26. Februar 2019, 22:04 Uhr

Brücken statt Mauern bauen

#WirSindMehr war 2018 der populärste Hashtag bei Twitter in Deutschland. Er entstand aus Protest gegen die rassistischen Vorfälle in Chemnitz. Heute besitzt #WirSindMehr immer noch Relevanz. Dazu bezog das evangelische Dekanat Gießen Position mit einem Konzert.
26. Februar 2019, 22:04 Uhr
SAK

In Kooperation mit der christlich-islamischen Gesellschaft und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Gießen-Wetzlar entstand eine multireligiöse Konzertreihe, die für volle Ränge in der Petruskirche und deren Gemeindesaal sorgte.

»Christen, Juden, Moslems haben eines gemeinsam: Der Tag hat 24 Stunden. Ich bitte Sie daher die Plätze einzunehmen.« Mit diesen bestimmt-höflichen Worten wandte sich der Dekanatsvorsitzende Gerhard Schulze-Velmede an die Besucher des zweiten Konzertes an diesem Abend. Man war etwas in Zeitverzug geraten. Doch nur zu gerne tauschte sich das Publikum im Vorraum des Gemeindesaals über den ersten Programmpunkt aus. Wenige Minuten zuvor ertönten von der Empore der Kirche Chor- und Orgelwerke unterschiedlicher Komponisten, darunter etwa der »Ostern Zyklus« von Khadija Zeynalova (44) aus Aserbaidschan.

Drei Konzerte an einem Tag

Als endlich alle saßen, legte der interreligiöse Chor Frankfurt los – mit einem auf Papier wilden, aber live stimmig umgesetzten Konzert aus protestantischem Choral, jüdischen Volksmelodien und arabischem Pilgerlied. Begleitet von Klavier und Gitarre arbeiteten die Sänger die für die jeweiligen Kulturkreise typischen Rhythmen gekonnt heraus. Highlight der Veranstaltung war zweifelsohne der Auftritt von Aeham Ahmad (31) in der Petruskirche. Der palästinensisch-syrische Musiker erlangte 2015 Bekanntheit als »Pianist in den Trümmern« durch seine Auftritte im Flüchtlingslager Jarmuk während des Bürgerkriegs in Syrien. Inzwischen lebt er mit seiner Familie in Wiesbaden.

Mit scheinbarer Leichtigkeit verband Ahmad, der bei einigen Stücken von einem australischen Saxofonisten begleitet wurde, Jazz und Folk in drei Sprachen: Arabisch, Englisch, Deutsch. Darunter fanden sich Klassiker wie »Die Gedanken sind frei«. Der Pianist animierte das Publikum immer wieder mitzusingen. Das ließ sich nicht lange bitten. Im Kontrast dazu stand die integrierte Lesung aus Ahmads Autobiografie »Und die Vögel werden singen« (S. Fischer Verlag) über seine Erlebnisse im Bürgerkrieg, eindringlich vorgetragen von Schauspieler Roman Kurtz. Die Veranstalter beendeten den Abend passend mit einer weltoffenen Rede. Ökumenepfarrer Bernd Apel: »Wir sind Brückenbauer, keine Mauerbauer«.

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