21. März 2016, 10:03 Uhr

Ernsthaft, witzig und grotesk

Die Tradition, dass Mitglieder der Tanzcompagnie sich mit eigenen Choreografien dem Publikum vorstellen, faszinierte am Freitagnachmittag viele Theaterbesucher. Das Foyer war bis in die oberen Ränge gefüllt, um die TCG-Mitglieder einmal anders kennen zu lernen.
21. März 2016, 10:03 Uhr
»Plastic Society« mit Yuki Kobayashi, Mamiko Sakurai und Alberto Terribile. (Foto: Dagmar Klein)

Oder die Neuen wie Dramaturgin Maite Beisser, die mit Ballettdirektor Tarek Assam moderierte. Beisser ist mitten in der Spielzeit eingestiegen und die erste feste Tanzdramaturgin, bislang hatte Assam immer mit wechselnden, projektbezogenen Dramaturgen gearbeitet.

Es war erstmals möglich, Bärbel Stenzenberger kennenzulernen, die Assistentin des Ballettdirektors, die jobgemäß eher im Hintergrund wirkt. Nun war zu hören, dass sie eine beachtliche Karriere als Tänzerin hinter sich hat, seit einigen Jahren mit BO-Komplex eine eigene Gruppe in Bonn leitet, für die sie nach wie vor choreografiert. Außerdem ist sie Mutter von zwei Söhnen. Wie macht sie das alles? »Ich liebe das, was ich tue«, so die strahlende Antwort. Von ihr waren zwei Stücke zu sehen: ein Solo für die TCG-Tänzerin Skip Willcox, das zwischen Kaugummi kauender Langeweile und flippiger Fitness oszillierte, und ein Auftragswerk, das kürzlich bei der Klimakonferenz in Paris uraufgeführt wurde. Dort hat sie selbst mit Romain Arreghini getanzt, für die Gießener Version hat William Banks ihren Part übernommen. »Bruderkuss« heißt es und reflektiert auf ebenso ernsthafte wie witzige Art die Verlogenheit politischer Gesten.

Den Einstieg in die Tanzimpressionen machte »Das Café« von Tänzerin Agnieszka Jachim, die sich für ihre Choreografie vom Jugendstilambiente des Foyers hat inspirieren lassen. Eine schöne Frau (Skip Willcox) wird umworben vom flinken Kellner (Romain Arreghini) und vom schüchternen Gast (Sven Krautwurst). Beide Männer lassen sich zum Vergnügen der Zuschauer kuriose Dinge einfallen, um die Aufmerksamkeit der Schönen zu erlangen. Vergeblich natürlich. Mit »Lui & Lei« präsentierten Jachym und Francesco Mariottini ihre gemeinsame Choreografie zu mittelalterlicher Musik, die kürzlich zur Ausstellungseröffnung »Tanz im Mittelalter« im Rathaus uraufgeführt wurde.

Am Ende stand ein groteskes Stück, das sich der »eigenwillige bunte Vogel« (Zit. Assam) der Tanzcompagnie, William Banks, hat einfallen lassen. Schon im vergangenen Jahr war er mit seiner frechen Herangehensweise aufgefallen, dieses Jahr hat er sich das Thema plastische Chirurgie vorgenommen. Unter dem Titel »Plastic Society« agieren Yuki Kobayashi, Mamiko Sakurai, Alberto Terribile wie Sadomaso-Versionen von OP-Personal und Kristina Norri steht als Society-Kunstfigur auf unglaublich hohen Stiletto-Stiefeln mit einem ebenso unglaublich großen Hut in der Gegend herum. Manchmal trippelt sie und macht Armbewegungen, bevor ein weiterer, drastischer Eingriff an ihr vorgenommen wird. Beim Interview überraschte Banks mit der wortreichen Erklärung, dass für ihn die Entscheidung für verändernde Eingriffe am eigenen Körper, egal aus welchem Grund, Menschenrecht sind.

Bleibt der Hinweis, dass einige Stücke bei TanzArt ostwest an Pfingsten zu sehen werden, außerdem die Gruppe BO-Komplex kommt und ein neues Stück von Stenzenberger zeigen wird. Auch auf die Auftaktveranstaltung können alle Tanzfans gespannt sein, findet sie doch im Bahnhof bei laufendem Betrieb statt. Als Choreograf konnte wieder Felix Duméril gewonnen werden, der im vergangenen Jahr mit seinem furiosen Stück im Stadtverordnetensaal für intelligente Unterhaltung sorgte. Dagmar Klein

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