25. April 2019, 11:00 Uhr

Zwangsversteigerung

Ford-Händler ersteigert Autogalerie in Gießen

War das nun das Ende im Tauziehen um die Autogalerie Mittelhessen? Nach langem Leerstand ist die Immobilie am Mittwoch im Amtsgericht versteigert worden.
25. April 2019, 11:00 Uhr
Die Autogalerie Mittelhessen ist nach jahrelangem Leerstand am Mittwoch zum zweiten Mal versteigert worden. (Foto: mö)

Wer investiert und expandiert in diesen Zeiten noch im klassischen Autohandel? Eine Frage, die dem ein oder anderen Zaungast am Mittwochmorgen im Raum 205 des Gießener Amtsgerichts durch den Kopf gegangen sein mag. Zumal die Zwangsversteigerung der Autogalerie Mittelhessen auch eher zäh begann. 45 Minuten später war die eingangs gestellte Frage dann doch mit einem klaren Ja beantwortet. Für immerhin 1,45 Millionen Euro erteilte Rechtspflegerin Irene Schuh dem Bieter Jan Pascal Acker aus Biedenkopf den Zuschlag.

Der junge Mann ist einer von zwei Geschäftsführern des Ford Auto Zentrums; ein Familienunternehmen mit Standorten in Biedenkopf, Marburg und Bad Berleburg, das nun auch in der Automeile an der Licher Straße investieren will. Die Vertreter der Sparkasse, die als Hauptgläubigerin der Hain Automeile GbR die Zwangsversteigerung betrieben hatte, stimmten der Zuschlagserteilung an den Unternehmer aus dem Nachbarkreis zu. Der hatte zuvor eine Sicherheitsleistung hinterlegt.

 

Zweiter Versuch

Es war bereits die zweite Zwangsversteigerung der 2011 eröffneten Autogalerie. Im September 2016 war dem Rechtsanwalt Hans Scharpf, der als Treuhänder der früheren Eigentümerfamilie aufgetreten war, für 2,25 Millionen Euro der Zuschlag erteilt worden. Scharpf zahlte nur die Sicherheitsleistung, aber nicht die Restsumme. Der Rechtsanwalt blieb zwar Eigentümer der Immobilie, die aber weiter unter einer vom Amtsgericht angeordneten Verwaltung stand. Die gestrige Zwangsversteigerung richtete sich daher gegen den Insolvenzverwalter des Vermögens von Scharpf.

Weder Scharpf noch dessen Insolvenzverwalter waren am Mittwoch zugegen, dafür ergriff der frühere Eigentümer Volker Hain zu Beginn des Wort. »Wir sind immer noch Eigentümer, sehen uns als Verfahrensbeteiligte und haben Ansprüche«, sagte Hain, der eine Aufhebung des Versteigerungsverfahrens angeregt hatte. Diese Anregung wies Rechtspflegerin Schuh in ihrem abschließenden Beschluss als unbegründet zurück.

Bevor das Verfahren begann, hatte Hain zudem eine zweiseitige »Information« an mögliche Bieter auf dem Flur verteilt. Darin bezeichnete er den »erneuten Versteigerungsversuch« der Sparkasse als »skandalös« sowie »rechtswidrig« und riet Interessenten von der Ersteigerung der Autogalerie »dringend« ab. Unter anderem kündigte Hain an, eine Zuschlagsbeschwerde einzureichen.

 

Bieter aus Gießen und Linden

Immerhin vier Bieter ließen sich davon nicht abschrecken und lieferten sich ein Rennen, das bei der Summe von 1,02 Millionen Euro begann. Zwei Immobilienunternehmer aus Daupthetal und Linden sowie ein Autohändler aus Gießen boten mit und trieben den Preis nach oben. Der meistbietende Ford-Händler aus Biedenkopf stieg erst mit 1,3 Millionen Euro ein und erhielt schließlich für die besagten 1,45 Millionen Euro den Zuschlag.

Der Wert der Autogalerie war gutachterlich bereits vor drei Jahren auf 2,14 Millionen Euro geschätzt worden. Bis auf die Werkstatt, die derzeit vermietet ist, steht das Gebäude seit Jahren leer.

Die Autogalerie Mittelhessen, die Volker Hain für 2,5 Millionen Euro errichtet hatte, war im September 2011 eröffnet worden und schloss die letzte Baulücke auf dem Gelände der früheren Wehrmachts- und US-Kaserne an der Licher Straße. Hain präsentierte auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Grundstück die italienischen Marken Fiat, Lancia, Alfa Romeo, Maserati sowie Jeep und Chrysler, zudem verkaufte er Wohnmobile.

Hain, der sich offensichtlich als Opfer eines Komplotts seiner früheren Hausbank und der Gießener Justizbehörden sieht und bis zum Bundesgerichtshof erfolglos gegen die Sparkasse prozessierte, hat jetzt zwei Wochen Zeit, bei Gericht die von ihm angekündigte Beschwerde gegen die Erteilung des Zuschlags einzulegen. Lehnt die Rechtspflegerin auch diesen Antrag als unbegründet ab, muss sich mit dieser Entscheidung danach das Landgericht befassen.

Info

Zwangsversteigerung

Die Zwangsversteigerung ist die Durchsetzung eines Anspruchs mit staatlichen Machtmitteln. Der Gläubiger hat die Möglichkeit, wegen einer Geldforderung in das unbewegliche Vermögen zu vollstrecken und seinen Anspruch somit zu befriedigen. Unbewegliches Vermögen sind Grundstücke und deren Aufbauten, Wohnungseigentum, Teileigentum sowie grundstücksgleiche Rechte wie das Erbbaurecht. Die Verfahren zur Zwangsversteigerung werden an den Amtsgerichten durchgeführt, in deren Zuständigkeitsbereich sich die zu versteigernde Immobilie befindet. Die bundesweite Internetplattform zvg-portal informiert über die einzelnen Verfahren.

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