31. Oktober 2018, 22:06 Uhr

Der Mörder und der Zahnarzt

31. Oktober 2018, 22:06 Uhr
CMD

Zur Abwechslung gab es mal keine Diskoparty im Ulenspiegel. Auf der Tanzfläche wurden stattdessen Stuhlreihen und auf der Bühne Requisiten aufgebaut, denn am Tag vor Halloween war im Rahmen des Krimifestivals wieder einmal Kultur an einem ungewöhnlichen Ort angesagt. Diesmal gab es anstatt einer Lesung ein Schauspiel, das die zahlreichen Zuschauer bis zur letzten Sekunde zu fesseln verstand.

Die zwei Berliner »Vollblutschauspieler« Anette Daugardt und Uwe Neumann, die in ihrer Heimatstadt gemeinsam das KantTheater betreiben, brachten in zwei unter den beiden aufgeteilten Hälften die Inszenierung »Feuer Blut Hund« mit einer abgefahrenen Mischung aus theatralen Mitteln, dunklem Humor und schauspielerischer Leistung auf die kleine Bühne.

Feuer, Blut und Hund

Den Anfang machte Daugardt mit einem Eine-Frau-Stück. Dabei verkörperte sie eine englische Hausfrau mit Reinigungsfimmel, deren Ehemann sich als Mörder entpuppt. Wie sie die Entwicklungen in ihrer Beziehung zu ihm erlebt und inwiefern die Ermittlungen gegen ihren Mann ihr selbst zusetzen, berichtet sie im etwa fünfzigminütigen Solostück lebhaft. Mit nur einem Tisch, zwei Stühlen und einigen wenigen kleinen Requisiten schaffte die Künstlerin es, die Szenen mit all den verschiedenen involvierten Figuren und dem Hund Tina vor den Augen des Publikums zum Leben zu erwecken.

Uwe Neumann legte nach einer Pause samt Schnittchen und Erfrischungen nach. Erst schien die zweite Hälfte etwas verwirrend, da die Kontinuität mit der Handlung von Daugardts Stück nicht übereinstimmte und noch dazu mit einer grimmigen Ballade begonnen wurde. Die Verwirrung löste sich aber später wieder auf, als das Stück, das sich nun zu einer Erzählung über einen Zahnarztbesuch mit unangenehmen Konsequenzen für einen Mann verändert hatte, auf eben jene Ballade zurückgriff. Damit wurde eine Parallele zu dem doch sehr abstrakten Text von »Die Füße im Feuer« von Conrad Ferdinand Meyer hergestellt und dieser sozusagen in unsere heutige Welt übertragen – ein dramaturgisch interessanter Kniff. Ein wenig Verwirrung blieb zwar im Publikum, dies war aber auch sicherlich beabsichtigt.

Insgesamt lieferte das KantTheater seinem Publikum eine stilisierte Mischung aus Illusionismus und Postdramatik, gespickt mit dunklem, englischen Humor. Eine empfehlenswerte Kombination, die sich ihren regelmäßigen Platz im Programm des Krimifestivals redlich verdient hat.

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