02. Mai 2017, 15:38 Uhr

Dach-Café

Ali Rashidi gibt Dach-Café in neue Hände

Seit 2010 hat Ali Rashidi das Dach-Café geführt. Am 1. Mai hat der Gastronom die traditionsreiche Lounge über den Dächern der Stadt abgegeben. Es waren Gerüchte, die dazu geführt haben.
02. Mai 2017, 15:38 Uhr
Über den Dächern von Gießen führt Ali Rashidi lange Regie. Jetzt hat er das Dach-Café abgegeben. (Foto: pm)

Gerüchte habe es ja schon immer gegeben, doch diesmal treffe das viele Gerede in der Stadt wenigstens zu: »Seit 1. Mai bin ich nicht mehr Betreiber des Dach-Cafés«, sagt Ali Rashidi. Immer wieder war in Gießen zu hören, dass sich der Gastronom von dem Betrieb trennen wolle, den er im August 2010 nach einer langen Umbauphase wiedereröffnet hatte. »Das hat eigentlich nie gestimmt, lustigerweise jetzt aber doch zu diesen Entwicklungen geführt«, sagt Rashidi. Auch die neuen Betreiber, die Cousins Baris Karaaslan und Kadir Elmastas aus Limburg, hatten diese Gerüchte aufgeschnappt und den Gießener daraufhin kontaktiert. Ihr Angebot kam diesmal offenbar zur rechten Zeit.

 
Fotostrecke: Dach-Café: Gestern und heute

Rashidi arbeitet seit 1991 in der Gastronomie. Schon als Teenager besserte sich der gebürtige Teheraner sein Taschengeld – damals noch in Bad Hersfeld – in einer Eisdiele auf. In Gießen startete er später mit dem News-Café, führte zwischenzeitlich das Melchiors, vor sieben Jahren folgte das Dach-Café und dann für kurze Zeit ein Restaurant in Frankfurt. »Gastronomie bedeutet eine Sieben-Tage-Woche. Es gibt fast rund um die Uhr zu tun. Ich denke schon länger darüber nach kürzerzutreten. Jetzt habe ich den Mut und sage: Es ist soweit, denn ich bin müde«, gibt Rashidi zu.


Kampfsport ist seine Leidenschaft

Daher sei er froh, das »funktionierende Konzept« in neue Hände geben zu können. »Sie werden das Geschäft mit mehr Energie führen als ich. Bei mir ließ sie zuletzt nach.«

Seit einigen Monaten betreibt der 44-Jährige nebenbei eine Kampfsportschule im ehemaligen US-Depot. »Der Sport ist meine Leidenschaft. Das Training macht mir viel Spaß«, sagt Rashidi. Gut möglich, dass er sich daher bald ganz aus dem Gießener Nachtleben zurückzieht. »Gastronomie wird immer komplexer, die Konzepte immer schnelllebiger. Nach oben gibt es keine Grenzen, aber ich bin an dem Punkt angekommen, an dem ich nicht immer nur an Höher, Größer, Schneller denken will. Mir reicht’s.«

Auf dem Papier bleibt die »Tectum Gastro GmbH« Pächter des Dach-Cafés und damit auch der Vertragspartner der Wohnbau Gießen GmbH als Hausbesitzer. Allerdings ändern sich die Gesellschafter: Karaaslan und Elmastas folgen auf Rashidi. Der will den jungen Männern, die aus einer erfahrenen Gastronomiefamilie mit mehreren Lokalitäten im Raum Limburg stammen, höchstens beratend zur Seite stehen. »Am Konzept werden sie nicht viel ändern. Sie wollen das Mittagsgeschäft ankurbeln. Da ist Luft nach oben«, erklärt Rashidi.

Konditorei geschlossen

Das »Kuchen und so« im Erdgeschoss möchte der Gießener behalten. Dazu müssten diese Räume aus dem geltenden Vertrag mit der Wohnbau ausgegliedert werden. Die kann sich das grundsätzlich auch vorstellen, wie Wohnbau-Geschäftsführer Reinhard Thies auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt.

Eine weitere Veränderung war im Dach-Café bereits vor Monaten von der Öffentlichkeit unbemerkt erfolgt. Rashidi hatte die traditionsreiche Konditorei geschlossen, nachdem es dort zu personellen Problemen gekommen war. Seit der Schließung und dem Abschied von Konditormeister Dieter Koch müssen die Gäste auf die alten Spezialitäten Schwarzwälder, Rübli- und vor allem Milchreistorte verzichten. Als Lösung hat Rashidi aber eine Manufaktur gefunden, bei der er Kuchen, Torten und Gebäck seitdem zukauft.

Info

57 Jahre Dach-Café im Schnelldurchlauf

Als »Stilvolle Gastlichkeit hoch über der Stadt« bezeichnete die »Freie Presse«, Vorgängerin dieser Zeitung, einen Tag nach der Eröffnung die neue Gastronomie. Nach anderthalb Jahren Bauzeit fiel am 4. Oktober 1960 der Startschuss für das Dach-Café, das schon bald zu einem Wahrzeichen werden sollte. Die Idee stammte von Molkereimeister Gerhard Bliedung, der drei Jahre zuvor in Marburg eine Milchbar eingerichtet hatte. Im Dach-Café ging er weiter, servierte neben seinen Milchprodukten auch kleine Imbisse. Sohn Martin und Schwiegertochter Erika bauten das Lokal dann zu einem Café und Restaurant aus. 46 Jahre lang führten die Bliedungs die Gastronomie mit großem Erfolg. Im April 2006 übergab das Ehepaar die Geschäfte in neue Hände: Der damals 25-jährige Wetzlarer Christian Schössow übernahm. Doch schon im Dezember 2007 stand das Dach-Café vor dem Aus. Es folgte ein Insolvenzverfahren und ein öffentlicher Streit über die Gründe. Am 1. März 2008 wurde der Betrieb geschlossen. Die Wohnbau als Hausbesitzer suchte einen neuen Pächter und entschloss sich zu einer Sanierung. Nach fast zweieinhalb Jahren eröffnete Ali Rashidi im August 2010 ein komplett umgebautes neues Dach-Café mit Skybar im 14. Stock.

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