17. März 2014, 12:33 Uhr

Bernd Begemann: Großer Mann im »kleinen MuK«

Bernd Begemann zelebriert beim Konzert im MuK die musikalische Weltdurchdringung. Klassiker wie »Gib mir eine 12. Chance« oder »Ich kann dich nicht kriegen, Katrin« gab es im abgespeckten Gewand zu hören.
17. März 2014, 12:33 Uhr
Meister der vertrackten Texte: Bernd Begemann. (Foto: Julian Wessel)

Bernd Begemann ist ein Fall für sich. Seit einem Vierteljahrhundert steht der Sänger, Gitarrist und Entertainer für vertrackte Texte, die sich ungern an klassischen Metren und Melodien orientieren wollen, aber ihren ganz eigenen poetischen Tiefgang haben. Ein Mainstream-Phänomen kann und will der Intellektuelle aus Bad Salzuflen, der als wichtiger Impulsgeber der sogenannten Hamburger Schule gilt, damit nicht werden. Auch in Gießen bleibt er anscheinend ein Insider-Phänomen: Zwei Dutzend Zuschauer waren zu seinem Soloauftritt am Freitagabend ins MuK gekommen, dem »einzigen Club, der nach einer Märchenfigur von Wilhelm Hauff benannt ist«.

Großer Mann im »kleinen MuK« also. Von der Statur her gemahnte Begemann (Jahrgang 1962) entfernt an den späten Elvis, dessen Hüftschwung er immer wieder gern zu imitieren schien, »auch wenn es nicht mehr aussieht wie vor zwanzig Jahren.« Damit war auf eine Zeit angespielt, in der Begemann mit der Band »Die Antwort« erste Akzente in der Musikwelt gesetzt und seinen Wohnsitz in die Musikmetropole Hamburg verlegt hatte. Zuletzt war er mit der Formation »Die Befreiung« unterwegs und hatte im vorletzten Jahr mit der Doppel-CD »Der brennende Junge« eine Retrospektive über sein fünfundzwanzigjähriges Schaffen vorgelegt.

Begemann-Klassiker wie »Gib mir eine 12. Chance« oder »Ich kann dich nicht kriegen, Katrin« gab es am Freitag im abgespeckten Gewand zu hören. Begemann begleitete sich selbst auf der elektrischen Gitarre, die er mittels seines Fender-Verstärkers fabelhaft zum Singen brachte. Ohne das Band-Korsett konnte sich seine sperrige Art der musikalischen Weltdurchdringung frei entfalten: »Ich habe es absichtlich musikalisch anspruchslos gehalten, damit ihr auf den Text achtet.« Nummern wie »Kein Glück im Osten« wurden episch aufbereitet und der Textgehalt durch eine Bryan-Adams-Reminiszenz ergänzt.

Überhaupt verlor sich Begemann oft in minutenlangen, selbstvergessenen aber stets pointierten Zwischenansagen, die seinen letzten All-Inclusive-Urlaub oder die Lieblingszeile aus den »Poltergeist«-Filmen zum Inhalt hatten. Gerne nahm der Barde Liedwünsche entgegen, gönnte der überschaubaren Zuhörerschaft gar eine Raucherpause. Diese feierte Begemann und sein textlastiges Programm enthusiastisch und sang lautstark mit, wenn der Meister dazu aufrief.

Eröffnet hatte die Ben Schadow-Band den Abend. Schadow ist nicht nur Bassist von Begemanns Band, offenbarte sich als auch dessen lyrischer Seelenverwandter. Für zwei Lieder wurde das Duo von Wahlgießenerin Tess Wiley unterstützt. Julian Wessel

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