21. Juli 2017, 19:22 Uhr

Drei Wochen spielerisch lernen

21. Juli 2017, 19:22 Uhr
»Räuber – voll gechillt« heißt in Anlehnung an Astrid Lindgrens Kinderbuch Ronja Räubertochter das 20-minütige Theaterstück, das die Drittklässler zum Abschluss des »DeutschSommers« in der Aula der Sandfeldschule aufführen. (Foto: Schepp)

Was tun, wenn sich in Familien mit Migrationshintergrund die Angehörigen daheim nur oder überwiegend in ihrer Muttersprache unterhalten und die Kinder deshalb mangels ausreichender Deutschkenntnisse im Schulunterricht nicht richtig mitkommen können? Eine Antwort gibt das Modellprojekt »DeutschSommer« der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, das seit elf Jahren in Frankfurt läuft und gerade seine Premiere in Gießen erlebte. 26 Drittklässler aus zehn Herkunftsnationen haben in den ersten drei Wochen der Sommerferien in der Sandfeldschule eine spielerische Sprachförderung absolviert.

Dahinter steht eine ganzheitliche Lernmethode, die sich vom herkömmlichen Schulalltag unterscheidet. Die Kinder hatten zwar vormittags in kleinen Gruppen Deutschunterricht, doch war der mit Theaterspielen verbunden. Nachmittags gab es nach dem gemeinsamen Mittagessen und einer Freistunde zum Spielen musische, spielerische und sportliche Betätigungsangebote. So wurde zugleich das Sozialverhalten geschult. Auf dem Programm standen auch Auftritte von Kinderliedermacher Fredrik Vahle und einer Märchenerzählerin sowie Tagesausflüge zum Grünen Meer in Laubach und zur Burg Gleiberg. Letzteres hing damit zusammen, dass sich die sieben Betreuer – je zwei Lehrer, Sozialpädagogen und Theaterpädagogen sowie Koordinatorin Claudia Jirka – inhaltlich stark am Kinderbuch »Ronja Räubertochter« von Astrid Lindgren orientierten. »Räuber – voll gechillt« hieß deshalb das Theaterstück, das die Kinder in der letzten Woche einstudierten und am Donnerstag ihren Eltern und Geschwistern präsentierten.

Ohne Sprache keine Bildung

»Für das erste Mal hat es gut geklappt«, lautet die Bilanz von Musikpädagogin Jirka. Manche Kinder hätten sogar gefragt, ob das Projekt – an dem sich die Eltern mit jeweils 30 Euro beteiligt hatten– nicht auch in der zweiten Hälfte der Sommerferien weitergehen kann, berichtet sie.

Aber auch objektiv wurde ermittelt, ob die Drittklässler in den drei Wochen ihren Wortschatz erweitert haben. Der Sprachtest der Polytechnischen Gesellschaft, den alle Angemeldeten vorab absolviert hatten, wurde zum Abschluss wiederholt.

Das Sprachprojekt soll im kommenden Sommer wiederholt werden, dann vielleicht sogar mit 60 statt 30 Plätzen. Das sagte Christopher Textor zu, der im hessischen Kultusministerium in der Stabstelle für die schulische Integration von Flüchtlingen tätig ist. Das erfolgreiche Modell solle auf Städte mit einem hohen Anteil an Migranten ausgedehnt werden.

Der »DeutschSommer« richtet sich bewusst an Drittklässler, weil in der vierten Klasse und danach die Sprachbeherrschung eine größere Bedeutung hat als zuvor. »Nur wer die Bildungssprache beherrscht, kann schulisch erfolgreich sein«, weiß Fachmann Textor.

Unabhängig von den Finanzhilfen aus Frankfurt und Wiesbaden strebt die Stadt Gießen nach Mitteilung von Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser an, dass alle Drittklässler mit Sprachdefiziten zusätzlich gefördert werden. Mit den Grundschulleitern will sie aufgrund der aktuellen Erfahrung demnächst beraten, ob und wie Elemente des Modellprojekts in den normalen Unterricht integriert werden können.

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