03. Juni 2009, 22:48 Uhr

Diskreter Auftritt Kochs in der Fachhochschule

Gießen (si). Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hat auf Einladung des Rings Christlich Demokratischer Studenten an der Fachhochschule Gießen-Friedberg zum Thema »Dienstleister, Denkfabrik, Ideenschmiede. Auftrag und Chance staatlicher Hochschulen im 21. Jahrhundert« gesprochen.
03. Juni 2009, 22:48 Uhr

Gießen (si). Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hat auf Einladung des Rings Christlich Demokratischer Studenten an der Fachhochschule Gießen-Friedberg zum Thema »Dienstleister, Denkfabrik, Ideenschmiede. Auftrag und Chance staatlicher Hochschulen im 21. Jahrhundert« gesprochen. Die Veranstaltung bildete den Auftakt einer bundesweiten Aktionsreihe des RCDS, bei der hochkarätige Politiker an deutsche Hochschulen geholt werden. Der Auftritt war allerdings bewusst nicht öffentlich angekündigt worden, auch Medien waren nicht eingeladen. Man habe Störer fernhalten wollen, sagte der Gießener RCDS-Vorsitzende Marvin Gusen der Allgemeinen Zeitung.

Nach seinen Angaben kamen neben zahlreichen Studentinnen und Studenten auch der Gießener Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann, der Hauptamtliche Kreisbeigeordnete Siegfried Fricke sowie die CDU-Europakandidatin Oda Scheibelhuber ins »gut gefüllte Audimax«. Zudem gab es Grußworte des RCDS-Bundesvorsitzenden Gottfried Ludewig und von FH-Präsident Prof. Günther Grabatin. Koch habe sich nach seinem Vortrag über 30 Minuten den Fragen und Anliegen des Publikums gewidmet, schreibt Gusen, ohne auf Einzelheiten einzugehen.

Dass der Auftritt des Ministerpräsidenten so diskret behandelt wurde, ist wohl nicht allein mit der Angst vor Störern zu erklären. Gusen bestätigte, dass es an der Fachhochschule zunächst Bedenken gegeben habe, einen Raum zur Verfügung zu stellen - sie habe sich auf ihre Verpflichtung zur parteipolitischen Neutralität berufen. Der RCDS habe Koch deshalb auf den in der FH verteilten Plakaten nur als Ministerpräsidenten vorgestellt und nicht auch als hessischen CDU-Vorsitzenden und außerdem auf jedes CDU-Emblem verzichtet, sagte Gusen.

Gleichwohl war der Vorgang Thema in der letzten Senatssitzung der Fachhochschule. Der studentischer Vertreter Alexander Webert protestierte dort gegen die Raumvergabe und kündigte nach kurzer Diskussion für die nächste Sitzung des Hochschulparlaments einen Antrag an, mit dem die Einladung missbilligt und ähnliche Veranstaltungen für die Zukunft ausgeschlossen werden sollen.

Gusen bestätigte außerdem, dass der RCDS den Vortrag ursprünglich an der Universität geplant hatte. Diese habe den Antrag jedoch nicht genehmigen wollen. JLU-Pressesprecherin Lisa Dittrich sagte auf Anfrage, dass der Auftritt Kochs als Wahlkampfveranstaltung bewertet worden sei, für die die Hochschule grundsätzlich keine Räume zur Verfügung stelle.

Dass im Januar letzten Jahres der Bundesvorsitzende der Linkspartei, Oskar Lafontaine, auf Einladung der studentischen Hochschulgruppe Linke/SDS an der Justus-Liebig-Universität sprach, steht diesem Prinzip offenbar nicht entgegen. Die Hochschule hatte damals darauf verwiesen, dass diese Veranstaltung samt Diskussion im Rahmen der Wahlen zum Studierendenparlament stattfinde, und verlangt, dass nur hochschulpolitische oder universitätsnahe Themen angesprochen werden dürfen. Eine Bedienstete der JLU-Rechtsabteilung prüte vor Ort, ob die Auflagen beachtet werden - was nach Uni-Einschätzung der Fall war.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos