24. Februar 2019, 18:17 Uhr

Eine Gemeinde steht Kopf

24. Februar 2019, 18:17 Uhr
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Von Christian Schneebeck
Pfarrer Hans-Joachim Wahl alias »Der Heilige Bonifatius«. (Fotos: csk)

Wenn Küster trällern, Pfarrer schunkeln – dann bleibt der Grund nicht lang im Dunkeln: Kommt erst die Faschingszeit hernieder, tobt halt St. Bonifatius wieder. Zur 43. Auflage von »Rabatz in Bonifaz« präsentierte sich die Gießener Kirchengemeinde am Samstagabend über vier Stunden außer Rand und Band. 180 Besucher erlebten in der Turnhalle Heuchelheim ein buntes Programm aus Tanz, Gesang und Humor. Und weil Fasching im Kern eine ernste Sache ist, durfte auch die Politik nicht fehlen.

Dafür sorgten zuerst Stefan Wohlfart und Kaan Buelte als »Steeve und Kaan alias Keeve und Staan«. Ihr Mix aus den Highlights und auch aus einigen Tiefpunkten 2018 nahm unter anderem den Machtkampf in der CDU aufs Korn. So habe Annegret Kramp-Karrenbauer »einfach die Verfolger ausgemerzt«, berichteten sie. Aber »wo gehobelt wird, da fallen Spähne«. Time to say Goodbye heißt es hingegen bald bei Angela Merkel. Für Deutschlands Noch-Kanzlerin hatte das Duo deshalb schon mal einen Abschiedssong mitgebracht.

Zuvor war um Punkt 19.33 Uhr der Elferrat, der bei St. Bonifatius momentan nur ein Neunerrat ist, in Begleitung des Fanfarenzugs »Zauberklang« in den Saal eingezogen. Anschließend begeisterten die »Dancing Divas« der Karnevalfreunde Allendorf mit einer Showeinlage, ehe die »Kreuzritter von Köln« (Christoph Thörmer und Klaus Bruchhäuser) kein gutes Haar an den sozialen und politischen Aufregern der Zeit ließen. Küster Gerard Pellekorne, Thomas Oelighoff und Wilfried Foltin rockten die Halle mit der »Doofmusik«. In die Bütt stiegen dann Peter Meilinger, der »Türmer von Gießen«, und Pfarrer Hans-Joachim Wahl als »Der Heilige Bonifatius«.

Ersterer legte den Schwerpunkt vor allem auf die Kommunalpolitik. Beispiel Bahnhof. Die Bahnhoftrepp ist neu gemacht«, freute sich »der höchste Beamte der Stadt«. Unter den Augen von Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz im Publikum fügte er jedoch direkt hinzu: »Ich hoff‹ nur, dass man net widder über Brutto und Netto lacht«. Nun ja, der Magistrat und die Mathematik. »Netto mit Brutto zu verwechseln ist nicht gerade weise«, schimpfte Meilinger. »Wer bezahlt nun die ganze… Misere?«.

Waren den weltlichen Regenten derart die Leviten gelesen, mussten auch die Kirchenoberen dran glauben. »Baut de Kerch jetzt richtig um!«, forderte Wahl und verband dies mit harscher Kritik an seiner Zunft. »Was ewig unnerm Teppich war, tritt jetzt zutage, ganz klar. Was hawwe die sich eingebild’t?, dass Priester unantastbar sind?«. Wahls Antwort hallte eine Weile nach: »De Papst in Rom versammelt jetzt, die Bischöf, die zu guter Letzt, Verantwortung zu trage habe, für das, was Mädche und auch Knabe, junge Männer, fromme Fraue, ich tu’s hier kaum zu sage traue, ertrage musste, ich sag’s frei: des is Schmach und Sauerei.«

Tanzdarbietungen zeigten außerdem die »Shiny Stars« aus Heuchelheim, die sogar Teile der Bühnendeko zum Wackeln brachten, das Männerballett »Ohana« und Luna-Marie Hofmann, das Tanzmariechen der Gießener Fassenachts-Vereinigung. Auch das Gießener Prinzenpaar höchstselbst – Prinz Andreas I. und Prinzessin Sabrina II. – samt Hofstaat, Ari sowie Vertretern des Elferrats machte den Narren in Heuchelheim seine Aufwartung und verlieh Wahl und Sitzungspräsident Thörmer den Prinzenorden. Francesco und Pino Marcario unterhielten als »Die zwei Italiener«, Stephan Pussel mit einem Schlager-Medley.

Nach dem großen Finale durfte noch lange weiter geträllert, geschunkelt und Rabatz gemacht werden. Frei nach dem Motto: Die Wege der Narren sind unergründlich.



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