24. November 2017, 22:02 Uhr

Erst Drogen, dann Psychose

24. November 2017, 22:02 Uhr
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Von Constantin Hoppe

Engel, Teufel und Allmachtsfantasien – als der 31-jährige Türke im Sommer dieses Jahres in die Gießener Vitos-Klinik eingeliefert wird, leidet er unter erheblichen drogeninduzierten Halluzinationen und Psychosen. Am 31. August 2015 soll der 31-Jährige den Betreiber einer Gießener Spielhalle mit einer Schusswaffe bedroht und 500 000 Euro verlangt haben, später noch mal 200 000 Euro. Auch von einer »Bombe im Rucksack« war die Rede. Dabei habe er nach Darstellung der Staatsanwaltschaft behauptet, der Teufel zu sein. Nach eigenen Angaben versuchte er jedoch, seinen zwei Jahre jüngeren Bruder von seiner Spielsucht zu befreien.

Die Anklagebehörde hält den 31-Jährigen für schuldunfähig: Aufgrund seines jahrelangen Drogenkonsums leidet er an einer Psychose. Derzeit ist der aus der Türkei stammende Mann in einer geschlossenen Entzugsanstalt untergebracht.

Als Sachverständige wurde deshalb am Freitagmorgen die behandelnde Ärztin des Angeklagten in der Vitos-Klinik angehört: Hier war der Beschuldigte im Juni dieses Jahres eingeliefert worden. Innerhalb von zwei Wochen gelang es dem Mann, zweimal aus der Klinik zu fliehen – beide Male besorgte er sich Drogen. Doch während der darauffolgenden Zeit auf der Krisenstation der Klinik verbesserte sich sein Zustand rasch: »Er war geordnet, zielstrebig und gesprächsbereit«, so die Fachärztin. Sein größter Wunsch zu dieser Zeit: Er wollte zurück in die Türkei und keine Therapie in Deutschland machen.

Messerangriff im Bordell

Auch mit einem sehr unkooperativen Zeugen mussten sich die Prozessbeteiligten herumschlagen: Dieser wurde per Haftbefehl in den Verhandlungssaal geführt. Zur vergangenen Sitzung war er bereits geladen und blieb ohne Entschuldigung dem Termin fern. Zwischen ihm und dem Beschuldigten soll es im Sommer 2016 in einem Bordell in einer Kreiskommune zu einem Streit gekommen sein, bei dem der Beschuldigte ihn mit einem Messer bedroht haben soll. »Daran kann ich mich nicht erinnern«, erklärte der Gießener. Auch ansonsten scheint es nicht sonderlich weit her zu sein mit seiner Erinnerung: Weder an seine Vernehmung bei der Polizei noch seine dortigen Aussagen kann er sich nach eigenen Angaben erinnern – auch durch Vorhalte von Richter Jürgen Seichter kam die Erinnerung angeblich nicht zurück. »Kann sein, dass ich bei der Polizei war, aber was ich da gesagt habe, weiß ich nicht mehr.« Erklärungen, die weder Richter noch Staatsanwältin dem Zeugen recht glauben konnten: »Werden sie regelmäßig mit einem Messer angegriffen, dass sie so was vergessen?« – »In dem Club passiert halt viel«, so seine Antwort.

Zum Abschluss der Verhandlung beantragte die Verteidigung, den Haftbefehl gegen den 31-Jährigen auszusetzen, damit er die geschlossene Psychiatrie verlassen kann. Dem stimmte das Gericht jedoch nicht zu: »Es steht zu befürchten, dass Sie sich dann wieder Drogen besorgen und zu einer Gefahr für andere werden«, erklärte der Richter. Der Prozess wird fortgesetzt.



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