31. Juli 2019, 06:00 Uhr

Kanzleramtschef

Ein Mähroboter kommt Helge Braun nicht ins Haus

Gießen ist für Kanzleramtschef Helge Braun Lebensmittelpunkt geblieben. Er ist fast jedes Wochenende in seinem Wahlkreis.
31. Juli 2019, 06:00 Uhr
Politische Heimat ist der CDU-Kreisverband. Hier ist Helge Braun Gastgeber für Parteigeneral Paul Ziemiak (l.). (Foto: so)

Seit fast eineinhalb Jahren leitet er die Machtzentrale der Bundesrepublik Deutschland: Helge Braun aus Gießen. Das Kanzleramt an der Spree ist sein Arbeitsplatz, sein Lebensmittelpunkt ist die Universitätsstadt an der Lahn geblieben. »Fast alles ist an Gießen netter. Die Lebensqualität ist hier eindeutig höher. Berlin ist eine tolle Großstadt mit einem großartigen Kulturangebot, von dem ich aber nichts habe. Berlin ist für mich vor allem ein verdichteter Arbeitsort«, sagt der Kanzleramtschef im Sommerinterview mit der Gießener Allgemeinen Zeitung (Seite 5).

Der CDU-Politiker hat den Ort für das Gespräch, das Bootshaus der Gießener Rudergesellschaft, selbst gewählt und bestellt ein gemischtes Eis. Hier kennt man ihn, unter anderem von den Besuchen mit seiner Großmutter, mit der er früher oft an der Lahn spazieren gegangen ist. Das Eis ist von damals geblieben. »Ein Ritual«, sagt Braun.

Der Eindruck täuscht nicht, dass der 46-Jährige oft in Gießen ist und an den Wochenenden Termine in Unternehmen oder der Universität absolviert. Braun verdichtet seine Arbeitswochen, um am Freitag in seinen Gießener Wahlkreis fahren zu können, den er auch bei der Bundestagswahl 2017 direkt gewonnen hat. Im Zeitalter der modernen Kommunikation kann man auch aus der Ferne koordinieren. »Man muss nicht immer für alles vor Ort sein«, erklärt Braun. Und für den Fall, dass am Wochenende die Hütte brennt und die Medien ein Statement des Kanzleramtschefs brauchen, hat er in seinem Haus im Südviertel als Interview-Hintergrund eine Stellwand im Design der Bundesregierung griffbereit.

Auch politisch ist Gießen die Heimat des früheren Stadtverordneten und Kreistagsabgeordneten geblieben. Den Kreisvorsitz der Gießener CDU bezeichnet Braun als das Amt, das ihm »am meisten ans Herz gewachsen ist«. Für ihn ist sein Heimatverband auch ein Seismograph für das, was im Land passiert und die Leute bewegt. »Wenn man wissen will, wie die Arbeit, die man in Berlin macht, vor Ort ankommt, dann ist die Arbeit in der CDU vor Ort das A und O. Für die politische Bodenhaftung ist das eine ganz wichtige Ebene«, betont Braun. Die Frage, ob er in Personalentscheidungen im Vorfeld einer Landrats-Direktwahl, Oberbürgermeisterwahl oder Kommunalwahl eingebunden ist, beantwortet er mit einem schlichten »Ja«.

Über den privaten Helge Braun ist wenig bekannt, unter anderem das besondere Verhältnis zu seinem Garten. »Rasenmähen ist meine Leidenschaft«, erzählt Braun und berichtet von Nachbarn, die sich wundern, dass der vielbeschäftigte und technikaffine Kanzleramtschef diese Arbeit nicht von einem Roboter erledigen lässt. »Man muss nicht alles automatisieren. Das Rasenmähen brauche ich«, fügt er lachend hinzu.

Auch als Chef des Kanzleramts nutzt Braun seine Gießen-Aufenthalte, um das Know-know der Universitätsstadt für seine Arbeit abzuschöpfen: »Ich komme gerade von der Uni, von Professor Janek, weil wir in den nächsten Wochen stark an unserer Strategie für die Elektromobilität arbeiten werden. Da habe ich mir mal das Neueste aus der Batterieforschung erklären lassen.«

Stolz macht den früheren Arzt am Uniklinikum, dass in Unipräsident Prof. Joybrato Mukerjehee und Prof. Katja Becker JLU-Vertreter zwei Toporganisationen (Deutscher Akademischer Austauschdienst und Deutsche Forschungsgemeinschaft) führen werden. »Das sind schon mal zwei Gießener, die ich jetzt qua Amt häufiger treffen werde«, freut sich Braun. Und wie erklärt der Chef der deutschen Regierungszentrale seinen ausländischen Gesprächspartnern, woher er kommt? »Super funktioniert bei Treffen mit ausländischen Firmenchefs der Hinweis auf die Lage. Dann nehme ich eine Europakarte und zeige: Gießen is the centre of europe. Und das stimmt ja auch.«

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