24. August 2019, 14:00 Uhr

Polizist angegriffen

Angreifer muss in psychiatrische Einrichtung

Weil er im Wahn Polizisten in Rödgen mit dem Messer angegriffen hatte, wird ein 30-Jähriger in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Das hat das Gericht entschieden.
24. August 2019, 14:00 Uhr

Die Beteiligten werden die Szenen, die sich am 4. Februar in Rödgen abgespielt haben, nicht so schnell vergessen. Noch heute zeugt das Einschussloch in einer Hauswand von der tragischen Nacht. Zumindest aus juristischer Sicht hat der Vorfall nun aber ein Ende gefunden: Das Schwurgericht unter dem Vorsitz von Richterin Regina Enders-Kunze hat angeordnet, dass der Angeklagte in einer psychiatrischen Einrichtung bleiben muss. Darüber gab es am Freitag jedoch unterschiedliche Meinungen.

Nach einem Streit mit seinem Lebensgefährten war der Angeklagte zuerst mit seinem Wagen auf eine herbeigerufene Polizeibeamtin zugefahren. Sie konnte sich im letzten Moment retten. Anschließend lief der 30-Jährige mit einem Messer auf einen zweiten Polizisten zu. In Notwehr gab der Beamte Schüsse ab. Später konnte der Angeklagte dank Pfefferspray überwältigt werden. Der Rödgener hat die Tat eingeräumt.

Der Angeklagte leidet seit vielen Jahren unter einer paranoiden Schizophrenie. Seine Steuerungsfähigkeit war in der Tatnacht völlig aufgehoben, er handelte im Wahn. Darin waren sich die Prozessbeteiligten einig. Ihm wurde daher Strafunfähigkeit attestiert. Seit der Tat wird er in einer psychiatrischen Klinik behandelt.

Am Freitag gab Gutachter Dr. Jens Ulferts Einblicke in die Krankengeschichte des Mannes. Demnach war er vor 15 Jahren das erste Mal in stationärer Behandlung. Er soll seine Mutter mit einem Messer bedroht haben, zuvor hatten sich die Eltern getrennt.

Kritik an Gutachten

Später häuften sich Aufenthalte in Kliniken wegen Angstzuständen, Wahnvorstellungen und Halluzinationen. »2011 wurde die paranoide Schizophrenie diagnostiziert«, sagte Ulferts und fügte an, dass der Angeklagte wenige Tage vor der Tat die Dosis seiner Medikamente herabgesetzt habe. Ulferts gab schlussendlich die Empfehlung, den 30-Jährigen weiterhin unterzubringen. Sein Verhalten in der Klinik sei zwar positiv, es sei aber unklar, wie er außerhalb dieses geschützten Bereichs auf Reize reagiere.

Der Anwalt des Angeklagten konnte sich mit dieser Empfehlung nicht anfreunden. Vielmehr hätten ihm die behandelnden Ärzte signalisiert, eine Unterbringung sei nicht zwingend erforderlich. Denn anders als früher erhalte sein Mandant nun eine Depot-Medikation, bei der Wirkstoffe über einen längeren Zeitraum abgeben werden. Dadurch sei das Risiko eines Ausbruchs nahezu ausgeschlossen.

Das Gericht sah das anders. Enders-Kunze betonte, dass nicht gesichert sei, wie sich die Medikation außerhalb des geschützten Bereichs auswirke. Zudem erinnerte sie daran, dass die Tat durch einen alltäglichen Streit ausgelöst worden sei. Wie der Rödgener in Ausnahmesituationen reagiere, sei unklar.

Das Gericht folgte damit der Forderung von Staatsanwalt Thomas Hauburger. Der hatte zuvor betont, dass der Rödgener kein krimineller Mensch sei. Sondern ein kranker. »Ich glaube auch nicht, dass Sie ernsthaft jemanden verletzten wollten.« Um ein Haar wäre das trotzdem passiert. Hauburger forderte daher eine Unterbringung. »Wir haben auch eine Verantwortung der Allgemeinheit gegenüber.«

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