16. Februar 2016, 13:48 Uhr

Eine Übung in Selbstkasteiung

Das Problem beim Fasten ist der Verzicht. Sieben Wochen ohne TV, Alkohol, Tabak oder Süßigkeiten – wie soll man das bloß schaffen? Die GAZ-Stadtredaktion macht’s vor. Aber wir wollen’s auch nicht übertreiben. Sieben  Redakteure haben sich »freiwillig« bereit erklärt, während der Fastenzeit eine Woche lang auf ein Laster oder eine lieb gewordene Angewohnheit zu verzichten. Ohne Garantie, dass wir durchhalten.
16. Februar 2016, 13:48 Uhr
(Foto: Red/Fotolia)

Eine Fastenaktion der evangelischen Kirche lautet »Sieben Wochen ohne«. Was sich auf dem Papier leicht anhört, rüttelt in der Praxis am Nervenkostüm. Hier ist eiserner Wille gefragt, das ist nichts für Weicheier. Das zeigt schon die Etymologie des Wortes »Fasten«. Sprachgeschichtlich bedeutet es »festhalten« an den Geboten der Enthaltsamkeit. Fasten ist in zahlreichen Religionen der Welt belegt und gehorcht bestimmten Ritualen. Dazu gehören festgelegte Zeiten (40 Tage im Christentum) und Festtage wie der Karfreitag. Heutzutage ist Fasten längst profanisiert und vom Gesundheitsmarkt entdeckt worden. Heilfasten führt zu einem höheren Wohlbefinden und einer verbesserten Gesundheit. Fastenkurse versprechen die Regeneration von Körper und Seele.

Wer fastet, will Gewicht reduzieren, einen einfachen Lebensstil praktizieren, auf ökologische Fragen aufmerksam machen oder mitfühlen mit denen, die hungern. Letztlich ist es ein Test für das eigene Ich: Schaffe ich es, etwas loszulassen? Oder bin ich abhängig von Facebook, Smartphone oder der morgendlichen Tasse Kaffee, ohne die man »einfach nicht in die Gänge kommt«?

Wie fühlt man sich dabei? Überwindet man den inneren Schweinehund? Welche Veränderungen des Körpers und des Geistes nimmt man wahr? Und die vielleicht wichtigste Frage: Halte ich durch oder muss ich auf halbem Wege aufgeben? Das wollen die GAZ-Redakteure wissen. »Eine Woche? Das schaffe ich locker«, posaunte ein Kollege bei der Redaktionskonferenz heraus, gab aber auch zu bedenken, dass Fasten immer einen Entzug bedeutet. Für den Vorschlag »eine Woche lang nicht rauchen« fand sich daher niemand. Kollege »chh« – einziger Raucher der Redaktion, meinte: »Wenn ich nicht rauche, das haltet ihr nicht aus.« Der Vorschlag »eine Woche lang nicht waschen« wurde als nachteilig für die Mitmenschen betrachtet und verworfen. Mit dem Fastenvorsatz »kein Alkohol« ist das so eine Sache. »Das sieht dann so aus, als würde ich ständig saufen«, meinte ein Kollege, der garantiert nicht ständig säuft. Trotzdem fand sich einer: Genuss-trinker »ta« wird eine Woche lang auf Wein, Bier und Co. verzichten. Auch für den Vorschlag »eine Woche lang Verzicht aufs Triebleben« fand sich kein Kandidat und keine Kandidatin – ganz »ausziehen« müssen wir uns vor unseren Lesern ja nun auch nicht. Besonders hart traf es Familie Schepp – einer fleischlosen Woche von Fotograf Oliver Schepp (ep) wird eine Woche ohne jeden Snack und Süßkram von Karola Schepp (gl) folgen. Wir hoffen, Sohn Paul verzeiht uns dieses Experiment.

Insgesamt sind außerdem folgende Fasten-Selbsterfahrungs-Berichte zu erwarten: Stephan Sippel (si) verzichtet auf sein Smartphone, Jens Riedel (jri) schaut kein TV und Burkhard Möller (mö) trinkt keinen Kaffee. Christine Steines (cg) hat es auch nicht leicht: Sie darf eine Woche lang kein eigenes Geld ausgeben. Schnorren ist indes erlaubt. Falls Sie sie also im Seltersweg treffen, haben Sie ein Nachsehen. Ob wir die Prüfungen bestehen, wird sich zeigen. Jeden Mittwoch erscheint ein Bericht.

Fakten übers Fasten

Fasten führt zu Körpergeruch. Das hängt mit der Umstellung des Stoffwechsels zusammen. Experten empfehlen, ganz besonders auf Körperhygiene zu achten.

Fasten befreit den Körper nicht von schädlichen »Schlacken«. Die gibt es aus medizinischer Sicht gar nicht. Die Endprodukte des Stoffwechsels werden über Niere, Darm oder Haut ausgeschieden. Da der Körper auf Energiereserven zurückgreifen muss und die Kohlenhydratspeicher schnell aufgebraucht sind, werden ab dem zweiten Tag die Fettreserven angegriffen.

Fasten hilft nicht wirklich beim Abnehmen. Wer Pfunde verlieren will, sollte dauerhaft auf eine  gesunde Ernährung achten. Außerdem sollten nur gesunde und belastbare Menschen das Fasten wagen. (jw)

 

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