28. März 2019, 06:00 Uhr

Bahnverkehr

Bahnverkehr: Ab Montag mehr Platz im ICE - Regionalzüge werden voller

ICE adieu: Nach Ablauf der Übergangsfrist nehmen viele Pendler in der kommenden Woche Abschied vom bequemen Fernverkehr. Die Regionalzüge dürften dann voller werden.
28. März 2019, 06:00 Uhr
(Foto: dpa)

Das Datum wird gemeinhin mit Scherzen verbunden, doch danach ist mittelhessischen Bahnpendlern mit Blick auf den diesjährigen 1. April kaum zumute. Am Sonntag endet die Testphase, in der sie den neuen ICE mit ihrer IC-Aufschlagkarte nutzen konnten. Ab Montag müssten sie deutlich tiefer in die Tasche greifen für ein Ticket, das sämtliche Bahnen auf der Main-Weser-Bahn einschließt. Viele werden wohl auf die Regionalzüge umsteigen. Dort dürfte es voller werden, im ICE dagegen noch entspannter.

»Wunderschön und bequem« sei die Fahrt zur Arbeit in den Paradezügen der Deutschen Bahn schon in den ersten drei Monaten gewesen, schwärmt eine 62-Jährige. Aus den Gesprächen im Zug schließt sie, dass sie dort künftig wohl noch mehr Platz haben wird. »Den meisten ist der ICE zu teuer. Mir würde es genauso gehen, wenn ich den normalen Preis zahlen müsste.« Als Mitarbeiterin der DB in Frankfurt hat sie eine Möglichkeit, die dem Gros der bisherigen Mitreisenden verwehrt bleibt: Ihr Jobticket gilt gegen einen Aufpreis auch in Fernzügen. Diese Chance will sie nutzen.

Grundsätzlich gebe es zu den Stoßzeiten zwar tatsächlich ausreichend Nahverkehrs-Alternativen, stimmt die GAZ-Leserin den offiziellen Stellen zu. Aber zu ärgerlich fände sie es, auf den nächsten Regionalzug warten zu müssen, während der ICE vor ihrer Nase abfährt. Besonders bei Verspätungen oder Zugausfällen würde das an ihren Nerven zehren.

 

Günstige Jobtickets

Mehr bezahlen oder auf den ICE verzichten? Die Qual der Wahl ist seit Jahren denen vertraut, die etwa aus Darmstadt, Wiesbaden oder Fulda nach Frankfurt pendeln. Allerdings nimmt die rasante Ausbreitung der Jobtickets vielen die Entscheidung ab. Diese vom Arbeitgeber bezuschussten RMV-Jahreskarten sind verhältnismäßig so günstig, dass der Umstieg auf ein komplett selbst zu bezahlendes DB-Ticket richtig ins Geld geht.

Für Pendler aus Gießen, Friedberg oder Marburg ist die Entscheidung neu und oft schwierig. Bei einer kleinen GAZ-Rundfrage morgens am Gießener Bahnsteig erklären die meisten, dass sie diese Woche Abschied vom ICE nehmen. Einige hoffen, dass die Bahn doch noch kulantere Regeln schafft: Sie haben die Online-Petition »Main-Weser-Bahn: ICE-Verbindung mit Zuschlag auf RMV-Tickets freigeben!« unterzeichnet. Doch sie fand in vier Monaten nur 212 Unterstützer und ist nun abgelaufen.

Einer rechnet vor: Derzeit kostet ihn sein Jobticket 50 Euro im Monat Eigenbeitrag. Hinzu kommt der IC-Zuschlag, 31 Euro im Monat. Künftig bräuchte er als Basis ein DB-Fernverkehrsticket, das zwischen Gießen und Frankfurt 273 Euro (Monatskarte ohne Abo) kostet, und da ist der Stadtverkehr noch gar nicht enthalten (siehe Kasten).

 

DB hält sich bedeckt

Mit Unmut sehen manche Berufstätige, dass Marburger Studierende die ICE-Nutzung für ihr Semesterticket aushandeln konnten. »Ich finde das ungerecht, die zahlen dafür nur ein paar Euro mehr und wären für ihre Bedürfnisse doch mit dem Regionalverkehr gut bedient«, sagt eine Frau. Andere entdecken ein Schlupfloch und schreiben sich selbst an der Philipps-Universität ein. »Zwei Hochschulabschlüsse habe ich schon«, sagt ein 36-Jähriger mit Unschuldsblick, »jetzt mache ich eben berufsbegleitend einen dritten.« Ein besonderer Anstieg sei bisher nicht aufgefallen, erklärt die Uni Marburg auf Anfrage.

Die Deutsche Bahn hatte alle Inhaber von IC-Aufschlagkarten angeschrieben. Wie viele das waren und wie viele das Angebot zum Umstieg auf ein Fernverkehrsticket annehmen, will das Unternehmen der GAZ nicht mitteilen: »Wir bitten um Verständnis, dass wir uns aus Wettbewerbsgründen grundsätzlich nicht zu detaillierten Nutzerquoten bzw. Kundendaten äußern.«

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund spricht von »wenigen hundert Fahrgästen«, die seiner Kenntnis nach bisher zwischen Marburg und Frankfurt IC-Aufschlagkarten genutzt haben. Wie viele Kunden ihr Abo gekündigt haben, teilt der Verbund nicht mit. Aus Kundenrückmeldungen folgere man, dass dahinter meistens persönliche Gründe steckten wie Elternzeit, Umzug oder Jobticket-Einführung. Zum Absatz der Fernverkehr-Ergänzungskarten (für den Stadtverkehr) könne man erst im Frühjahr 2020 etwas sagen. Ein drastischer Anstieg scheint nicht zu erwarten: Die meisten Pendler werden ab Montag wohl auf den ICE verzichten.

Zusatzinfo

Teurer Wechsel von IC auf ICE

Seit 9. Dezember 2018 ist Gießens einzige Fernverkehrsverbindung »aufgewertet«. Der Intercity-Express T ersetzt die betagten Intercity-Wagen. Für Pendler fällt damit die IC-Aufschlagkarte weg, die sie bisher zusätzlich zur RMV-Monatskarte kaufen konnten. Wer künftig die Fernverkehrszüge nutzen will, muss eine Zeitkarte der Deutschen Bahn kaufen. Sie gilt auch in Nahverkehrszügen (RE, RB, S-Bahn), aber nur auf der Main-Weser-Bahn. Für den Stadtverkehr an Start und Ziel werden Fernverkehrs-Ergänzungskarten fällig – die für Gießen kostet 30,60 Euro, für Frankfurt 49 Euro. Hier kann sich der (zeitweise) Umstieg aufs Fahrrad lohnen. Die Monatskarte zwischen Gießen und Frankfurt kostet so 50 Euro mehr als bisher. Drastisch erhöhen würde sich der Preis für Jobticket-Inhaber.

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