12. Juni 2019, 21:48 Uhr

Drogenprävention nach isländischem Vorbild?

12. Juni 2019, 21:48 Uhr

Eine Delegation aus Gießen soll nach Island reisen, um das dort erfolgreiche Suchtvorbeugungsprogramm auch hier einzuführen: Diese Idee des Grünen-Stadtverordneten Klaus-Dieter Grothe stieß im Jugendhilfeausschuss weitgehend auf Wohlwollen. Zwischen 10 000 und 14 000 Euro verlangten die Isländer für die Beratung potenzieller Nachahmer, sagte der Ausschussvorsitzende und Jugendpsychiater in einem ausführlichen Vortrag.

Vor 20 Jahren seien die Straßen Reykjaviks an Sommerabenden mit Alkohol trinkenden Jugendliche verstopft gewesen, schilderte Grothe. Ein groß angelegtes Suchtpräventionsprogramm habe seitdem beeindruckende Ergebnisse gezeigt. So hätten 1998 noch 42 Prozent der 15- und 16-Jährigen angegeben, innerhalb der letzten vier Wochen mindestens einmal betrunken gewesen zu sein. Heute sagten das nur noch sieben Prozent. Ein Nebeneffekt seien die Erfolge von Islands Fußballern, denn Sport und andere Freizeitangebote mehrmals in der Woche sei ein wesentlicher Teil des Projekts. Weitere Maßnahmen seien ordnungspolitische Eingriffe - von Verkaufs-Beschränkungen bis zum Werbeverbot - sowie die Einbeziehung der Eltern, die etwa in Dörfern am Samstagabend bei gemeinsamen Spaziergängen erkunden, was ihre Kinder tun.

Gerade diese Motivierung der Eltern funktioniere erfahrungsgemäß in größeren Staaten kaum, erklärte allerdings Bernd Hündersen, Geschäftsführer des Gießener Suchthilfezentrums. Erfolgversprechender als gesamtgesellschaftliche Ansätze sei das Stärken der Persönlichkeit. Jeder einzelne müsse lernen, »sein eigener Coach« zu werden und »selbstfürsorglich« zu handeln, so Hündersen. »Weitgehend gescheitert« sei die klassische »Fremdberatung« von außen.

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