03. Mai 2019, 21:51 Uhr

»Dreggsagg« mit treuen Fans

03. Mai 2019, 21:51 Uhr
Der quirlige Alleinunterhalter Michl Müller nimmt kein Blatt vor den Mund. (Foto: has)

Er trägt keinen Pullunder wie ein bekannter Kollege aus der Kabarettbranche. Sein Markenzeichen ist ein schwarzes T-Shirt mit dem weißen Aufdruck »Dreggsagg«. Und über Unterschiede zu dem großen William Shakespeare berichtet er seinem Publikum während seines neuen Programms, das da heißt »Michl Müller... nicht Shakespeare«. Rund 300 Besucher hatten sich am Donnerstagabend im Großen Saal der Kongresshalle eingefunden, um dem bodenständigen Franken auf das große Mundwerk zu schauen und über seine körperliche und geistige Beweglichkeit zu staunen.

Bekannt geworden ist der 1972 in Bad Kissingen geborene Entertainer aus der bayerischen Rhön weniger durch seine enge Beziehung zu dem englischen Dramatiker von Weltruf als durch seine legendären Auftritte in der fränkischen Fastnacht, die ihn zunächst dem bayerischen, später dann dem gesamtdeutschen Fernsehvolk bekannt machten. Mittlerweile hat er seine eigene Sendung in der ARD, in der er monatlich die Politik und den Zeitgeist aufs Korn nimmt. Dies alles tut er mit dem ihm eigenen Humor, der eine große Bandbreite aufweist, sich zu geistigen Höhenflügen aufschwingt, aber auch die Niederungen der Banalität nicht meidet. All dies aber mögen seine Fans, die ihm zum Teil sogar aus der bayerischen Rhön nach Gießen folgten. Aber natürlich waren die Hessen in der Überzahl. Und einer von ihnen schaffte es zwar nicht auf die Bühne, dafür aber wurde er an diesem Abend immer wieder in Müllers Gags eingebunden. Paul aus Biebertal hatte darum allerdings auf Anfrage des quirligen Alleinunterhalters ausdrücklich gebeten.

Paul aus Biebertal mit Nebenrolle

Zu Beginn versuchte der Franken-Michl allerdings, hinter die Bedeutung des Namens des hessischen Ministerpräsidenten zu kommen und stellte fest, dass jemand in Hessen mit dem Namen Al Wazir Minister werden konnte, während er dafür in Bayern allenfalls zur Abschiebung vorgesehen würde.

Überhaupt ließ Müller keinen Zweifel daran, was er an Missständen in der großen Politik und an Auswüchsen des Zeitgeistes vorfindet und gar nicht nachvollziehen kann. Natürlich kann er Staatsführern vom wilden Westen (mit einem toten Fifi auf dem Kopf) bis zum nahen Osten und zur russischen Taiga nichts abgewinnen, mit denen er die deutsche Kanzlerin vergleicht und sie auf der Weltbühne als nahezu einzig normal Wirkende in der Weltpolitik sieht. Eine Menge Dinge gibt es, die dem Mann mit dem Dreggsagg-Image missfallen. Das reicht von den homöopathischen Globuli (»Ich glaub zwar net dran, aber den Kindern hilfts«) über das »Shopping«, bei dem zwar Hunderte Geschäfte aufgesucht und genauso viele Teile anprobiert werden, aber nichts gekauft wird, oder die beliebten »Smoothies«, die ihren Ursprung laut Müller vergammelten Gemüseabfällen auf einem Bauernhof verdanken, die einen Lebensmittelhersteller auf den Gedanken brachten. Schon gar nicht hat es der kabarettistische Einzelkämpfer mit E-Bikes, den »Drecks-Junggesellenabschieden«, die den Polterabend verdrängten oder gar den »Wedding Planern«. Auch das immer wieder reizvolle Thema des Geschlechterverhaltens umgeht Müller nicht.

Und Shakespeare? Der war im Gegensatz zu Müller nie in Verona, schon gar nicht mit dem Freund Carlos, der kein Spanier ist, sondern durch einen Unfall sein »Car« los geworden ist. Und Angelsachse war Shakespeare auch nicht, sondern Sachse, der gerne angelte. Was die Anwesenheit eines sächselnden Totenkopfes erklärte. Alles in allem aber ein höchst unterhaltsamer Abend, den das Publikum mit stehendem Applaus honorierte.

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