18. Oktober 2019, 06:00 Uhr

JLU-Ringvorlesung

Essen für alle - geht das?

Wie bekommt man die wachsende Weltbevölkerung satt trotz Klimakrise und Artensterben? Experten der Uni Gießen forschen zu solchen Fragen - und finden aktuell mehr Gehör denn je. Nun kommen zu einer Vortragsreihe hochkarätige Referenten an die JLU.
18. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Zu wenig Regen, Insektensterben, zu viel Nitrat durch Düngung: Landwirte wie auch Agrarwissenschaftler stehen vor großen globalen Herausforderungen. (Symbolfoto: dpa)

Die Weltbevölkerung wächst rasant, die Zahl der Hungernden nimmt seit drei Jahren wieder zu und liegt nun bei 820 Millionen. Zugleich kämpft die Landwirtschaft mit zunehmender Trockenheit und häufigeren Unwettern. Wie kann man alle Menschen auf dem Globus satt bekommen, ohne die Grundlagen für spätere Generationen zu zerstören? Mit dieser Frage befassen sich Wissenschaftler an der Justus-Liebig-Universität - nicht zufällig benannt nach einem Pionier der Agrarchemie - seit Jahrzehnten. In jüngster Zeit ist ihr Wissen gefragt wie nie.

Regierungen oder Banken beispielsweise suchen den Rat aus Gießen, schildert Prof. Lutz Breuer. Und auch das Interesse der Studierenden wächst: Stand er früher mitunter vor vier Lernwilligen, so sind Studiengänge wie Umweltmanagement seit Jahren aus- bis überlastet. Einerseits »ein schönes Gefühl«, sagt der Professor für Landschafts-, Wasser- und Stoffhaushalt. Andererseits verweist der Andrang auf den Ernst der Lage. Sie spiegelt sich auch im Titel der öffentlichen Ringvorlesung des JLU-Präsidenten: »Landwirtschaft am Limit - Welternährung im Wandel«. Breuer als Koordinator konnte hochkarätige Referenten gewinnen, darunter Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

JLU-Experten sind gefragt

Auf den Straßen demonstrieren weltweit Jugendliche für mehr Klimaschutz, der Hitzesommer 2018 und die Zahlen zum Insektensterben schreckten viele auf, während der Präsident der USA wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert. Dies sei für Forscher eine »zutiefst spannende Zeit«, sagt im Pressegespräch JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee. »Ich plädiere dafür, die Weinerlichkeit abzulegen, in die Arena zu steigen und Position zu beziehen.« Nötig sei eine faktenbasierte sachliche Debatte.

Die berge mitunter allerdings unangenehme Wahrheiten, ergänzt Breuer. Etwa: Brandrodungen in Brasilien hängen eng mit dem Fleischkonsum in Deutschland zusammen. Nötig sei eine »massive Verhaltensänderung des normalen Bürgers«, unterstreicht Mukherjee. Die Ringvorlesung rücke »verschiedene Aspekte eines der großen Zukunftsthemen in den Fokus«.

Zum Auftakt am 28. Oktober spricht Marlehn Thieme, Präsidentin der Welthungerhilfe, zum Thema »In einer gerechten Welt gibt es keinen Hunger«. Die Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung plädiert für eine Stärkung nachhaltiger bäuerlicher Landwirtschaft, fordert aber auch ein größeres Verantwortungsbewusstsein der Verbraucher.

Im zweiten Vortrag am 21. November (ausnahmsweise Donnerstag) widmet sich Anton Hofreiter, Vorsitzender der Grünen-Bundestagsfraktion, der »Landwirtschaft im Zeichen der Klimakrise« und damit den nie dagewesenen Herausforderungen, denen sich die Lebensmittelerzeugung gegenübersieht.

Klöckner spricht am 10. Februar

Die aktuelle Präsidentin des Umweltbundesamtes Maria Krautzberger wirft am 2. Dezember die Frage auf: »Stickstoff - zu viel des Guten?«.

In seiner neuen Funktion als Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit berichtet am 16. Dezember der SPD-Politiker Thorsten Schäfer-Gümbel über »Ernährungssicherung in Entwicklungsländern: Welche Potenziale bietet die Landwirtschaft?«.

»Biologische Vielfalt und Landwirtschaft« heißt am 20. Januar der Vortrag von Volker Mosbrugger, Professor für Paläontologie und Historische Geologie an der Goethe-Universität und Generaldirektor der Senckenberg-Gesellschaft Frankfurt.

Mit Präsidentin des Umweltbundesamts

Am 3. Februar spricht Prof. Dirk Messner, Direktor des Institute for Environment and Human Security an der UN-Universität in Bonn, über »Menschliche Entwicklung im Anthropozän - die Rolle der Vereinten Nationen«.

Zum Abschluss am 10. Februar richtet die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner (CDU) unter dem Titel »Landwirtschaft quo vadis?« ihren Blick in die Zukunft. Unter anderem beleuchtet sie die Rolle der Digitalisierung.

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