussion der letzten zwei Jahre immer noch infrage gestellt werde.

Die OB mahnte indes, man dürfe die Beratungsstelle nicht auf das Thema Schwangerschaftskonflikt reduzieren. Pro Familia habe früh Aufklärung geleistet, als Elternschaft noch nicht selbstverständlich als Frage der Planung galt. In den 50 Jahren seitdem habe der Verein immer wieder neue gesellschaftliche Themen aufgegriffen, etwa die Vielfalt sexueller Orientierungen oder die Inklusion von Menschen mit Behinderung.

Landrätin Anita Schneider würdigte das professionelle Beratungsnetzwerk der Gesellschaft für Sexualberatung. Für den Landkreis sei Pro Familia ein »bewährter und vertrauter Partner«, etwa in der Verwaltung des Verhütungsmittelfonds. Der Rückgang der Abtreibungszahlen seit 1996 von 131 000 auf circa 100 000 jährlich sei unter anderem dieser und anderen Beratungsstellen zu verdanken.

Der Landesvorsitzende des Verbands, Prof. Frank Louwen, betonte: »50 Jahre Pro Familia Gießen heißt lebendige Geschichte mit klarem Auftrag für die Zukunft: Immer in der ersten Reihe für Frauenrechte.«

Vor rund 70 geladenen Gästen umrahmten junge Flüchtlinge der Trommelgruppe des Diakonischen Werks die Feier musikalisch.

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