Stadt Gießen

Ersttrimester-Screening im Blickpunkt

Gießen (cg). Moderne Testverfahren und deren Einführung in den Praxisalltag stehen im Mittelpunkt des 4. Internationalen Symposiums für Pränatale Diagnostik und Therapie. Zu der Tagung werden am Wochenende rund 200 Ärzte und international renommierte Experten im Uni-Hauptgebäude erwartet. Der medizinische Fortschritt bietet bei der Vorsorge in der Schwangerschaft bedeutsame Chancen für Mutter und Kind, er wirft aber auch medizinpolitische und ethische Fragen auf.
10. Januar 2017, 20:33 Uhr
Christine Steines
Axt-Fliedner_110117
R. Axt-Fliedner
Gießen (cg). Moderne Testverfahren und deren Einführung in den Praxisalltag stehen im Mittelpunkt des 4. Internationalen Symposiums für Pränatale Diagnostik und Therapie. Zu der Tagung werden am Wochenende rund 200 Ärzte und international renommierte Experten im Uni-Hauptgebäude erwartet. Der medizinische Fortschritt bietet bei der Vorsorge in der Schwangerschaft bedeutsame Chancen für Mutter und Kind, er wirft aber auch medizinpolitische und ethische Fragen auf.
Ein aktuelles Thema sind die Tests des Ersttrimester-Screenings, mit dessen Hilfe man Chromosomenanomalien wie das Down-Syndrom erkennen kann, erläutert Prof. Roland Axt-Fliedner, Leiter der Abteilung Pränatale Diagnostik und Therapie am UKGM und Organisator des Symposiums. Diese haben die bis vor einigen Jahren üblichen Fruchtwasseruntersuchungen weitgehend abgelöst. Bei der Amniozentese wird mittels einer Punktion durch die mütterliche Bauchdecke Fruchtwasser entnommen. Dies birgt das Risiko einer Früh- oder Fehlgeburt (etwa 0,5 bis 1 Prozent), während die Sonografie keinerlei Gefährdung darstellt.
Der Hauptbestandteil der Ersttrimester-Diagnostik ist eine umfangreiche Ultraschalluntersuchung. Aufgrund der modernen Technologie ist erfahrenen Medizinern bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Schwangerschaft eine gezielte Untersuchung der Organe der Feten möglich. Die Diagnostik beinhaltet darüber hinaus die Beurteilung der fetalen Nackentransparenz. Dabei handelt es sich um eine bei jedem ungeborenen Kind vorhandene Flüssigkeitsansammlung im Bereich des Nackens. Die Breite wird zur Risikoberechnung von Chromosomenstörungen des Kindes herangezogen. In die Risikoberechnung gehen neben dem Alter der Mutter und der Nackentransparenz noch zwei mütterliche Blutwerte ein. Durch die Kombination der Ultraschallunterschung und der Blutwerte liegt die »Entdeckungsrate« für die häufigste chromosomale Störung, die Trisomie 21 (Down-Syndrom) bei über 90 Prozent. Die werdenden Eltern erhalten eine Risikoberechnung für die drei häufigsten Chromosomenstörungen (Trisomie, 21, 18 und 13). Das Ergebnis der Untersuchung ist keine definitive Aussage, sondern eine Wahrscheinlichkeit. Eine definitive Diagnose kann nur durch die invasive Diagnostik, also eine anschließende Fruchtwasserunterschung erfolgen. Das Ersttrimester-Screening ist keine Leistung der Krankenkassen, sondern muss privat gezahlt werden.
Die technischen Möglichkeiten alleine versetzen die niedergelassenen Gynäkologen nicht unbedingt in die Lage, Fehlbildungen der Organe – beispielsweise auch des Herzens, zu erkennen, schildert Axt-Fliedner. In der Kinderklinik, mit der die Abteilung eng zusammenarbeitet, gibt es häufig kleine Patienten, deren Problem man schon in der Schwangerschaft hätte sehen und behandeln können. Aus diesem Grund bietet die Abteilung für die Pränatale Diagnostik und Therapie mehrmals im Jahr sonografische Fortbildungen an. Die Gießener Pränataldiagnostiker sind deutschlandweit führend, neben einer Klinik in Bonn ist das UKGM die erste Adresse, wenn es um vorgeburtliche Risikodiagnostik und Therapie geht.
Weitere Schwerpunkte der Tagung sind Themen aus der Echokardiografie und der Fehlbildungsdiagnostik. (Foto: pm)

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Ersttrimester-Screening-im-Blickpunkt;art71,171437

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