15. März 2016, 11:23 Uhr

Aufbruch zu neuen Ufern

Gießen (dkl). Prof. Anja Klöckner, Archäologin und Leiterin der Antikensammlung, wechselt von Gießen nach Frankfurt. Wir haben mit ihr gesprochen.
15. März 2016, 11:23 Uhr
»Ich werde Gießen vermissen«, sagt Anja Klöckner. Aber auch sie wird Gießen fehlen. (Foto: Dagmar Klein)

Wenn Professoren die Universität wechseln, bekommt das die Stadtgesellschaft in der Regel nicht mit. Bei Prof. Anja Klöckner ist das anders, denn die Archäologin hat sich in den neun Jahren, die sie in Gießen lebt und arbeitet, weiten Kreisen bekannt gemacht. Man wird sie vermissen, ihren Charme, ihre Zugewandtheit zu den Menschen und ihr Engagement für ihr Fach. Nicht nur bei den Studierenden und im Kollegium ist sie beliebt. Sie hat in Gießen und Umgebung Vorträge gehalten, etwa über das Alltagsleben am Limes, sie hat mit diversen Institutionen kooperiert wie Schulen, dem Stadttheater und Museen der Umgebung.

Von Anfang an hat sie die Antikensammlung der Universität als etwas Besonderes erkannt und sich bemüht, diese voranzubringen. Dazu gehört die Einrichtung einer (halben) Kustodenstelle und 2009 die Gründung des Vereins »Freunde der Antikensammlung Gießen«. »Es ist wirklich ein Alleinstellungsmerkmal, dass diese Sammlung in einem öffentlichen Museum, im Herzen der Stadt, quasi permanent für Interessierte zugänglich ist«, so Klöckner.

An anderen Universitäten sind Antikensammlungen oft nicht so qualitätvoll und dienen ausschließlich der Lehre. Letzteres gilt auch an Klöckners nächstem Lehrort, der Universität Frankfurt. Dafür haben die dort allerdings zahlreiche Gipsabgüsse von antiken Skulpturen und genügend Platz, um damit gut arbeiten zu können. »Die Gießener Abgusssammlung ist leider Ende des Zweiten Weltkriegs im Hauptgebäude zerbombt worden. Es wurden später nur einige Repliken neu angeschafft.« Wovon man sich bei einem Besuch im Institut überzeugen kann.

Anja Klöckner kam aus dem renommierten Getty-Research-Institute in Los Angeles nach Gießen. Als sie dort ihren neuen Arbeitsort nannte, erntete sie Staunen, was sie denn in der deutschen Provinz wolle. Doch als sie ausführte, dass am Gießener Archäologischen Institut einst Margarete Bieber lehrte, die im US-Exil eine zweite Karriere startete und dort bis ins hohe Alter lehrte, da gab es ein Aufhorchen. »Bieber ist bekannt unter den Archäologen in Amerika.« Es sei eine Ehre, in ihre Fußstapfen zu treten.

Häufiges Reisen gehört zum Berufsbild eines Archäologen, gut vier Monate im Jahr ist Anja Klöckner unterwegs. Außerdem ist sie Ortswechsel gewöhnt, von Kindheit an: Geboren in Karlsruhe, Schulzeit bei Köln, Studium in Bonn und München, wissenschaftliche Assistentin in Saarbrücken, DFG-Stipendium in Athen, Vertretungsprofessur an der Universität Greifswald, Gastwissenschaftlerin in Los Angeles, Professur in Gießen und demnächst also Frankfurt am Main. Doch bleibt sie mit ihrer Familie an der Lahn wohnen, schließlich sind alle drei Kinder (acht, elf, 14 Jahre alt) schulpflichtig und ihr Mann hat seine Lehrerstelle hier. »Da werde ich künftig pendeln, es gibt genug Kollegen, die täglich von Frankfurt hierher fahren. Das sollte also machbar sein.« Nur nicht mehr so angenehm, wie sie zugesteht, auch nicht für die Kinder, die nach der Schule schon mal eben am Institut vorbeischauten.

Außerdem wird sie gemeinsam mit einem Kollegen ein neues DFG-Projekt betreuen, bei dem die römischen Grabmäler in Trier nach neuesten wissenschaftlichen Gesichtspunkten untersucht werden. Grabmäler erzählen davon, wie religiöse Rituale damals den Alltag bestimmten, wobei heute von den Bildern auf das Alltagsverhalten geschlossen werden muss. Das habe sie schon früh fasziniert und ihre Forschungsschwerpunkte mitbestimmt, auch unter dem Gender-Aspekt, wie auf der Publikationsliste ihrer Uni-Homepage nachzulesen ist.

Auch Kustos Matthias Recke geht

»Ich werde Gießen vermissen. Das angenehme kollegiale Klima, das nicht selbstverständlich ist. Und die aufgeschlossenen Menschen dieser Stadt, die einen bereitwillig aufnehmen und sich begeistern lassen.« Beim Spenden für Restaurierungen etwa, bei turnusmäßigen Führungen und Aktionen am Tag des Museums. Sie geht nicht allein, fügt sie hinzu, das erleichtere das Weggehen. Der Kustos der Antikensammlung, Dr. Matthias Recke, wird sie begleiten sowie drei weitere wissenschaftliche Mitarbeiter. Eine letzte von Matthias Recke kuratierte Ausstellung wird in der Gießener Antikensammlung noch eröffnet, am Museumstag 22. Mai. Danach sind andere zuständig. (Fotos: Schepp/dkl)

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