Was genau sich am 15. November 2016 auf dem Hof einer Salatbar in der Gießener Bleichstraße ereignet hat, war nach dem ersten Prozesstag vor einer Berufungskammer des Landgerichts nicht festzustellen. Zu widersprüchlich waren die Angaben. Sicher ist nur, dass es eine Auseinandersetzung gegeben hat, in deren Verlauf ein heute 37-Jähriger schwere Schnittverletzungen davongetragen hat.

Unstimmigkeiten mit Mutter

Angeklagt waren zwei Männer von heute 29 und 35 Jahren. Der 29-Jährige war in erster Instanz zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zur Zahlung von 10 000 Euro Schmerzensgeld verurteilt worden. Der 35-Jährige erhielt einen Freispruch. Gegen das Urteil vom August 2018 hatten Staatsanwalt und Nebenkläger allerdings Berufung eingelegt.

Auslöser der damaligen Tat war offenbar eine Unstimmigkeit zwischen dem späteren Opfer und der Mutter des 29-Jährigen, die beide als Küchenhilfe in der Salatbar arbeiteten. Vordergründig ging es darum, wie eine Avocado zu schneiden sei. Mehr aber ging es wohl um die Frage, ob die Mutter, die noch nicht so lange im Betrieb war wie ihr 37-jähriger Kollege, über seine Art zu arbeiten bestimmen dürfe. Um die Ehre der Mutter zu retten, forderten ihr Sohn, der 29-jährige Angeklagte, und sein 35-jähriger Freund eine Aussprache, die blutig endete.

Die Auseinandersetzung im November 2016 begann mit einer Rangelei im Hof der Sa latbar. Ob es dort schon zu den gravierenden Stichen kam oder erst nach der Verlagerung der Auseinandersetzung auf die Straße, blieb auch unklar. Mal hieß es, der 37-Jährige habe die Angreifer mit einem Besenstiel vom Hof gejagt, mal, er habe die Flüchtenden mit dem Besen, dessen Stiel dabei zu Bruch ging, verfolgt und geschlagen. Die herbeigerufenen Polizeibeamten hatten die Messerattacke zunächst als versuchtes Tötungsdelikt behandelt. In erster Instanz war dann allerdings nicht vor dem Schwurgericht, sondern am Amtsgericht verhandelt worden. In der Berufungsverhandlung vom Mittwoch wurde sehr genau erörtert, wie das Messer vom 29-Jährigen geführt worden sei. Auch der Anteil des 35-Jährigen am Tatgeschehen wurde eingehend beleuchtet, wobei wiederholt geäußert wurde, der Mann habe schlichten wollen.

Nicht genügend Anhaltspunkte

Staatsanwalt Klaus Bender kam zu der Erkenntnis, dass nicht genügend Anhal tspunkte für eine Verurteilung vorlägen. Er zog die Berufung insoweit zurück. Damit wurde der Freispruch des 35-Jährigen rechtskräftig. Das Verfahren gegen den zweiten Angeklagten wird am 4. September fortgesetzt.

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