24. Januar 2018, 20:40 Uhr

Ein emotionales Erlebnis

Mal poetisch-ruhig, dann wieder turbulent: Frankfurter Schlagzeugstudenten glänzen beim Examenskonzert in der Gießener Uni-Aula.
24. Januar 2018, 20:40 Uhr
Yu-Ling Chiu (l.) und Lin Luo sind nach absolvierter Prüfung erleichtert. (Foto: jou)

In Begleitung des Philharmonischen Orchesters präsentierte sich am Dienstag in der Uni-Aula die Schlagzeugklasse von Prof. Rainer Römer von der Frankfurter Musikhochschule. Dabei schien Stadttheater-Ehrenmitglied Herbert Gietzen am Dirigierpult mit seinem reichen Erfahrungsschatz den jungen Perkussionisten Sicherheit zu geben. Schon zu Beginn, im Marimbakonzert Nr. 1 von Ney Rosauro, strahlten die Solisten künstlerische Versiertheit aus. Raul Flores Aloy brachte im ersten Satz den geheimnisvoll-warmen Klang des hölzernen Schlagstabspiels voll zur Entfaltung. Gemeinsam mit den Streichern gelang ihm eine gestalterisch differenzierte Interpretation der rhythmisch prägnanten, unmittelbar zugänglichen Musik. Besonderen Charme versprühte das folgende ruhige und stimmungsvolle »Lamento« mit sanften Tremolo-Klangflächen der Marimba, die Ziteng Wang – hier in der Solistenrolle – nuanciert intonierte. Wie sich auch in den weiteren Sätzen zeigte, widmeten sich die Schlagzeugstudenten einer dankbaren Komposition, die nicht sehr komplex, gleichwohl reizvoll wirkte und hohe spieltechnische Anforderungen barg.

Für Intellekt und Sinne

Von weit kühnerer Art war das Werk »Glut« des 1964 in Frankfurt als Kind koreanischer Eltern geborenen Komponisten Il-Ryun Chung. Den Auftakt bildeten punktuelle Klang- und Geräuschereignisse, allmählich verdichtete sich das Geschehen und immer mehr Instrumente, nun auch Holz- und Blechbläser, traten hinzu. Gegenüber dem leicht fasslichen Eröffnungskonzert erwies sich dieses avancierte, erstmals in Deutschland aufgeführte Werk als ziemlich vertrackt aufgebaut und forderte Intellekt wie Sinne der Interpreten und Hörer. Das Schlaginstrumentarium war stark erweitert und umfasste neben Marimba auch Vibrafon und Xylofon. Wie der Titel erahnen lässt, ahmt die Musik den physikalischen Erhitzungsprozess von Stoffen nach. Analog zur Bewegung der Moleküle, nimmt die Energie des Gefüges stetig zu. Unter dem souveränen Dirigat Gietzens blieb die moderne Struktur bis zum Schluss räumlich transparent gezeichnet. Lob gebührt allen Mitwirkenden, ein derart bereicherndes Werk der Öffentlichkeit vorgestellt zu haben. Wünschenswert gewesen wäre allerdings ein deutlich größeres Publikum – viele Plätze im Saal blieben frei.

Im Rahmen ihrer Abschlussprüfung übernahmen nach der Pause die Examenskandidatinnen Lin Luo und Yu-Ling Chiu die Soloparts im Doppelkonzert für Marimba und Vibrafon des französischen Komponisten Emmanuel Séjourné.

Das hölzerne und metallene Schlaginstrument verschmolzen im Allegro-Kopfsatz anmutig beim makellosen, perfekt synchronisierten Zusammenspiel des Solistenduos. Poetisch-ruhige und mitreißend turbulente Passagen zu einem großen Ganzen verbindend, bereitete die farbig orchestrierte Musik ungetrübten Genuss. Filmmusikartige Atmosphäre erzeugten die Perkussionskünstlerinnen gemeinsam mit den Streichern im Adagio. Ein emotional intensives Erlebnis bescherte auch das abwechslungsreiche, dramatisch zugespitzte Allegro-Finale. Für die niveauvollen Darbietungen spendeten die Hörer begeisterten Applaus.

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