Beide Säle in der Kongresshalle waren voll besetzt, die Bühne ebenfalls: Das Universitätsorchester präsentierte sich in Großumfang mit drei Werken zum Ausklang des Wintersemesters. UMD Stefan Ottersbach – seit 2005 Chef des nunmehr 40 Jahre bestehenden Klangkörpers – hat das von seiner Vorgängerin Brigitte Schön auf Niveau gebrachte Ensemble konsequent auf Hochglanz poliert. Zum Semesterabschlusskonzert erschien es unter seinem energievollen Dirigat in bester Spiellaune und professionellen Orchestern durchaus vergleichbar. Der erfahrene und vielfältig tätige Mann am Pult und die Musiker aus allen Fachbereichen sind in den Jahren gemeinsamer Arbeit zusammengewachsen. Das zeigte sich am Samstagabend in bestem Sinn.

Hinlänglich bekannt, eröffnete Friedrich Smetanas bildstarke Tondichtung »Die Moldau« den dreiteiligen Abend mit einer dynamischen Schilderung: Perlende Flötenklänge zu Beginn, wellenförmige Streicherbewegungen, Triangelglitzer und folkloristische Einschübe. Die wundersame Mondscheinstimmung hätte noch ein wenig mehr »Seide« und Poesie vertragen können. Spannend geriet die Steigerung von den Stromschnellen zum mächtigen Fluss mit Pauken-, Becken- und Trompetenstößen bis zu einem sauberen Ausklang der insgesamt temporeich gestalteten Klangmalerei.

Ein Beispiel zeitgenössischen Musikschaffens befriedigte nicht nur das Informationsbedürfnis, sondern auch die Hörbereitschaft: Die dreisätzige Symphony des Amerikaners Kevin Beavers (geb. 1970) gehört nicht zu den experimentellen Stücken, sondern bezaubert mit durchgängigem Spannungsbogen und interessanten Klangfarben. Der vielfach mit Preisen bedachte, klassisch ausgebildete (und promovierte) Komponist ist seit 2013 Dozent für Komposition und Formenlehre an der Internationalen Musikakademie Anton Rubinstein in Düsseldorf.

Die Einstudierung zur europäischen Erstaufführung der Symphony (2005) zusammen mit dem Gießener Universitätsorchester wurde zum intensiven Hörgenuss. Mit dunklen Streichern und Kontrabass-Pizzicato beginnt eine vorwärtsdrängende, pulsierende Durchführung, die mit ihrem Drive an Honeggers »Pacific« erinnert. Moderate Dissonanzen, Synkopen und schöne Soli – hervorzuheben die Violine – prägen den ersten Eindruck. Dem mit »Placido« bezeichneten 1. Satz folgt »Comodo« mit gläsernen Effekten, starkem Schlagzeug und Blech sowie geschmeidigen Geigen. Jazzige Anklänge, Holzbläser-Akzente und ein von Moll ins Dur modulierender Ausklang steigern den farbenreichen Gesamteindruck. Motorik dominiert den dritten Satz mit seinen diffizilen Einsätzen einzelner Instrumente – eine hochkonzentrierte Leistung, in der auch Copland und Barber gelegentlich grüßen lassen. Für die ausgefeilte, gut ansprechende Interpretation wurde das Ensemble gefeiert. Und auch dem Komponisten selbst war die Freude anzusehen: Blumen und Umarmungen für Kevin Beavers und Stefan Ottersbach.

So wurde auch Dvoraks 7. Sinfonie erwartungsgemäß zum Ohrenschmaus. Kompakt und plastisch durchgestaltet besonders bei den exzellenten Geigen, boten die vier Sätze ein vielschichtiges Klangbild in eher raschen Tempi; manchmal auf Kosten tieferer Durchgestaltung. Das Maestoso mit dem stets präsenten Hauptthema, der liedhaft und melancholisch daherkommende Adagio-Satz mit sensiblem Holzbläser-Solo und samtigen Streichern, das schwingende Scherzo mit dem markant-burlesken Versmaß sprachen ebenso direkt an wie das dramatisch inspirierte Finale – ein stürmischer Farbenregen als Coda. Jubel und Trampelbeifall für einen gelungenen Abend!

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