12. Januar 2010, 22:02 Uhr

Aus Verzweiflung: Taxi und Tankstelle überfallen

Gießen (ti). Zwei bisher nicht vorbestrafte Gießener (beide 18) wurden wegen räuberischer Erpressung zu Bewährungsstrafen verurteilt.
12. Januar 2010, 22:02 Uhr

Gießen (ti). Er hatte sich mit fragwürdigen Leuten eingelassen und schuldete diesen 1000 Euro. Irgendwann forderten die ihr Geld zurück, drohten dem jungen Mann. Er versuchte, das Geld irgendwie zu beschaffen - erfolglos. Doch »die« interessierte das anscheinend nicht, denn sie machten mehrmals täglich Druck. Da sah der 18-jährige D. keine andere Möglichkeit, als sich die Kohle auf illegale Weise zu beschaffen. Eine »dumme Idee«, wie er selbst einräumte. Wegen zweifacher räuberischer Erpressung musste sich der Gießener am Dienstag vor einem Jugendschöffengericht am Amtsgericht verantworten und wurde zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Der Mitangeklagte S., ebenfalls aus Gießen, bekam sechs Monate auf Bewährung. Er hatte seinem Freund in dessen Notlage bei einem der Überfälle geholfen.

Am 3. September vergangenen Jahres hatten sich die beiden kurz vor Mitternacht ein Taxi an die Bushaltestelle im Eichendorffring bestellt, den Fahrer mit einer Waffe bedroht und die Herausgabe seiner Geldbörse gefordert, so Staatsanwältin Sarah Otto bei Verlesung der Anklage. Doch mit den erbeuteten 80 Euro war dem verschuldeten Räuber nicht wirklich geholfen. Also überfiel er zwei Wochen später, am 18. September, mit drei anderen eine Tankstelle in der Licher Straße. Gemeinsam stürmten sie die Filiale, riefen »Geld her, wir sind bewaffnet!«, so die Vertreterin der Anklage. Nach Herausgabe des Kasseninhaltes forderten die jungen Männer: »Das reicht nicht, rück’ mehr heraus«, und die Angestellte öffnete auch die zweite Kasse. Das Diebesgut: rund 300 Euro.

Reuevoll räumten beide Angeklagten die ihnen vorgeworfenen Taten vollumfänglich ein. Er habe seinem Freund helfen wollen und ihm gesagt: »Wenn Du das machen willst, dann mache ich mit«, so S. vor Gericht. Dieser nämlich war nach eigenen Angaben »voller Verzweiflung« wegen des massiven Drucks, der auf ihn ausgeübt worden sei. Seine verschuldete Mutter habe er auch nicht um Geld bitten können. Da kam ihm die Idee, sich den Betrag auf illegalem Weg zu beschaffen, so D. Seitens des Gerichts mit den Konsequenzen der Tat konfrontiert antwortete S., er habe den Ernst der Lage nicht erkannt, ihm seien die Auswirkungen zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst gewesen.

Vielleicht hätte er seinen Kopf nicht erst einschalten sollen, als es zu spät war, sagte die Vorsitzende Richterin Ulrike Büger bei der Urteilsbegründung. Es sei klar, dass S. von seinem Freund in dessen Not nur in die Sache hineingezogen worden war. Er hatte Mitleid und spielte mit. Doch »wenn man einen Menschen in Todesangst bringt, indem man ihm eine Pistole vor die Nase hält, dann hat man schwere Schuld auf sich geladen«, so die Richterin. Und das bei einem bis dato Vorzeige-Lebenslauf. Während die drei Mittäter des Tankstellenüberfalles bereits in der Vergangenheit mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren und G. mit seinem Anliegen bei ihnen laut Büger auf »offene Ohren« gestoßen war, hatten G. und S. bisher eine blütenweiße Weste: der eine noch Schüler, der andere Auszubildender, beide aus geordneten familiären Verhältnissen und in Sportvereinen engagiert. »Da erwartet man eigentlich nicht, dass Straftaten kommen«, meinte die Vorsitzende, die jedoch lernen musste, »dass das nicht vor allem schützt«.

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