25. Januar 2019, 21:32 Uhr

Ein echter Schatz

25. Januar 2019, 21:32 Uhr
Kurator Andreas Ay, Referentin Britta Olényi von Husen und Museumsleiterin Katharina Weick-Joch vor einem der Märchenmotive aus der Bock-Sammlung.

Knapp vor Laufzeitende der Gustav-Bock-Ausstellung im Oberhessischen Museum gab es noch einen Vortrag. Für Kurator Dr. Andreas Ay gehörte bei seinen Recherchen zur Stiftung des Gießener Industriellen auch das Ermitteln aller Künstlerbiografien. Einer der weitgehend unbekannten ist der Maler und Grafiker Hanns Pellar, von dem sich das größte Konvolut in der Bock’schen Sammlung befindet.

Ay war bei seinen Recherchen auf die Dissertation (2011) »Hanns Pellar: Theatralisches Rokoko und Märchen« gestoßen. Deren Autorin Dr. Britta Olényi von Husen konnte für einen Vortrag gewonnen werden. Museumsleiterin Dr. Katharina Weick-Joch stellte die Referentin vor, die im Museumsreferat der Stadt Köln mit einem Kollegen für die Provenienzforschung von sieben großen Museen zuständig ist: »Eine Herkulesarbeit.«

Von Husen bezeichnete ihren Gießen-Besuch im vergangenen Sommer als ihr Highlight des Jahres und dankte Kurator Ay nochmals, dass er sie auf den Gießener Bestand an Pellar-Bildern aufmerksam gemacht hatte. Auf diese Sammlung in öffentlichem Besitz war sie bei der Arbeit an ihrer Dissertation nicht gestoßen. Und dass gleich bei der Ankunft am Alten Schloss die große Fahne mit der Porträtzeichnung von Stefanie Pellar, der Gattin des Malers, ihr entgegenblickte, fand sie wunderbar.

Hanns Pellar wurde 1886 in Wien geboren, machte dort eine grafische Ausbildung und studierte an der Wiener Akademie. 1906 ging er nach München, um bei »Malerfürst« Franz von Stuck zu lernen. Vor dem Umzug hatte er in Wien sein Lieblingsmodell Stefanie geheiratet. Vermutlich durch die Geburt der Tochter fühlte er sich zu Märchenzeichnungen inspiriert, die als Kinderbuch »Der kleine König« weiten Kreisen bekannt wurden. Zur Verbreitung des Ruhmes trug Kunstkritiker Fritz von Ostini bei, der Texte für das Buch schrieb und Artikel in den damals neuen Kunstzeitschriften veröffentlichte.

Pellars Märchenfiguren in Rokoko-Kostümen faszinierten Großherzog Ernst Ludwig, der Pellar 1911 an seine Künstlerkolonie auf die Mathildenhöhe berief. Gustav Bock hat bereits ein Jahr später die ersten Pellar-Gemälde gekauft. Zu den ersten Aufträgen gehörten die Wandgemälde für die Musikzimmer zweier Villen in Essen, eine Zusammenarbeit mit dem Architekten Edmund Körner, der ebenfalls auf der Mathildenhöhe wirkte.

In Darmstadt bekannter wurde Pellar mit seinen Porträts der Reichen und Schönen. Er galt als »Maler der Eleganz«. Ende 1914 wurde Pellar noch zum Professor ernannt, doch war durch den Ersten Weltkrieg die Blütezeit der Künstlerkolonie beendet. Der Adel wurde nach Kriegsende abgeschafft, der Großherzog dankte ab. In den Jahren der Weimarer Republik gingen die Aufträge zurück, Pellar zog nach Frankfurt, verdiente sein Geld u. a. in der Werbung, wurde Kunstberater bei Opel. 1933 verließ dieFamilie Deutschland, da seine Frau nach NS-Kriterien jüdisch war. Doch das Berufsverbot ereilte ihn auch in Wien, seine Schwester trug zu seinem Unterhalt bei. Pellar starb 1971 in Wien.

Die Kunstgeschichte hat ihn lange nicht beachtet, da er für den konservativen Geschmack der gesellschaftlichen Elite malte. Dennoch ist er wert, wiederentdeckt zu werden. Leider sind viele seiner Werke zerstört worden, wie die Porträts der letzten Mathildenhöhe-Ausstellung 1914 und die Wandgemälde in Essen. Umso wertvoller ist der Schatz, den das Oberhessische Museum hütet. (Foto: dkl)

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