03. Mai 2017, 11:00 Uhr

Organisierte Kriminalität

Einbruchserie im Neubaugebiet

Im Neubaugebiet in Allendorf ist es zuletzt zu einer Vielzahl von Einbrüchen gekommen. Die Polizei geht von organisierter Kriminalität aus. Die Bauherren greifen zu ungewöhnlichen Maßnahmen.
03. Mai 2017, 11:00 Uhr
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Von Guido Tamme
Aktuelle und künftige Bewohner rufen zur Wachsamkeit auf: Im Allendorfer Neubaugebiet Am Ehrsamer Weg werden immer wieder Baumaschinen aus den entstehenden Wohnhäusern gestohlen. (Foto: Schepp)

Am Wochenende will die Familie in ihren Neubau am Nordwestzipfel des Neubaugebiets Allendorf einziehen. Der Innenausbau ist weitgehend abgeschlossen. Doch dann kam der Schock: Am vorvergangenen Montag wurde die Küchenausstattung angeliefert, nur einen Tag später – noch vor dem Einbau – aber waren die nagelneuen Elektrogeräte plötzlich verschwunden. Induktionsplatte, Backofen, Geschirrspüler, Dunstabzugshaube und Dampfgarer im Wert von rund 5000 Euro wurden bei einem Einbruch in der Nacht entwendet.

Am Tag geliefert, in der darauffolgenden Nacht gestohlen – das kann doch kein Zufall sein, vermuten die Bauherren und argwöhnen, dass die dreisten Diebe entweder Hintermänner bei einem der vielen im Baugebiet tätigen Subunternehmen haben oder dass Banden das Gebiet ausspionieren und ständig nachschauen, ob und wo sich ein Diebstahl lohnen würde.

Dafür spricht zum Beispiel, dass ein künftiger Anwohner der Straße Altes Gericht am vergangenen Wochenende gegen 23 Uhr vor seinem Neubau einen Kombi mit niederländischem Kennzeichen entdeckte. Als er den Fahrer ansprechen wollte, gab der sofort Gas und verschwand.

Dieser Anwohner war Anfang Januar selbst von einem Schnelldiebstahl betroffen. Tagsüber wurde eine Putzmaschine angeliefert und im Rohbau abgestellt, am nächsten Tag war sie weg. Wenig später scheiterte ein Unbekannter bei dem Versuch, die Haustür aufzubrechen. Seitdem schläft der erwachsene Sohn der Familie gelegentlich in dem Neubau. Zu dieser Maßnahme griff nun auch die Familie, deren Küchengeräte entwendet wurden. Der Hausherr hat den Einzug vorgezogen und schläft bereits in dem Haus.

Anwohner zählt 21 Straftaten

Einige Bauherren haben sich in dem Neubaugebiet mit den 100 Grundstücken im Laufe der vergangenen Monate umgehört und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es in den letzten anderthalb Jahren seit dem Beginn der Besiedlung schon 21 Einbrüche oder Einbruchsversuche gegeben hat. Diese Zahl kann die Polizei zwar nicht bestätigen. Sie sieht aber mit jeweils drei Einbruchdiebstählen Ende Januar und Ende April eine auffällige Häufung. Versuche gab es vermutlich noch mehr, doch wird erfahrungsgemäß nicht für jede Beschädigung einer provisorischen Haustür gleich eine Strafanzeige erstattet.

Von der Polizei fühlen sich die Allendorfer Neubürger im Stich gelassen. »Die könnten doch prophylaktisch wenigstens ab und zu mal nachts dort Streife fahren«, beschwert sich ein Neubürger; er habe aber noch nie ein Polizeifahrzeug gesehen. »Es ist doch klar, dass das organisiert ist: Die Einbrecher wissen vorab, wo und wann etwas zu holen ist«, beschwert sich der Initiator der Facebook-Gruppe über die ausbleibenden Reaktion der Polizei, die auch schon direkt auf das Thema angesprochen wurde.

Nur normale Polizeistreifen

»Das Neubaugebiet Allendorf wird schon lange im normalen Rahmen von den Streifen der Polizeistation Gießen Süd angefahren«, merkt dazu Pressesprecher Jörg Reinemer an. Für eine größere Frequenz sehe man aber keinen Anlass, da es sich nach statistischer Betrachtung nicht um einen Kriminalitätsschwerpunkt handele. Leider sei es Alltag, dass auch im heimischen Raum überregionale Tätergruppen aktiv sind, die auf Bestellung vor allem Baumaschinen entwenden.

Ein Häuslebauer hat für sich längst die Lehre aus der erhöhten Einbruchgefahr im Neubaugebiet gezogen: Er nimmt abends alle Geräte mit einem Wert von mehr als 100 Euro von der Baustelle mit nach Hause.



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