15. Mai 2018, 21:58 Uhr

Darwins Erbe auf dem Smartphone

15. Mai 2018, 21:58 Uhr
Warum sich Naturforscher Charles Darwin vor rund 150 Jahren für diese Pflanze interessierte, können Besucher mit QR-Codes direkt auf ihrem Handy nachlesen. (Foto: edg)

Eine schlanke Pflanze ragt aus der Erde mit hellgrünen langen Blättern, die von roten Fäden umspielt werden. »Das war lange Zeit ein Objekt der Begierde für Charles Darwin«, sagt Stefanie Eschenbrenner und zeigt auf das zarte Pflänzchen in einer Vitrine. »Dass Pflanzen Tiere fressen, war damals nicht gerade populär – es galt als nicht göttlich.« Die Botanikerin von der Justus-Liebig-Universität kennt nicht nur diese Anekdote über den Naturforscher und den Rundblättrigen Sonnentau, sondern weiß Bescheid über 44 weitere Pflanzenarten, mit denen er im 19. Jahrhundert arbeitete. Seit Dienstag ist ihre interaktive Ausstellung »Darwins Pflanzen begreifen« in der Hermann-Hoffmann-Akademie zu sehen. Die Infos können Besucher mithilfe von QR-Codes direkt auf ihr Smartphone laden. Bald geht das auch im Botanischen Garten.

Bald auch im Botanischen Garten

Die Ausstellung ist für den Botanischen Garten entworfen worden und hätte eigentlich dort eingeweiht werden sollen. Dort rollen jedoch derzeit die Baumaschinen für neue Gewächshäuser. Deshalb sind Pflanzen, Poster und Schilder mit QR-Codes und Darwin-Silhouette nun vorerst in Vitrinen im Flur der Hoffmann-Akademie untergebracht. Mindestens vier Wochen ist die Ausstellung in der Senckenbergstraße 17–23 zu sehen. Zu gegebener Zeit soll sie auf die gegenüberliegende Straßenseite umziehen.

Schilder mit QR-Codes stehen schon jetzt an einigen Pflanzen im Botanischen Garten. Die Silhouette einer Kuh weist darauf hin, dass diese Gewächse für die Veterinärmedizin interessant sind. »Für viele Menschen ist es schwierig, Pflanzen zu erkennen und sich ihre Namen zu merken«, sagt Prof. Volker Wissemann, Leiter des Botanischen Gartens. »Wir wollen einen intellektuellen Anker setzen, indem wir die Pflanzen mit dem bekannten Naturforscher Darwin verknüpfen.« So könne man sie sich leichter einprägen.

Warum werden nun gerade Geschichten über den britischen Naturforscher herangezogen? »Viele kennen Darwin nur als Naturforscher, aber er hat 18 Jahre lang, ab 1862, vor allem an Pflanzen gearbeitet«, sagt Eschenbrenner. »Fast jeder kennt ihn, und er hat zudem eine echte Verbindung nach Gießen«, ergänzt Wissemann. Der geistige Vater der Evolutionstheorie schrieb sich Briefe mit dem Gießener Botaniker Hoffmann und kannte daher auch den Botanischen Garten.

Dreieinhalb Jahre hat Botanikerin Eschenbrenner über Darwins Pflanzen geforscht und wurde dafür von der Johannes-Hübner-Stiftung unterstützt. Heute legt sie zu diesem Thema ihre Doktorprüfung ab. »Mit meiner Arbeit möchte ich das botanische Vermächtnis des Naturforschers Darwin auch für Nicht-Botaniker zugänglicher machen«, sagt sie. Zusammen mit ihren Kollegen hat sie erstmals alle sieben botanischen Hauptwerke des Forschers ausgewertet und Tausende Arten aufgelistet.

All ihr Wissen über Darwin und seine Pflanzenforschung hat die Botanikerin in eine bereits bestehende Datenbank eingespeist, auf die Besucher mit den QR-Codes zugreifen können. Die Infos stehen Schulen und Universitäten kostenlos zur Verfügung. Nach der Eröffnung der Ausstellung können zudem andere botanischen Gärten kostenfrei zugreifen und die Schilder ebenfalls nutzen.

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