03. August 2008, 19:24 Uhr

Auf Schatzsuche eine Stadt neu kennenlernen

Gießen (srs). Bianca und Andreas Hahn lehnen sich über das Geländer des Selterstors. Unauffällig. Als legten sie Rast ein. Doch das Ehepaar aus Lich ist fast am Ziel. Verstohlen lassen die beiden ihre Blicke umherwandern. Ihre zwei Söhne schauen ebenfalls nach unten auf ein Verkehrsschild, das an der Fußgängerbrücke montiert ist. Nur einen Hinweis haben die Hahns: Der Schatz ist nicht auf und nicht unter dem Elefantenklo.
03. August 2008, 19:24 Uhr
Rund 80 »Geocacher« trafen sich am Samstag in Gießen – dazu gehörten Carmen Schaaf und Jason Grunebach, die unter anderem den »Schatz« am Elefantenklo aufspürten. (Foto: srs)

Gießen (srs). Bianca und Andreas Hahn lehnen sich über das Geländer des Selterstors. Unauffällig. Als legten sie Rast ein. Doch das Ehepaar aus Lich ist fast am Ziel. Verstohlen lassen die beiden ihre Blicke umherwandern. Ihre zwei Söhne schauen ebenfalls nach unten auf ein Verkehrsschild, das an der Fußgängerbrücke montiert ist. Nur einen Hinweis haben die Hahns: Der Schatz ist nicht auf und nicht unter dem Elefantenklo. Er muss also seitlich angebracht sein, haben sie kombiniert. Langsam gehen sie in die Knie und tasten. Sekunden vergehen, bis sie sich anlächeln - ein stiller Jubel. Der Schatz indessen ist nicht aus Gold oder Edelstein. Es ist eine schwarze Kapsel, winzig wie eine Fingerkuppe.

Innen steckt ein kleiner Magnet und ein Stück Papier, auf das sich die Familie als Finder nun eintragen kann. Die Hahns spielen »Geocaching« - ein Hobby, das immer mehr Begeisterte findet. Allein in Gießen gibt es 100 Verstecke.

»Geocoaching« ist eine moderne Form der Schnitzeljagd. Die Spieler suchen per GPS-Gerät, die Koordinaten sind im Internet - zum Beispiel auf der Seite www.geocoaching.com - aufgelistet. »Mitmachen kann jeder, wir sind nicht als Verein organisiert«, erläutert Manfred Baier aus Buseck. Ohne konkretes Ziel, so erläutert er, ohne die Schatzsuche fehle ihm die Motivation, über Wald und Wiesen zu wandern. »Durch das Geocoaching bin ich auch schon mal zehn Kilometer unterwegs«. Seit dem Jahr 2000 gibt es das Hobby - seitdem das »Global Positioning System« GPS für die private Nutzung zugelassen ist.

In den Verstecken - »Caches« genannt - erwarten die Besucher hin und wieder Stofftiere oder Spielzeug zum Tauschen. Einige bergen auch Rätsel und Aufgaben, die zu weiteren Punkten und die Orte näher vorstellen. So ist es auch in Gießen möglich, Sehenswürdigkeiten per GPS zu ergründen. »Gerade hat mich ein Versteck zum Stadttheater geführt«, berichtet die Frankfurterin Sybille Kister. »Es ist einfach schön, durch Geocaching eine Stadt auf eine eigene Art und Weise kennenzulernen.« Eine Kombination von »Caches« habe sie auch schon entlang den »Stolpersteinen« in Gießen geführt.

In Deutschland gibt es rund 44000 Verstecke, weltweit knapp eine halbe Million. »Ich habe auch schon am Kolosseum einen Cache geborgen«, erzählt Bianca Hahn. »An einer Mauer, auf der eine Gruppe von Touristen gesessen hat, habe ich damals unauffällig Stein für Stein untersucht.« Unauffällig gehen die »Geocacher« vor, damit Verstecke nicht zerstört werden - von Nichteingeweihten oder »Muggels«, wie sie in Anlehnung an die Harry-Potter-Bücher genannt werden.

Am Samstagnachmittag trafen sich auf dem Seltersweg 80 Menschen, die dem Hobby nachgehen, zu einer Überraschungsaktion, zu einem sogenannten »Flashmob«. Einziges Ziel ist, die Uneingeweihten zu irritieren - und das gelang den Geo-Cashern auch. Sie versammelten sich um die »Drei Schwätzer«, ohne zu erkennen zu geben, dass sie zusammengehören. Bis sie Punkt 14 Uhr plötzlich einen Kreis um die Skulpturen schlossen und ohne Anlass zu applaudieren begannen. Einige derer, die Manfred Baiers Aufruf zu dieser Aktion im Internet gefolgt waren, waren wirklich nur für diesen kurzen Moment aus Frankfurt angereist.

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