04. Juli 2019, 22:08 Uhr

Frauennachttaxi

Frauennachttaxi kehrt in Gießen nicht zurück

Die Koalition hat einen Vorstoß abgelehnt, in Gießen wieder ein Frauennachttaxi einzuführen. Billigere Fahrten nur für Frauen seien »unzeitgemäß«, hießt es.
04. Juli 2019, 22:08 Uhr
Mit Aufklebern warb die Stadt ab 1987 für günstige Minicar-Fahrten. (Bild: Archiv)

Frauen fahren im Dunkeln billiger Minicar. Möglich machen es städtische Zuschüsse. Dieses 1987 in Gießen eingeführte Konzept war immer umstritten. Nach stark rückgängigen Nutzerinnenzahlen wurde das Frauennachttaxi 2001 eingestellt. Nun steht fest: Es wird vorerst nicht zurückkehren. Die CDU/SPD/Grüne-Koalition konnte sich nicht auf die Wiederbelebung einigen. Namentlich die Union findet das Modell »nicht mehr zeitgemäß«.

Den Anstoß hatte im November die AfD gegeben. Begründung: Es gebe eine »erhöhte Zahl von Übergriffen auf Frauen« - auf GAZ-Anfrage stellte die Polizei kurz darauf klar, dass das nicht stimmt. Zudem stand im Antrag: »Mittlerweile wird auch selbstbewussten Frauen geraten, nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr alleine durch Gießen zu gehen.« Vertreter fast aller anderen Fraktionen kritisierten einen unausgesprochenen Generalverdacht gegen Flüchtlinge sowie die Degradierung von Frauen zu »angstscheuen Wesen«: Letztlich verabschiedete die Koalition einen nüchternen Änderungantrag: Der Magistrat solle ein Modell zur Wiedereinführung eines Frauentaxis prüfen.

In Erwägung gezogen wurde schließlich eine Organisation über Gutscheine. Frauen könnten sie für je zwei Euro erwerben und damit um vier Euro günstiger Minicar fahren, so die Idee. Die Differenz hätte die Stadt beglichen.

Gescheitert sei das Vorhaben am Widerstand der CDU, erklärt nun die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen mit »Bedauern«. Noch immer seien Frauen »häufiger von Gewalt bedroht als andere Bevölkerungsgruppen«, so die AsF. Nachtbusse, vorwiegend von jungen Leuten genutzt, seien keine Alternative für berufstätige Frauen im Schichtdienst oder Seniorinnen nach einem Theaterbesuch. Die Haushaltslage der Stadt hätte eine Wiederaufnahme erlaubt.

Reichen Nachtbusse aus?

Die gute Verkehrsinfrastruktur und organisatorische Bedenken führt auf Anfrage der CDU-Stadtverordnete Randy Uelman ins Feld. Ein Angebot nur für Frauen sei fragwürdig mit Blick auf die »Geschlechtergerechtigkeit«. Zudem wolle man sich nicht »von der AfD treiben lassen«. Viele Frauen bewegten sich ohne Angst in der Stadt.

»Schade« finden die Grünen, dass es keine Einigung gab. »Der Magistrat hatte ein für uns tragbares Modell entwickelt. Wir hätten ein neues Angebot sinnvoll gefunden«, erklärt der Fraktionsvorsitzende Klaus-Dieter Grothe der GAZ.

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