21. September 2019, 10:00 Uhr

Alte Post

Alte Post in Gießen: Neu trägt Alt

Wer im Zentrum der Stadt baut, dem ist Aufmerksamkeit gewiss. So schallte es vor einigen Tagen sofort durch die sozialen Medien: »Das Dach des Telegrafenamts ist weg!«
21. September 2019, 10:00 Uhr
Bauherr Kai Laumann (v. l.), Richtmeister Ralf Häberling, Architekt Dietmar Moos und Statiker Peter Klaus mit dem Werkplan der neuen Dachkonstruktion des Telegrafenamts. (Fotos: Schepp)

Von hinten kommt der Rat: »Nicht nach unten sehen.« Auf der Außentreppe neben dem eingerüsteten alten Telegrafenamt geht es hoch. Acht Treppen, achtzig Stufen, dann ist man oben. Der Blick fällt auf den Bahnhofsturm, im Westen grüßen Burgen und Dünsberg, im Osten ragt die Johanneskirche aus dem Dächermeer. Dass der Mieter des denkmalgeschützten Gebäudes hinter der Alten Post auf diesen Blick nicht verzichten wollte, kann man verstehen. »Klarna wollte das Loft unbedingt haben«, sagt Eigentümer und Bauherr Kai Laumann. 35 Meter lang und 13 Meter breit ist der freigelegte Dachstuhl. Auf 400 Quadratmetern wird sich der international tätige E-Commerce-Zahlungsanbieter, der von Linden in die Gießener Bahnhofstraße umziehen wird, also auch unter dem Dach ausbreiten können.

Wenn die Mitarbeiter/innen des schwedischen Unternehmens hier in einem Jahr einziehen werden, werden sie vermutlich nicht ahnen, wie komplex und aufwendig es war, den Dachstuhl auszubauen. »Das ist ziemlich abgefahren, was wir hier oben machen«, erklärt Laumann und lacht. Er und sein Statiker Peter Klaus kamen auf die Idee, den alten Dachstuhl sozusagen an einem neuen aufzuhängen. Denn die oberste Decke erwies sich nicht als ausreichend tragfähig, muss aber aus Gründen des Denkmalschutzes erhalten werden, ebenso die Dachbalken des 1925 errichteten Telegrafenamts. »Wir mussten die Last auf die Außenmauern verteilen«, erläutert Architekt Dietmar Moos.

So entsteht derzeit eine Tragwerkskonstruktion, bei der neue, massive Balken um die alten gelegt werden. Die neue Decke, die auf der alten liegt, besteht aus zwölf, in Stahl eingefasste Holzböden, die an Stahlstreben im First aufgehängt werden. Jeder Boden ist drei Tonnen schwer. Unten im Hof, zwischen Alter Post und Telegrafenamt, steht ein Tieflader, von dem die Platten in die Höhe schweben. »Das ist eine Zusammenarbeit von Stahl und der Holzbauweise Cross Laminated Timber«, sagt Bauherr Laumann, der selbst Zimmerermeister ist. Das neue Dach wird von einem »Lichtband« aus Fenstern durchzogen sein.

Laumann jammert nicht über den Aufwand, den er betreiben muss. Er wusste, was auf ihn zukommt, als er das Gebäudeensemble nach jahrzehntelangem Leerstand erwarb. Die Zusammenarbeit mit der städtischen Bauordnungsbehörde und den Denkmalschutzbehörden in Gießen und Wiesbaden sei »super«, alle zwei Wochen finde ein »Jour fix« mit den Ämtern statt.

Richtfest Ende Oktober

Am Südende des Dachstuhls fällt der Blick auf den Neubau, der von unten in die Höhe wächst und ebenfalls von Klarna bezogen wird. Die Arbeiten sind in der dritten Etage angekommen, zwei weitere Stockwerke werden folgen, um das Staffelgeschoss wird eine Terrasse führen.

Der Neubau hatte zwischenzeitlich Kummer bereitet, denn direkt neben dem Telegrafenamt endet der massive Untergrund. »Die Alte Post und das Telegrafenamt stehen auf Fels, aber genau hier ist die Klippe«, zeigt Laumann hinab. So musste für den Neubau eine Pfahlgründung durchgeführt werden. Sechs Wochen habe dies gekostet. An seinem Zeitplan, den Laumann beim ersten Spatenstich Mitte April verkündete, rüttelt der Bauherr nicht. »Es bleibt dabei: Ende Oktober wird Richtfest gefeiert.«

So weit fortgeschritten wie im Telegrafenamt und beim Neubau sind die Arbeiten in der Alte Post noch nicht. Wie berichtet, will die Bitburger Braugruppe das Erdgeschoss in eine Gastronomie mit Großstadtflair umbauen, im Innenhof zum Telegrafenamt hin entsteht ein Biergarten. Auch in der Alten Post wird der Dachstuhl aufwendig ausgebaut. Die Mietflächen ganz oben und ganz unten sind vergeben, auf den Etagen dazwischen sind laut Laumann noch 1400 Quadratmeter frei.

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