25. Oktober 2018, 22:09 Uhr

Forschungs-»Leuchtturm« wächst weiter

Von Asthma bis Lungenkrebs: Atemwegserkrankungen nehmen weltweit zu und gehören zu den häufigsten Todesursachen. Bisher gibt es kaum Chancen auf Heilung. Gießener Forscher sollen bald verstärkt an neuen Therapien arbeiten im »Institut für Lungengesundheit«. Dafür entsteht ein weiterer Neubau.
25. Oktober 2018, 22:09 Uhr
Jeder fünfte Todesfall weltweit ist auf eine Lungenkrankheit zurückzuführen. Für die meisten Erkrankungen gibt es bisher keine Heilmethoden. (Symbolfoto: Fotolia/Lydie stock)

Gießen gleich Lunge, Lunge gleich Gießen«: Diese Gleichung gilt in der medizinischen Forschung weltweit, weiß Ministerpräsident Volker Bouffier. Nun wird dieses Arbeitsgebiet weiter ausgebaut. Das Land Hessen errichtet gemeinsam mit dem Bund ein Institut für Lungengesundheit. Damit verbunden ist die Hoffnung auf Heilung der Atemwegserkrankungen, die zu den häufigsten Todesursachen gehören und weiter zunehmen.

Am Donnerstag unterzeichneten Ministerpräsident Volker Bouffier und der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Dr. Michael Meister, bei einer Feierstunde im Uni-Hauptgebäude mit rund 40 Gästen eine Absichtserklärung. Schon in den nächsten drei Jahren soll ein weiterer Neubau auf dem Seltersberg nahe dem Biomedizinischen Forschungszentrum entstehen.

Von gesunden Mechanismen lernen

Prof. Joybrato Mukherjee, Präsident der Justus-Liebig-Universität, nennt das Zentrum den »nächsten Schritt« und einen »Meilenstein«. Nach Jahrzehnten »herausragender« Arbeit – jüngst bestätigt mit einem Erfolg in der Exzellenzstrategie – werde die Lungenforschung mit einem weiteren außeruniversitären Zentrum ausgebaut. »Ich bin dem Bund und dem Land Hessen für dieses besondere Engagement sehr dankbar«, so Mukherjee. International renommiert ist Gießen schon als Hauptsitz des Deutschen Zentrums für Lungenforschung und des Exzellenzclusters Cardio-Pulmonales Institut.

An der Spitze beider Institutionen steht Prof. Werner Seeger, der auch die wissenschaftliche Koordination des neuen Instituts übernehmen wird. Nicht zufällig stelle es den Begriff Gesundheit in den Fokus, erläutert der Mediziner. Die Experten wollten von den Mechanismen lernen, mit denen der Körper die Lunge stetig neu modelliert, repariert und vor Erregern schützt. Seeger dankt unter anderem dem Fachbereich Medizin: Die langfristige Unterstützung einer Fachrichtung sei nicht selbstverständlich.

»Unsere zwölf Hochschulen in Hessen sind Motoren für Innovationen«, sagt Ministerpräsident Bouffier, der an diesem Tag selbst seine Lunge spürt: Er geht mit einer Erkältung in den Wahlkampf-Endspurt. Die Gießener Lungenforschung sei ein »Leuchtturm der Wissenschaft«. Von Forschungseinrichtungen profitierten nicht nur die Patienten, sondern die ganze Region. Das zeige sich an Mittelhessen mit seinen vielen Medizintechnik-Unternehmen.

»Jeder Cent lohnt sich«

Staatssekretär Meister unterstreicht, es gehe vor allem darum, Forschungsergebnisse in die klinische Praxis zu überführen, sodass den Erkrankten zukünftig noch besser geholfen werden kann. Der Bund wolle die Lungenforschung am Standort Gießen gemeinsam mit dem Land langfristig sichern.

»Jeder Cent lohnt sich«, meint Hessens Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU). Atemwegserkrankungen seien ein »Top-Thema in der Medizin«, allein in Europa sterben jährlich 600 000 Menschen daran. »Ziel des neuen Instituts sei es, auf neue Herausforderungen in der Lungenforschung schnell und kompetent zu reagieren.« Mit dem bundesweit einmaligen Förderprogramm Loewe schaffe das Land die Bedingungen für Spitzenforschung. Dabei setze man lokal unterschiedliche Schwerpunkte mit dem Ziel »Stärken stärken«, erläutert Rhein.

Sowohl Mukherjee als auch Bouffier betonen im Übrigen, dass es die Uni gewesen sei, die auf einen Termin noch vor der Landtagswahl gedrängt habe. »Mit Forschung kann man keine Wahl gewinnen, das Thema interessiert kaum jemanden«, sagt der Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat. »Aber sie ist unsere Zukunft.«

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