23. September 2010, 20:10 Uhr

Babysitter missbrauchte Mädchen: Zwei Jahre Therapie

Gießen (srs). Weil er als Babysitter ein siebenjähriges Mädchen zweimal missbraucht hatte, stand ein inzwischen 21-Jähriger vor Gericht. Der Gießener wurde zur Fortsetzung seiner zweijährigen Therapie angewiesen.
23. September 2010, 20:10 Uhr

Voller Vertrauen blickte das siebenjährige Mädchen zu ihrem Babysitter auf wie zu einem älteren Bruder. An einem Abend im September des vergangenen Jahres jedoch zerstörte der 21-jährige Gießener das Vertrauen seines Schützlings. Die beiden rangelten und lachten zunächst miteinander. Dann zog der Babysitter das Mädchen aus und berührte ihre Geschlechtsteile, mit der Hand und mit dem Mund. Die Tat wiederholte er wenige Tage später. Gestern nun musste sich der 21-Jährige am Gießener Amtsgericht verantworten. Das Gericht unter Vorsitz von Sabine Tremmel-Schön ließ Jugendrecht gelten - der Angeklagte war zur Tatzeit unter 21 Jahre alt - und wies ihn zur Fortsetzung einer zweijährigen Therapie an.

»Ich schäme mich«, erklärte der Angeklagte mit stockender Stimme, den Kopf nach unten gerichtet. »Die Tat verstehe ich selbst nicht ganz.« Das in seiner Nachbarschaft lebende Opfer kenne er von klein auf, »mit der Familie habe ich mich immer gut verstanden.« Anderthalb Jahre lang habe er als Babysitter auf das Mädchen aufgepasst. Nach der ersten Tat habe er aus Scham und Angst versucht, jeglichen Kontakt mit der Familie zu vermeiden. Doch nach dem Ausfall eines anderen Babysitters sei er kurzfristig eingesprungen - und erneut kam es zu den sexuellen Handlungen.

Der 21-jährige legte gestern ein umfassendes Geständnis ab. Der erste Vorfall, erklärte er, sei »spontan« gewesen. Diese Angabe zweifelte als Sachverständige Birgit Ebertshäuser von der Jugendgerichtshilfe an. Die erwähnte Rangelei vor der Tat sei ein Hinweis darauf, dass der Angeklagte den sexuellen Übergriff vorbereitet habe. Das Gericht hielt dem Angeklagten zugute, auch der Polizei gegenüber die Vorwürfe sofort bestätigt zu haben. Anfang des Jahres hat der nicht vorbestrafte 21-Jährige, der unter schweren familiären Schicksalen zu leiden hat, außerdem selbstständig eine Therapie für Missbrauchstäter begonnen - die er nun auf Weisung des Gerichts fortsetzen muss. Er hat darüber hinaus die Prozesskosten der Nebenklägerin, der Mutter des Opfers, zu tragen.

Die Mutter berichtete, ihre 7-jährige Tochter habe die sexuellen Übergriffe inzwischen »gut verarbeitet« und könne Menschen allmählich wieder vertrauen. Dem Angeklagten gegenüber empfinde das Mädchen jedoch nur noch »Wut und Hass«.



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