08. Mai 2018, 11:00 Uhr

Freibad Kleinlinden

Freibad Kleinlinden vor ungewisser Zukunft

In einem Monat öffnet das Freibad in Kleinlinden. Im nächsten Jahr könnte es jedoch zu grundlegenden Änderungen kommen. Die Stadtwerke machen sich Gedanken über eine neue Betriebsform.
08. Mai 2018, 11:00 Uhr
Vier Wochen noch bis zum Saisonstart. Wie es danach weitergeht, ist offen. (Foto: Schepp)

Nein, einen Sprung ins kühle Nass sollte man in Kleinlinden derzeit nicht wagen. Eine Folie ist über das 38 Meter lange Becken gespannt, abgesehen davon ist das Eingangstor verschlossen. Klar, die Saisoneröffnung liegt auch noch vier Wochen in der Zukunft. Trotzdem ist das Linneser Bad derzeit Gesprächsthema im Ort. Gerüchte haben die Runde gemacht, es könnte vor seiner letzten Saison stehen. Ina Weller, Pressesprecherin der zuständigen Stadtwerke, dementiert das drohende Aus. »Das kann ich definitiv ausschließen.« In welcher Form das Kleinlindener Freibad künftig betrieben wird, ist jedoch ungewiss.

Man kann durchaus von einem Luxus sprechen, den die Gießener in Sachen Freibad-Versorgung genießen. Neben der Ringallee in der Innenstadt betreiben die Stadtwerke zudem die beiden Freibäder in den Stadtteilen Lützellinden und Kleinlinden, Dieser Luxus kostet die Stadt einiges an Geld. »Grundsätzlich liegt der Kostendeckungsgrad bei Freibädern in keiner erfreulichen Höhe«, sagt Weller, ohne genaue Zahlen zu nennen. In Nachbarkommunen liegt die jährliche Bezuschussung aber meist im sechsstelligen Bereich.

Die Stadtwerke machen sich daher Gedanken, wie der Verlust minimiert werden kann. Oder wie Weller es formuliert: »Wir sind dabei, eine neue Strategie für unseren Bäderbetrieb zu erarbeiten, um unsere Bäder dauerhaft attraktiver für die Kunden zu machen und den Betrieb nachhaltig effizienter zu gestalten.« Dabei werde einiges auf den Prüfstand gestellt. »Ein kleiner Teil davon ist die Betrachtung der Situation in unserem Freibad Kleinlinden«, sagt Weller und teilt mit, dass vergangenes Jahr weniger als 10 000 Menschen das dortige Becken aufgesucht hätten. Bei einem Tagesticket-Preis in Höhe von 2,80 Euro macht das – im besten Fall – 28 000 Euro. Eine Summe, mit der sich Personal-, Instanthaltungs- und Betriebskosten nicht ansatzweise decken dürften. Bei einem zum Teil durch Vereine geführten Betrieb wären die Kosten deutlich geringer. Kein Wunder, dass die Stadtwerke derzeit Gespräche mit heimischen Vereinen führen. Laut Weller handelt es sich um den TSV Klein-Linden, die DLRG Gießen und den TSV Allendorf/Lahn.

Das bestätigt auch Gerhard Kerzmann aus dem Vorstand des TSV Klein-Linden. »Die Stadtwerke sind an uns herangetreten und haben angefragt, ob wir uns zusammen mit den anderen beiden Vereinen ein wie auch immer geartetes Betreiben des Bades vorstellen könnten.« Diskutiert worden sei zum Beispiel ein Modell, wonach die Vereine das Bad von 11 bis 15 Uhr für ihre Mitglieder betreiben könnten. Anschießend würden dann die Stadtwerke übernehmen, dann wären die Becken auch für Nicht-Mitglieder zugänglich. »Um die Technik müssten sich aber weiterhin die Stadtwerke kümmern«, sagt Kerzmann, »das können wir ja gar nicht.« Der Vorsitzende betont aber auch, dass man sich gerade erst beschnuppert habe, viele weitere Gespräche müssten folgen. Er selbst scheint dem Projekt jedoch aufgeschlossen gegenüberzustehen. Die Vereine könnten ihr Angebot durch ein »Mitglieder-Schwimmbad« erweitern, zum Beispiel mit Aquajogging oder Baby-Schimmkursen. Es sei auch gut möglich, dass die Vereine um das ein oder andere Mitglied wachsen würden, sagt Kerzmann. »Aber noch stehen wir ganz am Anfang. Eine genaue Kalkulation muss gemacht werden.« Und nicht zuletzt sei wichtig, was die Mitglieder von dem Vorhaben halten. »Die bisherigen Reaktionen waren breitgefächert. Manche Mitglieder waren euphorisch und sahen die Möglichkeiten, andere waren eher skeptisch und verwiesen auf die Risiken.« Auf jeden Fall werde man die Idee sacken lassen und dann die Details besprechen. Auch der Ortsbeirat müsse in die Sache eingebunden werden. Und nicht zuletzt sei die Haftungsfrage zu klären. Wie auch immer das Modell am Ende aussehen wird, für Kerzmann steht ein Ziel im Vordergrund: »Kleinlinden muss sein Freibad behalten.«

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