28. August 2019, 22:17 Uhr

Deutsche Firmen »im Hintertreffen«?

28. August 2019, 22:17 Uhr
Silicon-Valley-Spezialist Dr. Mario Herger bei seinem Vortrag. (Foto: hpb)

»Am Anfang vieler großer Unternehmen stand eine blöde Idee. Niemand wusste, ob man das wirklich braucht und für was das gut sein könnte. Menschen mit großer Neugier und Mut packen an und führen eine solche blöde Idee zu einem Erfolg, zum Beispiel bei airbnb, Uber oder Twitter«, ist Silicon-Valley-Spezialist Dr. Mario Herger überzeugt. Bei hochsommerlichen Temperaturen von 32 Grad im Schatten sprach der gebürtige Österreicher in einer nahezu vollbesetzen Aula der Justus-Liebig-Universität (JLU) über das Thema »Zukunft der Arbeit - Digitalisierung als Chance«.

JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee betonte in seiner Begrüßung: »Mit dem digitalen Wandel und den damit verbundenen Herausforderungen, Chancen und Risiken beschäftigen wir uns an der Universität sehr intensiv - und zwar in allen Fachgebieten. Die Digitalisierung ist eine wichtige Querschnittsaufgabe in Forschung und Lehre, im Bereich Transfer, in Verwaltung und Governance sowie mit Blick auf die Infrastruktur. Vor diesem Hintergrund bin ich dankbar, dass im Rahmen dieser Veranstaltung die Expertise aus der Wissenschaft mit den Erfahrungen aus der Unternehmenspraxis zusammengeführt wird.«

Annette Pascoe, Geschäftsführerin des Unternehmens Pascoe Naturmedizin, hatte den international gefragten Redner, Unternehmer und Buchautor in Kooperation mit der JLU und der Volksbank Mittelhessen für diesen Vortrag gewonnen. Herger stellte die europäischen Denkweisen der Mentalität des Silicon Valleys gegenüber. Er zeigte den zahlreichen Gästen, wie man den innovativen Geist des Silicon Valleys mit europäischen Stärken verbinden könne. Vielen arrivierten Unternehmen falle es schwer, die Chancen der Digitalisierung zu ergreifen. Ein Grund dafür seien festgefahrene Denkmuster, die ausschließlich in der analogen Welt verhaftet seien. Digitalisierung aber stehe für revolutionäre Geschäftsmodelle, für Ideen, die radikal anders und damit erfolgreich seien.

Am Beispiel der Automobilindustrie erläuterte der ehemals langjährige Entwicklungsleiter und Innovationsstratege bei SAP, wie sehr Deutschland bei der Entwicklung der Elektromobilität hinterherhinke. Das Elektroauto sei die Zukunft des 21. Jahrhunderts. Bereits in etwa sieben Jahren würden die Mehrzahl der Neuzulassungen Elektrofahrzeuge sein. Deutsche Unternehmen befänden sich fünf bis sieben Jahre im Hintertreffen und investierten zu wenig in Forschung und Entwicklung. So werde das nichts. Die Hälfte aller Autobauer und Zulieferer würden deshalb verschwinden oder aufgekauft. »Das ist ähnlich wie bei den früheren Kutschenmachern. Die haben den Sprung in die Automobilität nicht geschafft«, sagte Herger.

In den USA würden etwa 50 Firmen selbstfahrende Autos entwickeln. Bereits 800 autonome Fahrzeuge seien auf den Straßen in Kalifornien täglich unterwegs und würden dort öffentlich getestet. Auch selbstfahrende E-Scooter und autonome Systeme für Motorräder zur Unfallvermeidung seien schon Realität.

Nach dem Vortrag diskutierte Herger mit Annette Pascoe, Oliver Bracht (Chief Data Scientist bei der Eoda GmbH), Prof. Monika Schuhmacher (Professorin für Technologie-, Innovations- und Gründungsmanagement an der JLU) und Dr. Lars Witteck (Vorstand und Chief Digital Officer der Volksbank Mittelhessen). Unternehmerin Annette Pascoe meinte, dass man bereit sein müsse, jederzeit die Perspektive zu ändern und sich immer wieder neu zu erfinden. Zudem müsse man wissen, wo die eigenen Stärken liegen und bereit sein, umzulernen. Witteck sagte: »Wenn es gelingt, ausschließlich von den Bedürfnissen des Kunden aus zu denken, macht man vieles richtig.«

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