19. März 2018, 21:39 Uhr

Choreografische Werkstatt im Stadttheaterfoyer

19. März 2018, 21:39 Uhr
Lorenzo Rispolanos Choreografie thematisiert die Flucht aus dem Alltag und das Spiel der Hormone. (Foto: dkl)

Gießen (dkl). Dieser besondere Termin hat sich herumgesprochen, von Mal zu Mal wird es voller. Die Stühle im Theaterfoyer reichen längst nicht mehr, Steh- und Bodensitzplätze kommen dazu. Was sich andernorts »Choreografische Werkstatt« nennt, kommt in Gießen bescheidener daher: Mitglieder der Tanzcompagnie zeigen eigene choreografische Arbeiten. Ballettdirektor Tarek Assam erklärt, warum: Bei den vielen auswärtigen Verpflichtungen der TCG bleibt nur ein kleines Zeitfenster im Jahr, in dem sich die Ensemblemitglieder eigenen Kreationen zuwenden können. Am Freitagnachmittag war es wieder so weit.

Den Gesamttitel »Vom Auge ins Herz getanzt« erläuterte der neue Tanzdramaturg Johannes Bergmann. Zum täglichen Erarbeiten von neuen Stücken gehöre für Tänzer und Tänzerinnen, Bewegungen aus der Anschauung ins eigene Körpergefühl zu bringen. In diesem Jahr gab es vier choreografische Kurzstücke zu sehen.

Anna Jirmanova zeigte eine Performance, die wie eine Persiflage auf eine Theaterbesucherin erscheint. Stehen und warten, die Kleidung zurechtrücken, sich schminken und dann in den Tiefen der Handtasche verheddern. Das war richtig komisch und endete unausweichlich mit einem Selfie. Dann folgte die ambitionierte Choreografie von Lorenzo Rispolano, einstudiert mit fünf Kollegen. Der erste Teil thematisierte die Flucht aus dem Alltag, inspiriert vom Film »Trainspotting«; das waren intensiv getanzte Bewegungsfolgen zu treibender Musik. Im zweiten Teil waren es die Auswirkungen von Hormonen, die etwa zu körperlichen Missempfindungen führen können, was über Nylonstrümpfe an den Armen symbolisiert wurde. In der Umsetzung überzeugten Maria Adriana Dornio, Clara Thierry, Michael d’Ambrosio, Yusuke Inoue und Marcel Casablanca Martinez.

Dann beeindruckten die Jahresgäste von der Zürcher Hochschule der Künste, Gina Maag und Antonio Spatuzzi. Sie haben gemeinsam eine Choreografie zum Thema Kennenlernen erarbeitet. Von Fremdheit über vorsichtige Annäherung bis zu Streit und Umarmung war alles dabei. Ihr Tanz bewegte sich am ehesten im traditionellen Ballettkontext. Den Abschluss bildete das Trio Jirmanova, Thierry und Martinez, von Letzterem stammt auch die Choreografie. Die drei richteten den Fokus auf ihre Hände, eingangs mithilfe von Handschuhen in mehreren Lagen übereinander. Die Körper waren über weite Strecken stillgestellt. Eine stille Arbeit. Das Publikum applaudierte nach allen Stücken begeistert.

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