25. Juni 2019, 21:46 Uhr

Stadtführung

Auf den Spuren von Georg Büchner

25. Juni 2019, 21:46 Uhr
Schauspieler Rainer Hustedt (r.) leitet die Stadtführung auf den Spuren von Georg Büchner. (Foto: lwg)

»Friede den Hütten! Krieg den Palästen!« - das vielleicht bekannteste Zitat Georg Büchners stammt aus dem 1834 erschienenen Pamphlet »Der Hessische Landbote«, das die sozialen Missstände der Zeit radikal aufdeckte. Es ist zugleich das Motto der Stadtführung über den Gießener Studenten, Revolutionär und Schriftsteller. »Wenn wir über Büchner reden, sind Gerechtigkeit und Meinungsfreiheit zentrale Themen, die heute noch genauso aktuell sind«, fasste Schauspieler Rainer Hustedt zusammen. Er leitete die Führung mit 15 Interessierten vom Alten und Neuen Schloss über das Stadttheater bis zum Wohnort Büchners auf dem Seltersweg an der Ecke zur Wolkengasse.

Als sich Georg Büchner 1833 an der Universität in Gießen einschrieb, lagen bereits zwei Jahre Studium der vergleichenden Anatomie in Straßburg hinter ihm. Auch wenn der Autor sein politisch bedeutendstes Werk in Gießen verfasste, fällt sein Urteil über die Stadt nicht sonderlich positiv aus. Trotzdem sind seine Äußerungen über die Stadt an der Lahn und dessen »hohle Mittelmäßigkeit« mit Vorsicht zu genießen. Denn Büchner hatte nur neun Monate in Gießen verbracht. Außerdem plagten ihn zeitgleich eine Hirnhautentzündung sowie die Trennung von seiner Verlobten.

Festnahme am Selterstor

Hustedt bettete die Werke Büchners in den historischen Kontext des Vormärz ein. Die beginnende Industrialisierung, Verarmung der Bevölkerung und fürstliche Willkür nahm der Schriftsteller als Anlass für sein Dramenfragment »Woyzeck« über den gleichnamigen, schizophrenen Soldaten sowie sein politisches Engagement. Gemeinsam mit dem Butzbacher Pfarrer Friedrich Ludwig Weidig veröffentlichte Büchner 1834 »Den Hessischen Landboten«.

Wer mit dem Aufruf zur Revolution gegen die adelige Oberschicht erwischt wurde, musste mit dem Tod rechnen. Dieses Schicksal ereilte auch Büchners Freund Karl Minnigerode, der zuvor denunziert und am Selterstor festgenommen wurde. Büchner konnte sich über die französische Grenze ins Exil retten und starb im Alter von 23 Jahren in Zürich.

Wer nach 90 Minuten geballter Informationen über den Vormärz noch aufnahmefähig war, den lud Hustedt wieder zum Ausgangspunkt ins Alte Schloss ein. Dort bot er ein weiteres Mal seine schauspielerischen Fähigkeiten dar und spielte den vulgären Marktschreier aus »Woyzeck«, den er selbst schon im Stadttheater verkörpert hatte. »Zum Abschluss möchte ich musikalisch enden«, kündigte er an und zog eine Blockflöte hervor. Die Melodie des deutschen Volksliedes war bald erkannt: »Die Gedanken sind frei«.

Hustedt lädt für den 24. August zu einer weiteren Stadtführung auf den Spuren Georg Büchners ein. Weitere Informationen sowie die Voranmeldung können bei der Tourist-Information oder unter der Webseite www.giessen-entdecken.de eingeholt werden.

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