Stadt Gießen

Ausflug gen Süden

Bereits zum zweiten Mal trat das Hamburger Duo Selva Negra in der Reihe »Musik bei Vitos« auf. Björn Vollmer (Gitarre) und Steffen Hanschmann (Percussion) nahmen die zahlreichen Hörer am Freitag mit in südliche Gefilde - für viele wird das Konzert einem erholsamen Kurzurlaub gleichgekommen sein.
20. Oktober 2019, 20:02 Uhr
Sascha Jouini
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Selva Negra boten Entspannung. (Foto: jou)

Bereits zum zweiten Mal trat das Hamburger Duo Selva Negra in der Reihe »Musik bei Vitos« auf. Björn Vollmer (Gitarre) und Steffen Hanschmann (Percussion) nahmen die zahlreichen Hörer am Freitag mit in südliche Gefilde - für viele wird das Konzert einem erholsamen Kurzurlaub gleichgekommen sein.

Schon das Eröffnungsstück ließ aufmerken: Das aufsteigende Gitarrenmotiv mutete wie eine fragende Geste an und leitete die besinnliche Flamenco-Komposition ein. Vollmer spielte sehr virtuos; in der vorzüglichen Saalakustik kam sein detailreicher Vortrag ideal zur Geltung. Rhythmusbetont wurde es beim ansteckenden zweiten Stück. Perkussionist Hanschmann trat darin vornehmlich mit der Cajón hinzu. Von gefühlvoll-ruhiger Art war die Komposition »Sommerschnee«, die originell Flamenco- und Jazzelemente verband. Besonders eingängig wirkte ein rhythmisch lebhafter, schwungvoller Tango. »An Strand« verbreitete mit differenziert eingesetzten Perkussionsinstrumenten bis hin zur Gefäßrassel und ebenso nuanciertem Gitarrenpart entspannende Atmosphäre und mündete in einen bewegteren zweiten Teil.

Die Darbietungen erwiesen sich als rundum ausgefeilt. Dabei merkte man Hanschmann die Erfahrung mit westafrikanischen Spielweisen an, die er bei Studienaufenthalten in Ghana und Senegal vertieft hat. Am meisten begeisterte, mit welch feinem Klangempfinden er das vasenförmige Schlagidiophon einsetzte. Dies kam etwa bei dem motorisch bestimmten Stück »Perpetuum mobile« aus dem aktuellen Album »Mar Lleno« zum Tragen. Bei einer weiteren Nummer gefiel, wie die Cajón fließend in den Vordergrund rückte, um dann streckenweise zu dominieren. Die Kompositionen des Duos vereinten überzeugend stilistische Eleganz mit Raffinesse. Versiert machte der Perkussionist von weiteren Instrumenten wie Becken und Glöckchen Gebrauch.

Der Abend führte bis hin zu mexikanischen Impressionen in »Punta cometa«. Ebensolches Vergnügen bereiteten »Sombras« und »Tangos de luz«. Bis zum Schluss fesselten die weiten Klang- und Geräuschlandschaften. Das begeisterte Publikum erklatschte sich zwei Zugaben.

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