16. August 2019, 22:11 Uhr

Ein Verein macht Mut

16. August 2019, 22:11 Uhr
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Von Dagmar Hinterlang
Eine Aktion der »Initiative Demenzfreundliche Kommune« war das Gestalten von Kunstleitpfosten für die Landesgartenschau in Gießen. (Foto: bf)

Eines vorweg: Der Verein mit dem etwas sperrigen Namen »Initiative Demenzfreundliche Kommune - Stadt und Landkreis Gießen« (kurz IDfK) ist ein kleiner ehrenamtlicher Verein. Doch als solcher hat er in den vergangenen zehn Jahren einiges bewirkt - zum Beispiel, dass Gießen und die Kommunen im Kreis auf dem Weg zur »Demenzfreundlichen Kommune« sind.

Der Verein wurde am 28. April 2009 gegründet. Aktiv war er bereits zwei Jahre zuvor, angeregt durch die Aktion Demenz mit ihrem Vorsitzenden, Professor Reimer Gronemeyer. Ziel des Vereins ist es, Impulse zu setzen und Perspektiven zu verändern. Der Akzent liegt dabei nicht auf medizinischen Aspekten oder Pflege und Betreuung, sondern darauf, Strukturen zu verändern und einen Bewusstseinswandel herbeizuführen.

Erste Aktivitäten umfassten Informationsveranstaltungen bei Karstadt, bei den Stadtwerken Gießen und bei der Verwaltungsfachhochschule der Polizei. Der IDfK war es wichtig, überall dort, wo Menschen mit und ohne Demenz sich begegnen, für Verständnis im Umgang miteinander zu werben. Sich eine Vereinsstruktur zu geben, lenkte den Blick erst einmal weg von inhaltlichen Fragen und hin zu Formalien wie Satzungsgestaltung und Namensgebung. Beim Entwurf des Vereinslogos durch Schüler der Willy-Brandt-Schule ließen sich Form und Inhalt verbinden. Die jungen Leute waren nämlich nicht nur kompetente Gestalter, sondern zeigten sich dem Thema gegenüber als äußerst aufgeschlossen.

Für Demenz sensibilisieren

Obwohl als öffentliches Thema noch nicht so weit verbreitet wie heute, erlebte der Verein von Anbeginn sehr viel Unterstützung auf seinem Weg zur »Demenzfreundlichen Kommune«. Stadt und Landkreis Gießen, allen voran Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und Landrätin Anita Schneider, förderten und begleiteten die Aktivitäten der IDfK über zehn Jahre hinweg. So konnte die IDfK schon bald auf ein breit gefächertes Programm verweisen.

Besonders gern erinnern sich die Akteure an die Schweizer Filmproduktion »Nebelgrind«, mit der sie durch den Landkreis »tingelten«. Anhand von »Nebelgrind« ließen sich die verschiedensten Aspekte der Demenz einfühlsam darstellen. Demenz ist ein ernstes Thema, aber man darf auch befreit lachen, so die Botschaft des Schweizer Films. Wie viel Heiterkeit möglich ist ohne zu verletzen, bewies auch eine Ausstellung mit Zeichnungen von Peter Gaymann im Busecker Schloss. Die Ausstellung war Teil einer Aktionswoche zum Welt-Alzheimertag 2018. Bürgermeister Dirk Haas und die IDfK ernannten die Landkreisgemeinde für ein paar Tage und darüber hinaus zur »Demenzfreundlichen Kommune«.

Aber noch einmal zurück zu den Wurzeln der IDfK. Ein frühes Projekt, gefördert von der Robert-Bosch-Stiftung, befasste sich mit der Ausbildung von sogenannten Demenzpaten. Die Idee war es, Menschen in Vereinen für das Thema zu sensibilisieren und Strukturen zu schaffen, die es sowohl Menschen mit Demenz als auch deren Angehörigen ermöglicht, weiter in ihrem Verein aktiv zu sein. Die IDfK hatte sich beim Bundesmodellprogramm »Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz« beworben und eine Förderung erhalten.

In Zusammenarbeit mit dem Gießener Stadttheater entwickelten die Akteure der IDfK eine Besuchsreihe für Menschen mit Demenz. So entstand die Möglichkeit, Generalproben des Philharmonischen Orchesters und Proben der Tanzcompagnie beizuwohnen. Das Projekt fand Anerkennung mit der Verleihung des hessischen Elisabethpreises für Soziales im April 2018.

Über die Jahre hinweg nahmen Gäste aus Tagespflegeeinrichtungen, aus stationären Einrichtungen und von Privat an dem Angebot teil. Das Kulturprogramm für Menschen mit Demenz wird gegenwärtig ausgebaut. Erste Besuche im Mathematikum waren dank der einfühlsamen Begleitung durch Professor Albrecht Beutelspacher und seine Mitarbeiterin ein voller Erfolg. Kunstbetrachtungen und Museumsbesuche sind in Vorbereitung.

Als Mut machend empfanden die Mitglieder der IDfK um Vorsitzende Dagmar Hinterlang und die Stellvertretende Vorsitzende Elisabeth Bender die Begegnung mit ihrem späteren Ehrenmitglied Helga Rohra. Die Münchnerin hat als von Demenz Betroffene einen besonderen Blick auf die damit verbundenen Lebensumstände lenken können. Sie zu Veranstaltungen nach Gießen zu holen, war deshalb ein großes Anliegen der IDfK. Um das Thema Demenz in allen gesellschaftlichen Bereichen mitzudenken, ist die IDfK in verschiedenen Gremien aktiv. Dazu gehören der Gießener Seniorenbeirat, der Runde Tisch »Älter werden in Gießen« und der Arbeitskreis Demenz Region Gießen. Weitere Infos auch im Internet unter www.demenzinitiative-giessen.de



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