09. April 2019, 22:21 Uhr

Alte Ansichtskarten von Gießen 1890 bis 1965

09. April 2019, 22:21 Uhr
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Von Dagmar Klein
Strahlende Gesichter bei Stadtarchivar Brake und Oberbürgermeisterin Grabe-Bolz: Sammler Dr. Werner Schmidt (M.) übergibt seine Ansichtskartensammlung ans Stadtarchiv. (Foto: dkl)

Gießen (dkl). Strahlende Gesichter gab es im Büro der Oberbürgermeisterin, als Sammler Dr. Werner Schmidt seine umfangreiche Ansichtskartensammlung ans Stadtarchiv übergab. Zuerst habe er Gießen-Geld gesammelt, ab der Zeit 800 nach Christus. Dann sei ihm das zu teuer geworden und er schwenkte auf Ansichtskarten um. Seit 2004 hat Schmidt mehr als 2500 unterschiedliche Ansichtskarten ab dem Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart zusammengetragen. »Nun ist es eine arrondierte Sammlung und ich möchte, dass sie zusammenbleibt«, erklärt der Zahnarzt im Ruhestand. Leicht fällt ihm die Trennung durchaus nicht, er werde das Umblättern per Hand in seinen Alben vermissen. Was OB Dietlind Grabe-Bolz gut verstehen kann, auch sie blättert und schaut gern alte Ansichten von Gießen.

»Aber er kann ja weiter mit den Ansichtskarten arbeiten, kann Vorträge halten«, tröstet Stadtarchivleiter Dr. Ludwig Brake. Das Digitalisieren übernimmt Schmidt selbst, er sei aktuell etwa bei 1400 eingescannten Karten angelangt, sagt er beim Pressegespräch. Künftig können Interessierte dann im Stadtarchiv die Karten am PC anschauen und recherchieren.

Schon 1400 Karten gescannt

Er habe sich als Ordnungsschema den alten Stadtführer durch Gießen von 1907 zum Vorbild genommen, erläutert Schmidt, habe die dort vorgeschlagenen Wegbeschreibungen nachgeahmt und versucht, alle Häuser ihrer Nummerierung nach zu ordnen. Dafür hat er die historischen Adressbücher benutzt. Jeder, der sich damit schon mal beschäftigt hat, weiß um die Tücken. Straßen wurden umbenannt, sogar die Nummerierung wurde geändert.

Er hat auch sogenannte anlassbezogene Karten gesammelt. Das sind etwa Schützen-, Turn-, Jugend- und Sängerfeste, aber auch Gewerbe-Ausstellungen, Vieh- und Pferdemärkte, Luftfahrtereignisse, Jubiläen der Universität und des Militärs. Einweihungsfeierlichkeiten erhielten früher auch eigene Erinnerungskarten, etwa das Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz 1900 und das Stadttheater 1907. Besuche des Großherzogs und des Kaisers sind ebenfalls darunter. Es gibt ganz seltene Karten und lustige Fakes, wie eine spiegelbildliche Ansicht vom Marktplatz. So etwas passierte in der Zeit der Glasplattennegative. Die Sammlung bietet auch einen Blick auf die Geschichte der Ansichtskarten: bunt oder schwarzweiß, Fotografie oder Zeichnung, mehrteilig und als Ganzbild, vorne oder/und hinten beschrieben.



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