07. April 2019, 19:00 Uhr

»Parents for Future«

Eltern und Lehrer unterstützen Klima-Proteste

Die protestierenden Kinder und Jugendlichen erhalten Unterstützung. In Gießen gab es jetzt die erste Kundgebung von »Parents for Future«.
07. April 2019, 19:00 Uhr

Von Christian Schneebeck , 5 Kommentare
Die Lehrerin Annette Sander (l.) spricht vor den rund 100 Teilnehmern der ersten »Parents for Future«-Kundgebung in Gießen. (Foto: csk)

Anouk weiß ziemlich gut Bescheid. Mit Inbrunst reckt die Fünfjährige ihr selbst gemaltes Plakat in die Höhe, während Annette Sander am Samstagmittag vor dem Rathaus spricht. Das kleine Mädchen und die Lehrerin verfolgen ein gemeinsames Ziel: Sie wollen deutlich machen, wie dringend beim Klimaschutz etwas geschehen muss. Unterstützt von den »Parents for Future Hessen«, deren vor drei Wochen gegründeter Gießener Ortsgruppe und der Klimagruppe des BUND-Kreisverbandes hat Sander deshalb die erste »Solidaritätskundgebung« für die »Fridays for Future«-Bewegung in Gießen organisiert. Nach den Schülern müssten jetzt auch Eltern, Großeltern und Lehrer öffentlich Farbe bekennen, meint sie.

Etwa 100 Menschen folgen dieser Aufforderung. Doppelt so viele, wie die Organisatorin bei den Behörden angemeldet hat. Mittendrin stehen Michael und Adela Weingarn, die Eltern von Anouk. Die ganze Familie demonstriere, ausgestattet mit gleich mehreren Plakaten, auf ausdrücklichen Wunsch der Kinder, erzählt Michael Weingarn. Bei »Logo« im Kinderkanal hätten die Kleinen von der globalen Bewegung für den Klimaschutz erfahren.

Kaum gesehen, schon umgesetzt – Anouk wusste offenbar schnell, was zu tun ist. Ihr Plakat zeigt unter anderem einen Müllberg, der viel größer ist als die Erde, außerdem natürlich den Klimawandel.

Gegen den hätten Politiker nach wie vor kaum wirksame Maßnahmen ergriffen, betont Sander in ihrer Rede: »Weltweit steigt der Ausstoß von klimaschädlichen Gasen Jahr für Jahr an, und niemand scheint die Bremse zu ziehen.« Es gehe um Verantwortung – und zwar nicht nur um jene der Politik, sondern auch um die jedes Einzelnen. »Im Interesse des Wachstumscredos und des Hoheliedes auf den Konsum« werde bislang »wider besseres Wissen« die Zukunft der Jugend verspielt. Dieses »Verbrechen an den jungen Menschen weltweit« müsse man stoppen; für Sander ist es »höchste Zeit, die Prioritätenliste zu erneuern und umzukehren«.

 

Weitere Aktionen geplant

 

Wie Politiker auf die »Fridays for Future« reagieren, macht die Pädagogin eher wütend. Die Schüler würden »belächelt und zu Naivchen herabqualifiziert«, statt ernsthaft mit ihnen zu diskutieren. Die »Parents for Future« unterstützten zwar nicht den Schulstreik, sehr wohl aber die Forderungen der Jugendlichen. Denn diese rückten »die Bedeutung ökologischer Fragen dorthin, wo sie hingehört: ins Zentrum der Aufmerksamkeit«. In diesem Sinne sehe sie die Kundgebung als »Anstoßveranstaltung«, zu der die anwesenden »Omas for Future« genauso willkommen seien wie Kinder und Jugendliche, sagt Sander. Geplant habe sie das Ganze allerdings »als Erwachsenensache«.

Bei Weingarns sind die Aufgaben unterdessen klar verteilt: Die Kinder liefern den Impuls, die Eltern die konkreten Ideen. Fahrradstraßen, eine Regiotram und mehr Bahnverbindungen gehören dazu, bessere Nahverkehrsangebote sowieso. »Die ganze politische Diskussion zurzeit ist doch absurd«, findet Adela Weingarn, dass zu wenig über vielversprechende Alternativen nachgedacht werde. Nicht nur darin stimmt sie mit Annette Sander überein. Die Kohle und der Verkehr seien »die Hauptverursacher« des Klimawandels, erklärt die Aktivistin und fordert einen beschleunigten Kohleausstieg, den Ausbau des ÖPNV und auch das Ende der Massentierhaltung.

»Lasst uns jetzt damit anfangen, die Zukunft zu machen!«, appelliert Sander zum Schluss. Langfristig sollten sich die einzelnen Klimaschutz-Initiativen zusammenschließen, meint sie. Ehe ganz offiziell generationenübergreifend für das Klima demonstriert wird, wollen aber zunächst die »Parents for Future« wieder auf die Straße gehen. Am Samstag, 11. Mai. »Um 12 Uhr«, sagt Sander. »Dabei wäre fünf vor zwölf eigentlich viel passender.«

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