20. Januar 2019, 19:41 Uhr

Empfindsam und schattierungsreich

20. Januar 2019, 19:41 Uhr
Gowoon Baek, Yi Xiao, Karolina Rybka und Emily Härtel (v. l.). (Foto: jou)

Ein erlesenes, für Interpreten wie Hörer gleichermaßen anspruchsvolles Programm war am Sonntagvormittag beim zweiten Kammerkonzert im Theaterfoyer zu erleben. Es musizierten Thomas Orthaber (Klarinette), Gowoon Baek (1. Violine), Yi Xiao (2. Violine), Karolina Rybka (Viola) und Emily Härtel (Cello) – allesamt Mitglieder des Philharmonischen Orchesters.

In eine frühromantische Klangwelt führte Bernhard Henrik Crusells Klarinettenquartett D-Dur op. 7. Feinnervig traf das Ensemble beim Allegro-Kopfsatz den sehnsuchtsvollen Ton. Zu faszinieren vermochte der erzählerische Duktus in konzentriertem Dialog zwischen Klarinette und Streichern. Dabei schien die klangliche Balance perfekt ausgewogen. In sanften melodischen Bögen, überdies recht kantabel boten die Musiker das Largo dar. Von dieser zarten Sphäre hob sich das schwungvoll-tänzerische Menuett markant ab. Die eleganten Melodiewendungen und die raffinierte Satztechnik fesselten bis zum Allegro-Finale. Zugute kam dem Werk die auf solistischen Erfahrungen basierende Vertrautheit Crusells mit spieltechnischen Besonderheiten der Klarinette.

Kühn schien der Sprung zu Erwin Schulhoffs »5 Stücken« für Streichquartett von 1923. Eine abgründige Atmosphäre erzeugten schroffe Pizzicati und groteske Momente. Schulhoff konterkariert mal ironisch Gattungskonventionen des Wiener Walzers, nähert sich dann ebenso distanziert dem Tango-Genre. Im Ganzen setzte die Komposition willkommene moderne Akzente.

Auf geläufigere Pfade holte nach der Pause Wolfgang Amadeus Mozarts klassisches Klarinettenquintett A-Dur zurück. Hohe Erwartungen weckten die Musiker durch ihren empfindsamen wie schattierungsreichen Vortrag schon zu Beginn mit dem innigen Streicherthema, das in vollendet geschwungenen Dreiklangsbrechungen der Klarinette mündete. Diese Nuanciertheit wahrten die Künstler im Verlauf, achteten auf ausgefeilte Dynamik und fließende Übergänge. Oft gespielt, begeisterte die Musik mit reizvollen Instrumentenkonstellationen und vielschichtigem Ausdruck, als würde man sie zum ersten Mal hören. Das Vergnügen rundete das optimistische Allegretto-Finale ab. Schwermut machte sich fast nur in der von der Viola dominierten dritten Variation breit – und wurde im folgenden Teil prompt beiseite gewischt. Für das hervorragende Konzert spendeten die Besucher kräftigen Beifall.

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