22. Februar 2018, 19:00 Uhr

Entscheidung

BGH entscheidet im Juni über Urteil gegen »Heimu«

Ein brisanter Fall von sexuellem Sadismus ist im Januar 2017 am Gießener Landgericht entschieden worden. Ob das Urteil Rechtskraft erlangt, ist aber noch nicht sicher.
22. Februar 2018, 19:00 Uhr
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Von Steffen Hanak , 1 Kommentar

Der Fall »Heimu« hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht. Der heute 58 Jahre alte Mann aus dem Raum Limburg wurde im Januar 2017 am Gießener Landgericht zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Die Schwurgerichtskammer sah es als erwiesen an, dass er eine psychisch kranke Frau zur Selbsttötung treiben wollte, um sich an ihrem Todeskampf sexuell zu ergötzen. Doch das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Über seinen Verteidiger Ramazan Schmidt hatte der Mann Revision gegen die Entscheidung eingelegt. Die Richter am Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe wollen am 20. Juni bekanntgeben, ob das Gießener Urteil bestehen bleibt oder aufgehoben wird. Das sagte Schmidt am Mittwoch dieser Zeitung. Er fordert einen Freispruch für seinen Mandanten. In einer Stellungnahme habe der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof beantragt, die Revision zu verwerfen, erläuterte der Gießener Rechtsanwalt. Nun komme es darauf an, was die Karlsruher Richter bei ihrem mündlichen Hauptverhandlungstermin im Sommer entscheiden.

 

Diagnose: sexueller Sadismus

 

In der Nacht zum 29. April 2016 war der Angeklagte am Bahnhof in Gießen festgenommen worden. Dort hatte er sich mit einer psychisch kranken Frau verabredet. Er wollte sie an einem eigens dafür gebauten Galgen in einem nahe gelegenen Waldstück baumeln sehen. Kennengelernt hatte er die Leipzigerin in einem Selbsthilfeforum im Internet. Dort war er aus Sicht der Ermittler als »Heimu« unterwegs, um labile Frauen für seine Vorhaben zu ködern. Aber die 23-Jährige, die er in Gießen treffen wollte, wurde misstrauisch. Sie vertraute sich einem Fernsehteam an. Die Medienvertreter schalteten die Polizei ein.

Ein psychiatrischer Gutachter hatte dem Familienvater, der sich für einen »hilfsbereiten Menschen« hält, volle Schuldfähigkeit attestiert. Seine Diagnose: sexueller Sadismus. Der Beschuldigte selbst sieht sich demnach hingegen als »Ratgeber« für Depressive. In Bremen wurde seine »Hilfsbereitschaft« einer anderen psychisch kranken Frau zum Verhängnis. Die ebenfalls 23-Jährige strangulierte sich in ihrer Wohnung. Die Bremer Staatsanwaltschaft stellte jedoch die Ermittlungen ein. Sie sah keine Anhaltspunkte dafür, dass der Hesse den Tod des Opfers herbeiführen wollte.

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